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Medien und Entertainment Der US-Konzern Liberty Media will die Formel 1 umkrempeln

Investor Liberty Media setzt auf neue Regeln für die Rennserie. So soll mehr Chancengerechtigkeit entstehen.
31.07.2019 - 04:00 Uhr Kommentieren
Formel 1: Wie Liberty Media die Rennserie umkrempeln will Quelle: imago images / eu-images
Ferrari

Die Formel 1 wird 2019 erstmals das meiste Geld mit der Rechte-Verwertung machen.

(Foto: imago images / eu-images)

München Der Regen ist bei Autorennen der beste Regisseur – so einen jedenfalls hatte die Formel 1 lange nicht mehr. Am vorigen Sonntag in Hockenheim schlingerten die Rennfahrzeuge über den Motodrom, das sieggewohnte Mercedes-Team blieb erstmals ohne Punkt. Und am Ende brauste der deutsche Ferrari-Pilot Sebastian Vettel vom zwanzigsten und letzten Platz auf Position zwei vor. „Mehr Wahnsinn? Geht nicht!“, jubelte das Schweizer Boulevardblatt „Blick“.

Für den Eigner des Motorsport-Zirkus‘, den US-Konzern Liberty Media des Milliardärs John Malone, war der verregnete Grand Prix von Deutschland ein unverhoffter Thriller. Langeweile hatte sich zuvor ausgebreitet: Mercedes ist schließlich auf dem besten Weg, die Rennserie zum sechsten Mal hintereinander zu gewinnen. Zudem machen die Deutschen mit Ferrari und Red Bull stets die Sieger unter sich aus, die anderen sieben Teams sind chancenlos. „Die Formel 1 hat ein Problem, und jeder weiß es“, titelte „New York Times“.

30 Monate nach dem teuren Kauf des Formel-Eins-Geschäfts wollen die Eigentümer aus den USA nun für ganz andere Verhältnisse sorgen, für Sport, Spiel, Spannung. Ein neues Regelwerk („Concorde Agreement“) soll sportliche, technische und finanzielle Dinge so aussteuern, dass mehr Chancengerechtigkeit entsteht.

Das Ziel: eine globale Medien- und Entertainment-Marke mit Vergnügungsgarantie. Der börsennotierten Formula One Group, die 2019 erstmals zwei Milliarden Dollar Umsatz schaffen dürfte, soll es so leichter fallen, mit hohen Gewinnen den enormen Einstiegsaufwand wieder einzuspielen.

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    Allein 4,6 Milliarden Dollar hatte es gekostet, den Finanzinvestor CVC auszukaufen und vom 88-jährigen Langzeit-Impresario Bernie Ecclestone die Rechte zu ergattern. Der „Chairman emeritus“ macht sich seitdem einen Spaß daraus, in Interviews zu erklären, wo seine Nachfolger patzen.

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    „Es ist jetzt wichtig, für mehr Wettbewerb zu sorgen“, sagt Sean Bratches. Zwar habe es stets dominante Teams gegeben, aber es dürfe künftig nicht mehr so leicht sein, Sieger vorherzusagen. Er sitzt im F1-Truck auf dem Hockenheim-Motodrom, der Blick fällt durch eine verdunkelte Scheibe auf Parcours und Tribüne. Zusammen mit Ross Brawn (Technik) und Chase Carey (CEO) lenkt der Marketing-Chef die Formel 1.

    Hartes Ringen um die Details

    Das neue „Concorde Agreement“ mit den Teams und dem Verband FIA gibt ihm Anfang 2021 die Chance, alles neu auszurichten. So soll es mehr „fighting“, mehr Kampf, eine „Revolution“ geben. Ende Oktober entscheide man über den Inhalt, verkündet Bratches. Fest steht etwa der Einsatz neuer Reifen oder die Standardisierung mancher Teile; die Autos sollen besser überholen können und die Kosten nicht ausufern. Zudem ist fix, dass das Budget jedes Teams 2021 bei 175 Millionen Euro begrenzt wird (nicht dabei: Gehälter für Fahrer und Spitzenleute sowie Marketingausgaben). Für die Jahre darauf wird über eine weitere Absenkung debattiert. Die Finanznorm ist erstmals Teil des „Concorde Agreements“.

    Zudem fließt den kleineren Teams künftig ein relativ größerer Teil der Marketingeinnahmen zu. Rennställe wie Williams, die am Existenzminimum fahren, sollen so erhalten werden – und neue Teams dazustoßen. „Als 2016 der Rennstall Manor liquidiert wurde, gab es – anders als in anderen Sportarten – keine Milliardäre, die einsteigen wollten“, erinnert sich Bratches. Das gab ihm zu denken. Jetzt will er Fairness und eine „bessere Verteilung der Einnahmen“.

    Hinter den Kulissen wird hart über Details mit jedem Team gerungen. So scheiterte die Formel Eins mit der Idee, den Motor zu vereinfachen. CEO Carey & Co. loben ihr Produkt als Top-Weltmarke aus, neben Olympia und Fußball-WM. Doch im Pulk der Teams und Fahrer sind Nationen wie China, Japan, Indien, USA oder Russland nicht oder schwach vertreten. Europäer geben den Ton an. Als der Brasilianer Felipe Nasr 2016 aufhörte, stürzten die Einschaltquoten in dem für die Formel Eins wichtigsten TV-Land um 22 Prozent ab.

    In der Formel 3 und Formel 2 sollen nun Fahrer gezielt aufgebaut werden, die für mehr Vielfalt sorgen, etwa der Chinese Yao Ming oder die Kolumbianerin Tatiana Calderon. Der amerikanische und der chinesische Markt würden eine lange Zeit brauchen, warnen die US-Vermögensverwalter von Pivotal, „oder sich vielleicht nie erfolgreich entwickeln“.

    Dass die Autokonzerne global umdenken und Verbrennermotoren durch Elektro-Antriebe ersetzen, zeigt bei der Formel 1 Wirkung. Man sei immer Avantgarde bei Motoren gewesen, sagt Manager Hatches, es habe nur an der Marketingstimme gefehlt, das zu erklären. So würden im Rennwagen 30 Prozent der Energie wieder genutzt, der 1,6-Liter-Hybrid-Motor sorge für 1000 PS.

    Tatsächlich ist die Formel E mit ihren Elektro-Boliden zum Rivalen geworden. Künftig fährt sogar Mercedes mit. Die vielen Stadtrennen locken. Hatches bleibt hier zurückhaltend – vielleicht weil die Schwesterfirma Liberty Global an der defizitären Formel E 30 Prozent hält.

    Amazon verwertete Daten

    Die Formel 1 wird 2019 erstmals das meiste Geld mit der Rechte-Verwertung machen: rund 720 Millionen Dollar. Da die Rechte mittlerweile oft ins Pay-TV wandern, leiden wie in England und Italien zwar die Zuschauerzahlen, der Umsatz aber wächst. Es gibt etwa einen günstigen Vertrag mit dem Pay-TV-Betrieb Sky.

    Zudem schlagen neue Aktivitäten im Internet zu Buche. Die Zahl der „Unique Viewers“ stieg um zehn Prozent auf 490 Millionen. Die Liberty-Gesandten lassen nichts aus – von Podcasts und Storys über Facebook, Youtube, Instagram und Snapchat bis hin zu einer E-Sports-Plattform. Ein eigener Streamingdienst („F1 TV“) kann genutzt werden, wenn nicht gerade technische Probleme auftreten. Auf Netflix läuft die zweite Staffel der Serie „Formula One: Drive to Survive“.

    Bratches: „Die Dynamik bei den Medien bringt uns in eine einzigartige Position.“ Anfallende Daten lässt er mit Partner Amazon verwerten. Der Fan, der durchschnittlich 39 Jahre alt ist, soll besser verstanden werden. Diese Zielgruppe erlebte die Renntour bislang als abgehoben. Nun wird es kuscheliger, etwa bei „Fan-Festivals“: Rennautos fahren auf städtischen Prachtstraßen.
    2020 kommen das holländische Zandvoort und Hanoi in Vietnam als Standorte dazu, womöglich scheidet Hockenheim aus. Offiziell bleibt es bei 21 Rennen. Die postulierte Idee von 25 Rennen schossen die Teams ab: Zu viel Aufwand, zu viel Logistik.
    Solche Rückschläge schrecken die Liberty-Leute nicht. „Eine Reise hängt nicht davon ab, wie man startet“, philosophiert Hatches, „sondern wie man zurückkommt.“

    Mehr: Für Sean Bratches ist die Formel 1 ein ungeschliffener Diamant. Der Marketingchef setzt auf neue Erlösquellen, auch im Digitalgeschäft.

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