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Kreativbranche Werbewirtschaft schreibt Brandbrief an die Kanzlerin

Eine Allianz der größten Kommunikationsagenturen Deutschlands appelliert an die Bundesregierung in einem offenen Brief. Sie fürchtet einen massiven Stellenabbau.
08.04.2020 - 10:32 Uhr 1 Kommentar
Die Krise trifft auch die Werbeindustrie. Alle Kampagnen, die nicht die Epidemie als Thema haben, werden gestoppt. Quelle: dpa
Coronavirus

Die Krise trifft auch die Werbeindustrie. Alle Kampagnen, die nicht die Epidemie als Thema haben, werden gestoppt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Lage in der deutschen Kommunikationsbranche spitzt sich zu. Die Dienstleister haben durch die Coronakrise erhebliche wirtschaftliche Probleme. In einem offenen Brief wenden sich nun die führenden Kommunikationsverbände des Landes an die Bundesregierung. Sie bitten Bundeskanzlerin Angela Merkel um Unterstützung.

In der Allianz befinden sich Verbände wie der Bundesverband Digitale Wirtschaft, der Veranstaltungsverband Famab, der Kommunikationsverband GWA oder auch der OMG, der Verband der Mediaagenturen. Eine Allianz, die nach eigenen Angaben etwa 900.000 Arbeitnehmer beschäftigt und einen Gesamtumsatz von 50 Milliarden Euro erzielt.

„Vielen unserer Mitglieder ist faktisch die Ausübung ihrer unternehmerischen Tätigkeit verboten. Bei anderen gehen die Umsätze stark zurück“, heißt in dem Brief, der heute verschickt wird und dem Handelsblatt vorab vorliegt. „Wir erwarten eine riesige Insolvenzwelle bei Unternehmen, die 2020 mehr als die Hälfte ihres Umsatzes abmelden müssen. Unsere Branche ist davon nicht allein, aber besonders betroffen.“

Tatsächlich sind viele Werbemaßnahmen gerade auf ein Minimum reduziert worden. Dies betrifft etwa alle Kampagnen im Umfeld der abgesagten Sportereignisse wie Fußball-Europameisterschaft, Olympische Spiele, Champions League bis hin zu allen weiteren Sport- und Großveranstaltungen. Aber auch andere Kampagnen werden gestoppt, vor allem aus den Bereichen Touristik, Handel, Finanzen und Automobil.

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    Die Media- und Werbeinvestitionen werden „allein in den Monaten April bis Mai zu 50 Prozent storniert“, heißt es in dem Brief. Über das Gesamtjahr rechnet die Branche mit einem Rückgang von rund 25 Prozent. Nicht nur die Kreativdienstleister seien betroffen, sondern auch die Medien. Die Branche pocht auf staatliche Zusatzregelungen.

    „Als die Kontaktsperre vor drei Wochen umgesetzt wurde, ist uns klargeworden, dass die Kommunikationsbranche vor gewaltigen Problemen stehen wird“, sagt Uwe Kohrs, Chairman des ebenfalls beteiligten PR-Verbands GPRA.

    Sämtliche geplanten Kampagnen hätten überprüft – und auf das neue Megathema angepasst werden müssen. Beispiel: Lebensmittelindustrie. „Fast jede Werbung thematisiert inzwischen die Coronakrise“, sagt PR-Experte Kohrs. „Viele geplante Kampagnen sind bereits storniert worden.“

    Berufliche Konferenzen vor privaten Jahrmärkten

    Beispiel Lufthansa: Da der Flugbetrieb fast komplett eingestellt wurde, sind auch die Werbemaßnahmen der Airline auf null gesetzt worden. „Auch viele Produkte können momentan nicht mehr verkauft werden. Eine entsprechende Werbeaktion ergibt bei geschlossenen Läden keinen Sinn“, meint Kohrs. Viele Kommunikationsagenturen würden das Instrument der Kurzarbeit prüfen – oder setzten es bereits um.

    Die Allianz der Kommunikationsexperten fordert daher von der Bundesregierung Planungssicherheit – und macht einen eigenen Vorschlag. In dem Brief heißt es: „So schlagen wir eine zeitlich gestaffelte Rücknahme der Verbote von Veranstaltungen vor: Erst die geschäftlichen Events wie Messen und Konferenzen erlauben, später jene, die vorwiegend dem Vergnügen dienen.“ Berufliche Konferenzen vor privaten Jahrmärkten. „Das sollte schrittweise gehen – um unnötige Risiken zu vermeiden“, sagt Kohrs.

    Des Weiteren plädiert die Allianz für bessere finanzielle Bedingungen: Die Vergabe von KfW-besicherten Krediten solle bei den Hausbanken beschleunigt werden, indem beispielsweise die Bonitätsprüfung erleichtert wird. Und: Die Kredite sollten zinsfrei angeboten werden. „Der Staat sollte in dieser Krise nicht verdienen wollen.“

    Auch schlägt die Allianz eine Verlängerung der Frist, in der die Insolvenzregelungen ausgesetzt werden, bis zum Jahresende vor. Bislang sind die Insolvenzregelungen bis September eingefroren.

    Darüber hinaus bringt die Allianz eine Zusatzregelung für die Branche ins Gespräch: Hier könnte eine Erstattung der Umsatzsteuerzahlungen aus dem vergangenen Jahr helfen und vor der Insolvenz bewahren. Dies beträfe die Veranstaltungswirtschaft, Gastronomie, Hotellerie und verbundene Bereiche.

    Auch der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) hat diese Woche eine offizielle Erklärung zur schwierigen Lage der Kommunikationsbranche abgegeben. Der Dachverband appellierte an die Politik, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen konkret zu stärken. Zugleich rief er zu Fairness und Solidarität aller Unternehmen der Werbewirtschaft untereinander auf.

    Der ZAW schlägt einen solidarischen Lastenausgleich zwischen allen Marktteilnehmern aller Größen innerhalb der Werbewirtschaft vor. Die werbetreibenden Unternehmen, die die Reklame in Auftrag geben, könnten „in besonderer Weise mit ihrem Engagement im Werbemarkt dazu beitragen“. Anders als die Allianz der Kommunikationsagenturen, die ausschließlich an die Politik appelliert, sieht der ZAW auch die Werbekunden in der Pflicht.

    Mehr: Warum es für Unternehmen fatal sein könnte, jetzt auf Werbung zu verzichten

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    1 Kommentar zu "Kreativbranche: Werbewirtschaft schreibt Brandbrief an die Kanzlerin"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Also wirklich! jetzt kommen wieder sämtliche Exoten aus ihren Löchern und verlangen Staatsknete.
      Der Werbewirtschaft sollte nicht unsere erste Sorge gelten.
      Als nächstes Immobilien+Versicherungsmakler, Shishabars, Waxingstudios und Tabledancebars?

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