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Liebe 2.0 Schnelles Geld mit Sex und Sehnsucht

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100 Prozent Umsatzsteigerung mit Sexkontakten

Er denkt darüber nach, Gerüche oder optische Merkmale abzufragen, um seinen Kunden Vorschläge machen zu können. Es wäre die Rückkehr der Gefühle in ein Geschäft, dem die Portalbetreiber einst das Gefühl austreiben wollten. Auch sein Konkurrent Schmid von Parship tüftelt. Mit 16 Soziologen und Psychologen arbeitet er an der Weiterentwicklung.
Den Nutzern ist das nur recht. Seine große Liebe im Internet gefunden hat beispielsweise Sascha, 36. Er sagt: "Man sollte sich möglichst bald treffen, bevor man Fantasiewelten aufbaut." Dann merke man schnell, ob es wirklich passt. Denn: "Die Internet-Profilseiten sagen nur wenig über die Persönlichkeit aus."

Grundsätzlich aber ist er glücklich, seine Jana im Internet gefunden zu haben. In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur das Leben der kleinen Familie komplett verändert, sondern auch das Image der Branche, der die beiden ihre Partnerschaft zu verdanken haben: "Früher wurden wir von Freunden und Verwandten schon schief angeschaut, wenn wir erzählt haben, wo wir uns kennengelernt haben." Heute ist es selbstverständlich.
Aber die Zahl der potenziellen Glücklichen, zu denen auch Astrid Gauck und Frank Gemein zählen, reicht nicht mehr, um damit auf Dauer zu wachsen. Deswegen versuchen die Anbieter, mit verwandten Angeboten, mehr Kunden zu locken.

Friendscout24 etwa hat dieses Jahr ein Portal für Flirtversuche gestartet und ein Casual-Dating-Angebot. Das sind Plattformen, die ähnlich wie die Partnervermittlung funktionieren - nur, dass sie Sex vermitteln. Um 100 Prozent hat der Umsatz damit 2010 zugelegt. Für viele Wettbewerber ist es wohl das Eingeständnis, dass ihre Strategie am Ende der Wachstumsgeschichte angekommen ist. Jetzt rächt sich, dass viele der Branche den Großteil ihres Umsatzes für Werbung sofort wieder ausgeben.

Viel Geld für strategische Investitionen bleibt da nicht. "In zwei Jahren haben wir allenfalls noch zwei Anbieter am Markt", sagt ein Geschäftsführer. Wer dabei wen schluckt? Die Ausgangslage ist offen. Nur wenige versuchen es wie Be2, die sich nur noch auf das Auslandsgeschäft konzentrieren, oder Neu.de, die mit dem französischen Meetic-Konzern einen potenten Investor gefunden haben.

Peter Schmid, der Mann von Parship, gibt derweil sein Bestes. Er hat Parship eine neue Strategie verordnet: Schlankere Strukturen, die Konzentration auf die Kernmärkte, weniger Marketing, dafür mehr Produktentwicklung. Als Folge entließ er Anfang 2011 zehn Prozent der Mitarbeiter. Man könnte das als Versuch ansehen, die Braut vor der Konsolidierungswelle für mögliche Käufer hübsch zu machen. Schmid sieht es eher als Offensive, um zu den Überlebenden zu gehören.

Heike von Heymann, die Frau der ersten Stunde, ist zufrieden mit ihren Nachfolgern beim Datingcafé. Denn die haben ihr Angebot in die reale Welt verlängert: Sie bieten Single-Reisen und Single-Events an. Da können sich einsame Herzen finden. Ganz ohne Internet.

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