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Mediaset Die Hintergründe zu Berlusconis Einstieg bei Pro Sieben Sat 1

Mediaset aus Italien erwirbt fast zehn Prozent der Anteile an der Münchener TV-Gruppe. Durch den Deal könnte ein europäischer Medienkonzern entstehen.
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Vorstandschef Max Conze sieht keine industrielle Logik in einer Fusion mit Mediaset. Quelle: dpa
TV-Show „Joko und Klaas gegen Pro Sieben“

Vorstandschef Max Conze sieht keine industrielle Logik in einer Fusion mit Mediaset.

(Foto: dpa)

MünchenDie besten Geschichten von Pro Sieben Sat 1 spielen seit jeher nicht im Fernsehen, sondern in der Chefetage des TV-Konzerns. Die jüngste, überraschende Wendung: Der Vorstandsvorsitzende Max Conze muss sich mit einem neuen Großaktionär arrangieren, den er vor drei Wochen noch öffentlich abgelehnt hat.

Die italienische Mediengruppe Mediaset teilte am Mittwoch mit, sie habe 9,6 Prozent der Anteile des im MDax notierten Unternehmens erworben. Damit ist die Firma des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nun der zweitgrößte Anteilseigner, knapp hinter einem US-Fonds.

Gerüchte über einen Einstieg der Südeuropäer gab es schon lange. Darauf angesprochen, antwortete Conze Anfang Mai: „Ich sehe keine industrielle Logik in einer Kombination von Mediaset und Pro Sieben Sat 1.“

Die Italiener haben eine andere Meinung. „Der schnelle Globalisierungsprozess, der das internationale Umfeld bestimmt, erfordert, dass europäische Medienunternehmen wie wir Kräfte vereinen“, sagte Pier Silvio Berlusconi, Chef von Mediaset und Sohn des Ex-Politikers Silvio Berlusconi.

Mediaset hat den größten Teil der Aktien offenbar in dieser Woche erworben. Am Dienstag ist das Volumen an der Börse in die Höhe geschossen, es wurden zehnmal so viele Papiere gehandelt wie an den meisten anderen Tagen.

„Die schnelle Globalisierung erfordert, dass europäische Medienkonzerne die Kräfte vereinen.“ Quelle: Reuters
Mediaset-Chef Pier Silvio Berlusconi

„Die schnelle Globalisierung erfordert, dass europäische Medienkonzerne die Kräfte vereinen.“

(Foto: Reuters)

Der Zeitpunkt war günstig: Binnen Jahresfrist haben die Aktien gut 40 Prozent an Wert verloren. Als die Nachricht vom Einstieg von Mediaset am Mittwochmorgen bekannt wurde, sprang der Kurs zunächst fünf Prozent nach oben. Die Papiere gingen aber letztlich nur mit einem Plus von 1,4 Prozent aus dem Handel.

Pro-Sieben-Chef Conze bemühte sich am Mittwoch umgehend, den neuen Anteilseigner willkommen zu heißen. „Wir begrüßen die Investition von Mediaset und sehen dies als Votum des Vertrauens für unsere Strategie und unser Team“, ließ sich der Manager zitieren.

Die beiden Firmen stehen vor derselben Herausforderung: Die Werbetreibenden geben immer mehr Geld für Reklame bei US-Konzernen aus, allen voran Facebook und Google. Aber auch Amazon wird zunehmend zum Konkurrenten im Kampf um die Budgets. Dazu kommt, dass vor allem Jüngere immer häufiger Serien und Filme bei Netflix anschauen.

Dem will Pier Silvio Berlusconi etwas entgegensetzen. Länderübergreifende Bündnisse seien unverzichtbar, „wenn wir weiterhin vor dem Hintergrund unserer europäischen kulturellen Identität im Wettbewerb mit globalen Schwergewichten punkten oder uns sogar eventuellen Übergriffen widersetzen wollen“. Wie die beiden Unternehmen künftig kooperieren könnten, ließ der Unternehmer offen. Bislang ist Mediaset im Ausland nur in Spanien aktiv.

Einfach wird es nicht, eine europäische Allianz zu bilden. Vorstandschef Conze weiß das ganz genau. Er ist zwar erst ein Jahr dabei. Aber: Pro Sieben Sat 1 hat dies Anfang des Jahrzehnts mit Sendern in Benelux, Osteuropa und Skandinavien versucht, immer ohne Erfolg.

Im TV-Geschäft konzentrieren sich die Münchener daher inzwischen ganz auf den deutschsprachigen Raum. Lediglich die Fernsehproduktion des Konzerns ist durch und durch international.

Zweigeteilte Entwicklung

Statt länderübergreifend zu wachsen, versucht Pro Sieben Sat 1 seit Jahren, weniger abhängig vom TV-Geschäft zu werden. Das gelingt zwar, aber nur langsam. So ist der Umsatz des Medienkonzerns im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 913 Millionen Euro geklettert. Der bereinigte Konzernüberschuss stieg leicht um ein Prozent auf 94 Millionen Euro.

Die Entwicklung ist allerdings zweigeteilt: Auf der einen Seite legten die kleinen Bereiche Onlinehandel und Filmproduktion dynamisch zu; auf der anderen schrumpfte das große Kerngeschäft mit Fernsehwerbung. Das Problem dabei: Mit der TV-Reklame verdient die Firma das meiste Geld.

Die Investoren glauben unterdessen nicht so recht daran, dass sich Mediaset und Pro Sieben Sat 1 gegenseitig befruchten. Am Donnerstag bröckelte der Kurs wieder ab und gab in einem freundlichen Umfeld knapp vier Prozent nach.

Mehr: Der US-Investor KKR verhandelt mit Axel Springer über eine strategische Beteiligung. Lesen Sie hier, was die Amerikaner mit dem Medienkonzern vorhaben.

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