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Volkswagen und Microsoft

Volkswagenchef Herbert Diess und Microsoft CEO Satya Narayana Nadella wollen die Automotive Cloud weiterentwickeln.

(Foto: AFP)

Kooperation Was VW und Daimler von Microsoft lernen wollen

Die Deutschen wollen nicht nur Autos bauen, sondern auch die Daten beherrschen. Darum soll die Kooperation mit Microsoft vertieft werden.
Update: 27.02.2019 - 16:38 Uhr Kommentieren

BerlinDie Oberkörper vorgebeugt, wild mit den Händen gestikulierend: Auf den niedrigen weißen Sesseln hält es weder Herbert Diess noch Satya Nadella. Die Chefs von Volkswagen und Microsoft haben zum Gespräch nach Berlin geladen, um über eine Kooperation zu reden.

Das hört sich trocken an, zumal die beiden Konzerne schon vor Monaten vereinbart hatten, Daten aus vernetzten VW-Autos auf den Servern von Microsoft zu speichern. Für Diess ist der Auftritt mit dem Microsoft-Chef aber eine Chance, eine Botschaft zu senden.

Der Wandel, der die Autoindustrie gepackt hat, ist der bislang größte, dem sich die Branche in ihrer Geschichte stellen musste, führte der VW-Chef aus. Sorge bereitet ihm weniger die Umstellung der Antriebe von Benzin auf Strom. „Die Elektromobilität werden wir meistern“, sagt er. „Der nächste Schritt wird aber größer sein, weil er Fähigkeiten voraussetzt, die wir nicht haben.“

VW müsse lernen, nicht nur Autos zu bauen, sondern auch die Software zu beherrschen. Da sieht Diess das größte Defizit. Und nicht nur er: Erst am Dienstag hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Zweifel gezogen, dass jeder Autohersteller die Umbruchphase wird überstehen können. „Wir wissen, dass die Branche in zehn Jahren völlig anders sein wird“, hatte er am Montag auf dem Mobile World Congress in Barcelona gesagt.

Bislang bezieht der VW-Konzern mit seinen Marken Audi, Skoda und Seat seine Software vor allem von Zulieferern. Diese sei bereits installiert in den Komponenten, sagte Diess. Das reicht ihm aber nicht mehr. „Wir müssen stärker eine Softwarefirma werden.“ Dort stecken aus Sicht von Experten zukünftig die größten Umsatzpotenziale. Anwendungen wie autonomes Fahren oder eben die Vernetzung der Fahrzeuge mit ihrer Umwelt sind ohne Software nicht denkbar. 

Microsoft hat den Wandel bereits hinter sich

Das Geschäftsmodell der Hersteller wird sich radikal verändern. Statt Autos zu kaufen, werden Kunden diese zukünftig mieten. Nicht mehr der Besitz zählt, sondern die Mobilität an sich. Wer den besten, schnellsten und günstigsten Weg zum Ziel anbieten kann, wird den Markt beherrschen.

Microsoft ist für Diess darum ein idealer Partner. Der von Nadella geführte Konzern sei nicht nur kein Wettbewerber. Microsoft habe auch selbst eine Umbruchphase erfolgreich gemeistert. „Ich denke, der Partner kann uns mit seiner Erfahrung im Umbruch helfen“, sagte Diess.

Microsoft hatte sein Geschäftsmodell umstellen müssen, da der Verkauf von Softwarepaketen nicht mehr lief. Sein Monopol bei Betriebssystemen gab das von Bill Gates gegründete Unternehmen daher selbst auf, bevor es von neuen Angreifern gekippt werden konnte. Angeführt wurde die Neuausrichtung von Nadella. Aus dessen Sicht war einer der Gründe für die Krise, dass Microsoft zu sehr vom eigenen Erfolg berauscht war. Dies habe sich geändert. Microsoft sei wieder „hungrig“ geworden, sagte er.

In den vergangenen Monaten hat der Konzern eine Reihe von bedeutenden Kooperationen geschlossen. Neben Daimler und Volkswagen zählen unter anderem der Energiekonzern Eon sowie Industriekonzerne wie Thyssen-Krupp und ABB zu den Partnern. Microsoft hat sich im Markt für die Speicherung von Daten (Cloud) gegenüber dem Rivalen Amazon positionieren können.

Für den US-Konzern dürften die Kooperationen zunächst ein Zuschussgeschäft sein. Der Markt ist bislang überschaubar.

„Wenn wir weiterhin tun, was wir gut gemacht haben, sind wir erledigt“

Wie viele Menschen letztlich auf neue Mobilitätsdienste umsteigen werden, weiß heute niemand. Aktuell liegt der Marktanteil bei gerade einmal 0,2 Prozent, hat Daimler-Chef Dieter Zetsche in Barcelona vorgerechnet. Das Potenzial ist aber aus Sicht von Experten gewaltig. Und die Hoffnungen, die damit verbunden sind, zeigen sich an Firmen wie Uber. Der Vermittler von Taxileistungen gilt mit einer Bewertung im zweistelligen Milliardenbereich als eines der wertvollsten Start-ups.

Der Markt ist in Bewegung. Daimler-Chef Zetsche warnte daher: Einige der bekannten Akteure würde man auch in zehn Jahren sehen, aber vielleicht nicht mehr alle. „Wenn wir weiterhin das tun, was wir gut gemacht haben, dann sind wir erledigt.“

Diess sieht VW gegenüber anderen Herstellern im Vorteil. Sein Unternehmen verkaufe jedes Jahr über zehn Millionen Autos, was enorme Skaleneffekte ermögliche. Die Wolfsburger sind damit fünfmal so groß wie Daimler oder BMW.

Ein Selbstläufer ist die Neuausrichtung für den VW-Chef aber nicht. „Es wird ein harter Weg, der viel Geld kosten wird.“ Heute sei VW nämlich noch zu sehr ein Hardwarehersteller, also ein Produzent von Autos. Dies werde sich aber ändern. Diese Fertigkeiten werde VW nun im eigenen Haus aufbauen.

Eine Lektion aus der IT-Industrie haben die Manager aus der Automobilbranche bereits beherzigt. Die Zeiten sind vorbei, in denen die Entwicklungsabteilungen für Außenstehende verriegelt waren. Die Hersteller müssen sich öffnen, auch einmal Wettbewerber und junge Herausforderer zur Kooperation reinholen, wie Zetsche beteuerte.

Entwicklungen verlieren dabei vielleicht an Exklusivität. Aber ohne eine Öffnung werden die Autobauer wichtige Trends verpassen und schlicht nicht schnell genug sein, um auf Veränderungen zu reagieren. 

Mehr: Wie Microsoft der Wandel gelang lesen Sie hier.

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