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Medien So will Pro-Sieben-Sat1-Chef Max Conze das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen

Die Senderkette sei nicht mehr glaubwürdig, sagt ihr Chef. 2019 will Conze beweisen, dass seine Strategie Vorteile gegenüber Amazon und Netflix bietet.
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Der Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1 glaubt, dass die Sendergruppe entscheidende Vorteile gegenüber Amazon und Netflix hat. Quelle: dpa
Max Conze

Der Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1 glaubt, dass die Sendergruppe entscheidende Vorteile gegenüber Amazon und Netflix hat.

(Foto: dpa)

MünchenEs geht abwärts bei Pro Sieben Sat 1 seit Max Conze Chef ist. Um rund ein Drittel ist der Aktienkurs im vergangenen halben Jahr eingebrochen. Die Investoren würden dem Medienkonzern nicht mehr trauen, sagte der neue Vorstandsvorsitzende am Montagabend im Club Wirtschaftspresse in München. Zu häufig habe das Management in der Vergangenheit nicht gehalten, was es versprochen habe. „Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem“, betonte Conze.

Der Ex-Chef des britischen Staubsaugerherstellers Dyson will nun die Gunst der Investoren so schnell wie möglich zurückgewinnen. Nächstes Jahr werde Pro Sieben Sat 1 beweisen, dass die neue Strategie aufgehe, unterstrich der 49-Jährige. „Vom ersten Quartal an müssen Fortschritte sichtbar sein“, so Conze.

Vor zwei Wochen hat Conze seinen Plan präsentiert, wie der im MDax notierte Konzern zu neuer Größe aufsteigen soll. Ziel sei es, den Umsatz von Deutschlands größter privater Sendergruppe in den nächsten fünf Jahren von derzeit vier auf sechs Milliarden Euro zu steigern. Kräftig klettern soll auch der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), und zwar um die Hälfte auf 1,5 Milliarden.

Um das zu erreichen, möchte Conze häufiger lokale Produktionen ausstrahlen. So will er mehr Zuschauer anlocken; und zwar nicht nur im TV, sondern auch auf Smartphones oder Computern. Damit will er die Werbeeinnahmen über alle Verbreitungswege steigern.

Gleichzeitig will er die Reklame „smarter“ machen, also zielgerichteter ausstrahlen. Auch das soll zu höheren Erlösen führen. Darüber hinaus erwartet er ein starkes Wachstum der E-Commerce-Sparte NuCom.

Um all das zu finanzieren, streicht Conze die Ausschüttungsquote von 80 bis 90 Prozent auf 50 Prozent zusammen. Das kam bei den Aktionären gar nicht gut an. Der Kurs brach direkt nach der Ankündigung um fast 17 Prozent auf 17,30 Euro ein.

Mit dieser Reaktion habe er gerechnet, unterstrich Conze. Inzwischen hat sich der Kurs leicht erholt. Im frühen Handel in Frankfurt notierten die Papiere am Dienstag bei rund 18,30 Euro. Gegenüber dem Hoch von vor drei Jahren haben die Aktien jedoch rund zwei Drittel an Wert verloren.

Die Analysten sind sich uneinig, ob der Kurs in den nächsten Monaten wieder steigen wird. Beim seinem ersten Auftritt vor Investoren und Analysten habe Conze jedoch einen guten Eindruck gemacht, meint Analyst Conor O'Shea von Kepler Cheuvreux.

„Wir verstehen Deutschland besser“

Die Anleger begreifen dynamische Angreifer wie Amazon oder Netflix als große Gefahr für Pro Sieben Sat 1. Conze hingegen sieht vor allem die Vorteile seines Unternehmens gegenüber den Amerikanern. „Wir verstehen Deutschland und die Menschen in Deutschland besser“, sagte er. Die US-Konzerne hätten zwar mehr Geld. Doch: „Formate und Marken zu bauen dauert sehr lange.“ Pro Sieben Sat 1 hingegen verfüge über gut eingeführte Namen.

Zudem mache sein Konzern Fortschritte beim Aufbau einer eigenen, schlagkräftigen Online-Videothek. Dazu hat sich Conze mit dem US-Konzern Discovery verbündet und ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Das ZDF hat bereits angekündigt, seine Programme zur Verfügung zu stellen.

Es gebe auch „produktive Gespräche mit der ARD“, erläuterte Conze. Nur mit dem privaten Konkurrenten RTL gestalteten sich die Verhandlungen eher schwierig. Ziel sei es, zwei Jahre nach dem Start zehn Millionen Konsumenten zu erreichen. Die Plattform soll nächsten Sommer auf Sendung gehen.

2018 war kein gutes Jahr für Pro Sieben Sat 1, so viel steht jetzt schon fest. Vor zwei Wochen musste Conze die Prognose zurücknehmen, weil die Werbekunden weniger ausgeben als geplant. Der Konzernherr geht nun von einem Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich auf rund vier Milliarden Euro aus. Bisher hatte er ein Plus von etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr in Aussicht gestellt. Bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte sei mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu rechnen.

Dazu kommt: Um mehr Raum für deutschsprachige Sendungen zu bekommen, will Conze einerseits weniger, andererseits bessere Ware von den US-Studios abnehmen. Die bestehenden Verträge müssen dafür neu verhandelt werden, das könnte das Ergebnis 2018 mit bis zu 400 Millionen Euro belasten.

Im dritten Quartal ist der Umsatz um ein Prozent auf 892 Millionen Euro geklettert. Der bereinigte Konzernüberschuss brach um knapp ein Viertel auf 75 Millionen ein. Dies lag Firmenangaben zufolge unter anderem an höheren Ausgaben fürs Programm.

Nun kommt es für Conze darauf an, dass sich die Investitionen in neue Filme, Serien, Shows und Magazine möglichst schnell auszahlen und die Werbekunden mehr Spots buchen. Denn eins sei klar: „Jetzt müssen wir umsetzen und liefern.“

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