Künstliche Intelligenz Worüber Facebook-Chef Zuckerberg mit Macron gesprochen hat

Nach dem viel kritisierten Auftritt vor EU-Parlamentariern reist Mark Zuckerberg weiter nach Paris. Dort geht es vor allem um künstliche Intelligenz.
Kommentieren

Rückenwind für Digitalisierung – Macron auf Tuchfühlung mit Mark Zuckerberg

Rückenwind für Digitalisierung – Macron auf Tuchfühlung mit Mark Zuckerberg

ParisAn dem braunen Holztisch, das Namensschild „M. Zuckerberg“ vor sich stehend, in Anzug und Krawatte, wirkte Mark Zuckerberg bei der Befragung im EU-Parlament ein wenig deplatziert: Wie ein herausgeputzter Schüler bei einer Lehrerkonferenz, die ihm sein gesammeltes Fehlverhalten vorbetet.

Dass es sich bei dem Facebook-Gründer dann aber doch um den erfahrenen Chef eines Milliardenunternehmens handelt, wurde schnell klar: Das Format hatte er gesetzt, gekonnt sparte er die unangenehmen Fragen aus und sprach lieber mehr über die Visionen von Technologie und Investitionen, die er in Europa umzusetzen gedenkt. Was er damit meint, zeigt Facebook dieser Tage in Paris.

Die Europareise des Facebook-Chefs ist nämlich nur auf den ersten Blick eine „Mea-culpa“-Tournee. Genauso sehr will sich Facebook als Partner und Förderer Europas verstanden wissen.

Am Mittwochnachmittag wurde Zuckerberg von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron empfangen. Bei dem Treffen sollte es unter anderem natürlich um Themen wie den Datenskandal um die Analysefirma Cambridge Analytica gehen, aber eben auch um den positiven Effekt, den Facebooks Technologie bewirken kann.

Wie das aussehen kann, zeigte das Unternehmen in der französischen Hauptstadt: So will Facebook sein Engagement in Sachen künstlicher Intelligenz (KI) am Standort Paris weiter ausbauen. Zur feierlichen Abendveranstaltung zum dreijährigen Bestehen von Facebooks Forschungszentrum kam dann nicht nur französische Politikprominenz, sondern auch Zuckerberg höchstselbst.

Und der schien wieder voll in seinem Element zu sein: Krawatte und Anzug hatte er abgelegt, dafür blauen Pulli, Jeans und etwas abgenutzte Nike-Sneaker angezogen. Der lockere Tech-Vordenker aus dem Valley, ganz so wie sich das Unternehmen auch selbst sieht.

Wie zuvor im EU-Parlament bekräftigte er dann auch vor einem ausgewählten Publikum, wie sehr er an die Macht der künstlichen Intelligenz glaube: Sie werde dabei helfen, die Krankenvorsorge zu verbessern, wenn sie zum Beispiel Ärzten dabei helfen würde, Krankheiten schneller zu entdecken. Sie werde Autos sicherer machen – und natürlich auch Facebook selbst, so der Gründer: „Eines Tages wird sie uns auch gegen Dinge wie Fake-News helfen.“

Damit es so weit kommt, hatte Zuckerberg bereits mehrmals verstärkte Investitionen in die Forschung angekündigt. In Paris betreibt Facebook das weltweit größte Forschungszentrum in Sachen KI.

Mehr zu Facebook:

Mittlerweile werden am Standort rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, so Facebook: Forscher, Ingenieure, aber auch Studenten, die hier ihre Abschlussarbeit fertigen. Anfang des Jahres hatte Facebook angekündigt, das Investment am Standort auf zehn Millionen Euro aufzustocken und das zuständige Team zu verdoppeln.

Zusätzlich kündigte das Unternehmen am Mittwochabend an, dass die Zahl der Zuschüsse für französische Universitäten, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, bis 2022 auf 48 verdoppelt werden soll. Daneben soll auch die Initiative „AI for Good“ weiter ausgebaut werden: Facebook will sogenannte Meisterklassen für den Nutzen von KI für Nichtregierungsorganisationen anbieten. Es soll darum gehen, so das Unternehmen, das Potenzial dieser Technologie begreif- und anwendbar zu machen.

Das alles passt gut in die Strategie Macrons, Frankreich zum führenden europäischen Standort für künstliche Intelligenz und Start-ups aufzubauen. Im März hat der Präsident den Anstoß zu einem „nationalen Programm für KI“ gegeben, das vom INRIA (Nationales Institut für die Forschung an KI) gesteuert werden und im Kern vier bis fünf Institute aus den besten Hochschulen des ganzen Landes umfassen soll.

Anders als in Frankreich üblich wird auf enge Partnerschaften mit privaten Unternehmen Wert gelegt und auch private Finanzierungen sind willkommen. Auf diese Weise sollen „Exzellenz-Lehrstühle entstehen, die es uns ermöglichen, die besten Forscher für einen Teil ihrer Karriere oder auch dauerhaft anzuziehen“, so Macron. Er denkt besonders an andere EU-Länder wie Deutschland.

„Wir müssen die Durchlässigkeit öffentlicher Forschung und der Industrie drastisch erhöhen“, ist Macrons Credo. Es müsse aber auch schnellere Genehmigungen für Experimente geben, bis hin zur Erforschung von Medikamenten. „Die Angelsachen und Chinesen haben einen Vorsprung, aber das ist keine Schicksalsfrage, wenn wir in Frankreich und in Europa unser eigenes Ökosystem entwickeln“, ist sich der Präsident sicher.

Mit Facebook, Samsung, Fujitsu, IBM, Google und dessen Tochter Deepmind haben bereits große Konzerne Forschungszentren in Frankreich aufgebaut. Auch eigene französische Unternehmen wie Thales (Elektronik und Rüstung) sind sehr stark bei KI engagiert. Die Hochschulen des Landes versorgen sie mit exzellenten Mathematikern und Informatikern.

Willkommene Finanzspritze

Die Facebook Investition ist da nicht nur eine willkommene Finanzspritze für das lokale Ökosystem, sondern auch ein Beinahe-Ritterschlag aus dem Silicon Valley. So sagte dann auch Zuckerberg auf der Bühne, dass es großartig gewesen sei mit einem Weltpolitiker zu sprechen, der künstliche Intelligenz derart in den Fokus nehme: „Wir wollen eine Talente-Pipeline für künstliche Intelligenz schaffen“, erklärte der Gründer.

Die Befragung in Brüssel am Dienstag schien da auf einmal ganz weit weg: So sprach die anwesende Ministerin für Hochschulbildung Frédérique Vidal über die Anstrengungen des Landes in Sachen KI-Forschung, digitale Souveränität von Staaten und darüber, dass künstliche Intelligenz dem Menschen dienen müsse. Cédric Villani, KI-Experte der französischen Regierung diskutierte auf der Bühne mit dem Franzosen Yann Le Cun, der die weltweite KI-Forschung von Facebook von den USA aus leitet.

Künstliche Intelligenz ist Facebooks Wunderheilmittel, egal ob im Gespräch mit Politikern, Journalisten oder Politikern: Nur zu gern verweist Zuckerberg auf das riesige Potenzial der Technologie. Geht es nach dem Facebook-Gründer soll sie in Zukunft alles von der Plattform eliminieren, was die fröhliche Welt infiziert hat.

Und tatsächlich: Schon heute arbeitet sie effektiv, erklärt Zuckerberg. 99 Prozent der Inhalte, die mit dem sogenannten Islamischen Staat oder Al-Quaida tun haben, filtere man bereits auf diese Art und Weise heraus, sagte Zuckerberg. Konkret kann das zum Beispiel so aussehen: Im Hochlade-Prozess von Videos soll die Software erkennen können, was in dem Video zu sehen ist: Handelt es sich etwa um ein Enthauptungsvideo, wie es eben oft Terrororganisationen verbreitet werden könnte, blockiert das System den Prozess.

Auch im Kampf gegen Selbstverletzung und Suizid helfe die Technologie schon, berichtet Zuckerberg dem Publikum: Entsprechende Inhalte würden erkannt und an menschliche Teams weitergeleitet, die dann den Kontakt zu Ersthelfern herstellen können. Hintergrund für diese Entwicklung war das Aufkommen von Selbstmorden, die mittels Livestreaming auf der Plattform übertragen wurden.

Doch noch immer stößt die Technologie an ihre Grenzen: Gerade bei Hassrede und den feinen Nuancen von sprachlichen und kulturellen Besonderheiten. „In diesem Bereich brauchen wir noch mehr Fortschritt“, sagte Zuckerberg. Viele Teile der Ansprache ähnelte seinen Antworten im EU-Parlament, das Publikum indes schien dem Facebook-Gründer gewogener zu sein. Die ausstehenden Antworten auf die Fragen der Parlamentarier wurden während Zuckerbergs Aufenthalt in Paris übrigens nachgereicht.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Künstliche Intelligenz - Worüber Facebook-Chef Zuckerberg mit Macron gesprochen hat

0 Kommentare zu "Künstliche Intelligenz: Worüber Facebook-Chef Zuckerberg mit Macron gesprochen hat"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%