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Künstliche Intelligenz So will Microsoft die Konkurrenten Alphabet oder Amazon einholen

Satya Nadella will Microsoft zur neuen Macht bei Künstlicher Intelligenz machen. Der Softwareriese wettet darauf, an der Spitze mitmischen zu können.
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Microsoft hatte Alphabet und Amazon das Feld bei Künstlicher Intelligenz überlassen. Microsoft-Chef Nadella will das ändern. Quelle: PETER DICAMPO/The New York Times/Redux/laif
Microsoft-Chef Satya Nadella

Microsoft hatte Alphabet und Amazon das Feld bei Künstlicher Intelligenz überlassen. Microsoft-Chef Nadella will das ändern.

(Foto: PETER DICAMPO/The New York Times/Redux/laif)

Redmond Die Kamera erfasst den Besucher, bevor er den Türgriff berührt. In weniger als einer Sekunde vergleicht eine hinterlegte Künstliche Intelligenz (KI) das Gesicht mit Microsofts Angestellten-Datenbank. Die Glasflügel schwingen auf, der Mitarbeiter kann hindurchlaufen.

Die smarte Tür auf dem Gelände der Microsoft-Zentrale in Redmond, Washington, steht für die neue Strategie von Konzernchef Satya Nadella. Das frühere Windows-Imperium soll zur neuen Macht bei KI aufsteigen. „Künstliche Intelligenz könnte das wichtigste Stück Technologie sein, das die Menschheit je erschaffen hat“, glaubt der 51-Jährige. Microsoft wolle die Technologie „demokratisieren“.

Nicht nur Alphabet, Amazon oder Facebook, die amerikanischen Technologieführer bei KI, oder die chinesischen Rivalen Baidu und Alibaba sollen von den Fortschritten beim Maschinenlernen profitieren. Auch Microsoft. Der Softwareriese wettet darauf, wieder an der Spitze mitmischen zu können.

Nach einem verlorenen Jahrzehnt kündigt sich eine Renaissance in Redmond an. Mit einem Börsenwert von 821 Milliarden Dollar stieg der PC-Pionier am Freitag zur zweitwertvollsten Firma der Welt hinter Apple auf, überholte Amazon, den Erzrivalen, der ein paar Hundert Meter weiter Luftlinie auf der anderen Seite des Lake Washington in Seattle residiert.

Unter Nadellas Vorgänger Steve Ballmer strauchelte Microsoft jahrelang. Windows verlor an Reichweite. Die PC-Verkäufe brachen ein. Die Mobilstrategie endete im Desaster. Der Name Microsoft stand für Irrelevanz statt für Innovation. Der Weg zurück begann im Frühjahr 2014 mit Nadella, der den PC-Pionier als Anbieter von „Plattformen und Werkzeugen“ neu ausrichtete, mit Künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten als Schwerpunkten.

In der Zentrale in Nordkalifornien, einem 100 Fußballfelder großen Areal mit 125 Gebäuden, treibt der Konzern den Neustart voran. Der Ehrgeiz ist groß: „Wir wollen Künstliche Intelligenz in die Hände jedes Menschen bringen“, kündigt Chefwissenschaftler Rico Malvar an.

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Schon heute ergänzen Algorithmen zahlreiche Microsoft-Produkte. Die elektronische Sekretärin Cortana durchforstet das E-Mail-Postfach und erinnert an Verabredungen. Sprachtechnologie in der Bürosoftware Office verbessert Texte. Algorithmen sortieren Hinweise auf Sicherheitsprobleme in Netzwerken vor, senken die Zahl der Fälle, die ein Mensch begutachten muss.

Cloud-Geschäft ist entscheidend für KI-Entwicklung

Der Softwareanbieter setzt auf seine starke Position im Cloud-Geschäft. Weltweit rangiert Microsoft auf Platz zwei, vor IBM und Alphabet. Azure, das Angebot für die Datenwolke, erreicht einen Marktanteil von 17 Prozent, nach „Amazon Web Services“ (AWS) mit 32 Prozent, wie die Datenfirma Canalys errechnete. Für das abgelaufene dritte Quartal meldete die Sparte ein Plus um 76 Prozent.

„Cloud-Technologie liefert mit Künstlicher Intelligenz fast unbegrenzte Computerpower überall auf der Welt“, erklärt Takeshi Numoto, Vice President im Cloud-Geschäft. Modelle für Maschinenlernen könnten sehr einfach in der Datenwolke trainiert und ausgeliefert werden.

Microsoft hofft, den Zyklus von Forschung zum Produkt zu beschleunigen und seine KI-Angebote schneller an die Kunden zu bringen. Die Zeit drängt, warnt David Schubmehl von der International Data Corporation (IDC): „Künstliche Intelligenz entwickelt sich zum Industriestandard.“ Microsoft müsse dringend aufholen.

Die Konkurrenz liegt in wichtigen Bereichen des Maschinenlernens und seiner Anwendungen vorn. Die mobilen Geräte dominiert Apples smarte Assistentin Siri mit 46,5 Prozent, stellte eine Erhebung von ‧Voicebot.ai fest. Dahinter folgt Google Assistant mit 28,7 Prozent. Cortana verschafft sich mit einem Anteil von 4,9 Prozent weniger Gehör. Auf den Windows-Rechnern, wo Cortana vorinstalliert ist, erreicht die Sprachtechnologie laut Microsoft mehr als 145 Millionen Menschen. Doch die Zukunft gehört den Smartphones.

Bei der Aufholjagd ist das Management mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. Trotz Protesten der Mitarbeiter verlängerte Nadella einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium. Der Konzern stellt dem Militär Cloud- und KI-Werkzeuge bereit. Google hatte einen ähnlichen Deal gestoppt. „Alle von uns, die in diesem Land leben, sind auf eine starke Verteidigung angewiesen“, erklärte Chefjustiziar und Microsoft-Präsident Brad Smith das Votum. Doch gleichzeitig sei klar, dass KI „neue ethische und politische Probleme“ erzeuge.

Dies betrifft auch Microsofts Projekte in der digitalen Medizin. Nadella hält die Gesundheitsbranche für die „vielleicht dringlichste Anwendung für KI“ und stieß zahlreiche Entwicklungen an. Microsoft Sprach-KI hört Gespräche von Ärzten und Patienten mit und fertigt in Echtzeit ein Transkript des Gesprächs an, das die wichtigsten Worte und Ausdrücke hervorhebt. Der Chat-Bot „Aurora Triage“ gibt ärztlichen Rat, wenn kein Doktor verfügbar ist.

Angesichts der zunehmend persönlichen Bereiche, die Microsofts Künstliche Intelligenz berührt, präsentiert sich das Unternehmen als Datenschützer. „Künstliche Intelligenz erhöht den Einsatz“, sagt Policy-Manager Dave Heiner. Die Auswertung großer Datenmengen steigere die Gefahr eines „Einbruchs in die Privatsphäre“.

Die europäische Datenschutz-Grundverordnung könne schon bald internationaler Standard werden, so Heiner. Die Technologiekonzerne würden das begrüßen, glaubt er. „Es ist tatsächlich ziemlich herausfordernd, wenn sich ein Unternehmen nach verschiedenen Gesetzen richten muss.“

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