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Ludwig Fresenius & Carsten Puschmann Familienunternehmer investieren in Digitalpioniere

Carsten Puschmann hat mit Q.One ein erfolgreiches Digitalunternehmen aufgebaut. Überzeugen konnte er damit auch Familienunternehmer Ludwig Fresenius.
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Der frühere Inhaber der Analytikfirma Institut Fresenius investiert einen siebenstelligen Betrag in Q.One. Quelle: Getty Images
Ludwig Fresenius

Der frühere Inhaber der Analytikfirma Institut Fresenius investiert einen siebenstelligen Betrag in Q.One.

(Foto: Getty Images)

EssenCarsten Puschmann kultiviert das Bild des lässigen Digitalunternehmers, wo er nur kann.

Wenn er Besucher durch die Großraumbüros seines 50-köpfigen Unternehmens Q.One im Essener Norden führt, vorbei an konzentriert dreinblickenden Programmierern und Stellwänden voller bunter Klebezettel vom letzten Kreativmeeting, ist er sichtlich stolz: „Wir wachsen schnell – der Platz reicht gar nicht mehr aus, ich muss eigentlich laufend Büroraum dazumieten.“

Schon vor mehr als zehn Jahren entschied sich der Ex-Werber Puschmann gegen einen Job in der damals noch stark wachsenden Werbeindustrie – und baute mit seinem Kollegen Thomas Heidelbach 2006 das Internetunternehmen Q.One auf. „Uns war damals klar, dass das Internet die Werbeindustrie erschlagen wird“, sagt der 43-Jährige. Also stiegen sie aus.

Doch es zog sie nicht nach Berlin wie so viele andere – sie blieben ihrer Heimat treu: dem Essener Norden. Die beiden bauten Web-Stores für den Burda-Verlag, entwickelten entscheidende Elemente des Miles&More-Programms der Lufthansa und ergänzten das Bonusprogramm der Bahn um E-Commerce-Funktionalitäten. Damit erwirtschaften sie heute schon siebenstellige Jahresumsätze.

Nun stehen die Essener vor ihrem nächsten Schritt: Q.One hat mit Cloud Basket eine Art virtuellen Warenkorb für das ganze Internet entwickelt, mit dem Nutzer nach nur einer Anmeldung in allen Internetshops Deutschlands einkaufen können. Mit ihrer Idee wollen sie nicht nur Kunden gewinnen, sondern sich auch gegen Amazon stemmen. Ein Essener Unternehmen gegen den Weltkonzern.

Dafür hat Q.One nun einen prominenten Unterstützer gefunden: den Mehrheitseigner des Bildungs-Unternehmens Cognos und früheren Inhaber der Analytikfirma Institut Fresenius, Ludwig Fresenius. Der Multi-Unternehmer investiert einen siebenstelligen Betrag, denn er glaubt: „Der Cloud Basket hat das Potenzial, den gesamten E-Commerce nachhaltig zu verändern“.

Fakt ist: Der Onlinehandel hat ein Problem. Laut Studien von Marktforschern wie dem dänischen Baymard Institute brechen zwischen 70 und 80 Prozent der Kunden Einkäufe im Netz ab. „Viele von ihnen gehen dann doch zu Amazon“, sagt Puschmann. „Weil es einfacher ist. Und weil sie jedes Mal ihre Daten neu eingeben müssen.“ Das übernimmt künftig der Cloud Basket, den Nutzer zum Beispiel als App auf ihrem Handy installieren können.

Die Idee ist damit auch der Versuch einer Entamazonisierung des Internetshoppings: „Wenn Marken eine Kampagne schalten, gehen die Leute trotzdem zu Amazon statt in die Shops der Hersteller, weil es bequemer ist“, sagt Puschmann.

Fresenius und Puschmann verbindet auf den ersten Blick nicht viel: Der eine ist Spross einer prominenten deutschen Unternehmerdynastie, der andere Essener Digitalunternehmer mit Agenturvergangenheit. Sie eint der Unternehmergeist: Er sei kein Investor, sagt dann auch Fresenius: „Ich bin Unternehmer und wollte immer nur Unternehmer sein. Als Geldgeber engagiere ich mich immer nur dann, wenn es für alle Beteiligten Sinn macht.“

Unternehmen seien Mannschaftssport, es brauche immer ein Team verschiedenster Talente und der Fresenius müsse dann direkt oder indirekt ein Teil davon sein, so der Unternehmer: „Sympathie spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Man muss zusammenarbeiten wollen.“

Immer mehr Familienunternehmer engagieren sich in der Digitalbranche

Fresenius steht mit seinem Investment auch für einen Trend in Deutschland: Immer mehr Familienunternehmer engagieren sich in der Start-up- und Digitalbranche. Manch ein Gründer erzählt hinter vorgehaltener Hand, dass ihm das Investment eines Unternehmers lieber sei als das eines klassischen Wagniskapitalgebers.

Bei den Familien mit Unternehmergeschichte herrsche ein besseres Verständnis für die Mühsal ein Unternehmen aufzubauen.

Auch Fresenius meint: „Viele der heute erfolgreichen Familienunternehmer haben eigentlich ihre Entwicklung als Start-up begonnen. Früher galten sie als innovative Unternehmensgründer, die eine neue Geschäftsidee zunächst klein, dann aber mit zunehmender Dynamik an den Markt brachten.“

Die Begrifflichkeiten hätten sich geändert, nicht die wesentliche Vorgehensweise. „Deshalb fühle ich mich mit den Ideen und den Unternehmern in der Q.One Technologies sehr verbunden.“

Dabei eint die beiden Unternehmer noch eine andere Sache: ihre Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet. Für den gebürtigen Essener Puschmann war klar, dass er im Pott gründen würde, „auch wenn das manch ein Berliner Gründer manchmal absolut nicht verstehen kann“. Berlin sei für viele Gründer und Investoren eben noch immer der einzige Ort in Deutschland, an dem digitaler Unternehmergeist zu Hause sei.

Auch Familienunternehmer Fresenius betont seine vielen Verbindungen zum Standort: Allein mit den Fresenius-Schulen ist sein Familienname überall in Nordrhein-Westfalen vertreten.

Seine Verbindungen in die Region seien aber ebenso familiärer Natur, erklärt Fresenius und verweist auf seinen Bruder.

Dessen Patenonkel sei Berthold von Bohlen und Halbach, der jüngere Bruder des letzten Alleininhabers der Firma Krupp, gewesen: „Die Werte eines solchen Traditionsunternehmens aus dem Ruhrgebiet haben auch mich geprägt. Es freut mich, diese Werte weitergeben zu können und das engagierte Management der Q.One dabei zu unterstützen, zu wachsen und das Ruhrgebiet mit zum Digitalstandort aufzubauen.“

Mitgründer Puschmann glaubt denn auch an die Strahlkraft des Engagements: „Das wird auch dafür sorgen, den Standort Ruhr auf die Landkarte von Gründern und Investoren zu setzen.“

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