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Kommentar Telekom, Vodafone und Telefonica sollten weniger kritisieren und mehr investieren

Die deutschen Anbieter stellen Forderungen an die Politik, statt sich beim Netzausbau an die Arbeit zu machen. Ihr Zaudern könnte die Wirtschaft langfristig belasten.
13.08.2018 - 17:21 Uhr Kommentieren
Telekom, Vodafone und Telefónica müssen jetzt viel investieren – nicht erst in einigen Jahren. Quelle: dpa
Mobilfunkmast

Telekom, Vodafone und Telefónica müssen jetzt viel investieren – nicht erst in einigen Jahren.

(Foto: dpa)

Es wird gestritten wie schon lange nicht mehr. United Internet kritisiert die Netzbetreiber. Die antworten mit ebenso scharfer Kritik. Und alle machen der Politik Vorhaltungen.

Die deutsche Telekommunikationsbranche steht vor tiefgreifenden Umbrüchen. Im kommenden Jahr werden die Lizenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G vergeben und die Regeln für den Glasfaserausbau festgezurrt.

Die Netzanbieter Telekom, Vodafone und Telefónica wollen so wenig wie möglich für die Lizenzen zahlen und gleichzeitig so viele Auflagen wie möglich verhindern. Das ist aus ihrer Sicht zwar sicherlich sinnvoll. Sie müssen aber mehr bieten, als nur vor zu viel Regulierung zu warnen.

Denn: Es geht um mehr als nur die Regeln für eine einzelne Branche. Die Telekommunikation ist die Basis für die digitale Wirtschaft der Zukunft. Deutsche Firmen brauchen Zugang zu flächendeckend schnellem Internet.

Doch der Ausbau von 5G und Glasfaseranschlüssen ist sehr teuer und dürfte viele Jahre dauern. Nur wenn die Unternehmen frühzeitig alles daransetzen, die Infrastruktur zu schaffen, hat die Bundesrepublik die Chance, weiterhin an der Weltspitze der globalisierten Wirtschaft mitzuspielen.

Doch anstatt mit visionären Konzepten vorzupreschen, konzentrieren sich die Telekommunikationsanbieter auf den Streit über Vorschriften und Regulierung. Eigentlich konkurrieren die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica untereinander. Doch derzeit sind sich die drei Netzbetreiber weitgehend einig. Sie unternehmen alles, um den Vorstoß von United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth, der den Aufbau eines vierten Netzes ins Gespräch gebracht hat, ins Leere laufen zu lassen.

Es stimmt zwar, dass ein viertes Netz nicht dabei helfen würde, die Funklöcher in Deutschland zu schließen. Aber mit der Behauptung, ein weiterer Spieler auf dem Markt sei schlecht für Investitionen und Innovation, schießen sie über das Ziel hinaus.

Der Logik folgend wäre ein Anbieter statt zwei oder drei die beste Lösung, da dann keine Infrastruktur doppelt gebaut werden müsste. Doch so will das natürlich auch keiner der Netzbetreiber verstanden wissen.

Es lohnt ein Blick nach Großbritannien. Der zögerliche Umgang von British Telecommunications mit dem Thema Glasfaserausbau brachte die Regulierungsbehörden auf. Sie erließen so strenge Regeln, dass BT massiv unter Druck geriet. Investoren zogen sich zurück. Der Aktienkurs gab deutlich nach. Solch einen Schlagabtausch sollten Telekom, Vodafone und Telefónica unbedingt vermeiden.

Netzausbau ist ein Marathon, kein Sprint

Es geht darum, dass die Telekommunikationsfirmen in Deutschland stringente Konzepte vorlegen, wie sie die digitale Infrastruktur der Zukunft bauen werden. Die Telekom ist am weitesten fortgeschritten. Sie hat zuletzt fast 500.000 Kilometer verlegte Glasfaserkabel in Deutschland gemeldet und allein im vergangen Jahr 40.000 Kilometer neu verlegt.

Trotzdem setzt sie sich noch zurückhaltende Ziele. Erst ab 2021 will das Unternehmen jährlich zwei Millionen Haushalte direkt an die Glasfaser anschließen. Das ist zu wenig und zu spät. Die Gefahr ist groß, dass die Nachfrage nach den besonders schnellen Anschlüssen rascher steigen wird. Dabei ist der Ausbau von Glasfaser nicht nur für schnelles Internet im Festnetz wichtig. Auch für den Mobilfunkstandard 5G müssen viele der Sendemasten an die Glasfaser angeschlossen werden.

Konkurrent Vodafone hat als Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2022 bereits 25 Millionen Gigabit-Anschlüsse für 50 Millionen Menschen bereitzustellen. Die Basis dafür soll das Internet auf Basis der Fernsehkabel werden.

Das wird allerdings nur funktionieren, wenn die Wettbewerbsbehörden auch die geplante Fusion mit dem Kabelnetzanbieter Unitymedia zulassen. Selbst wenn die Übernahme genehmigt wird, muss Vodafone erst beweisen, dass es als Betreiber auch hohe Datenraten flächendeckend sicherstellen kann. Denn je mehr Menschen auf das Kabelnetz zugreifen, desto mehr steigt die Belastung.

Telefónica Deutschland hängt am weitesten zurück. Vor vier Jahren hatte der Netzanbieter den Konkurrenten E-Plus geschluckt. Doch erst zum Jahresende soll die Übernahme abgeschlossen sein.

Noch kämpft der Anbieter hinter der Marke O2 mit Netzproblemen. Und Telefónica hat sich aus dem Festnetzgeschäft zurückgezogen. Das macht es jetzt umso schwerer, die Voraussetzungen für den Ausbau von 5G zu schaffen. Denn Telefónica kann nicht auf ein weitverzweigtes Glasfasernetz wie die Telekom zurückgreifen.

Netzausbau ist ein Marathon, kein Sprint. Die Betreiber müssen schlüssige Konzepte vorlegen, statt immer nur Forderungen an die Politik zu stellen. Jetzt werden die Grundlagen für die digitale Zukunft geschaffen.

Deutschland braucht schnelles Internet, sowohl mobil als auch im Festnetz. Die Telekom, Vodafone und Telefónica haben die Chance, die Bundesrepublik zum Vorreiter zu machen. Dazu müssen sie jetzt viel investieren – nicht erst in einigen Jahren.

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