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Medienbranche Deutsche Konkurrenz: So sieht der Netflix-Herausforderer von Pro Sieben Sat 1 aus

Mit dem Streamingdienst Joyn wollen die Münchener die amerikanischen Internet-Riesen schlagen. Was der neue Service alles bietet – und was noch fehlt.
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Mit dem Streamingdienst Joyn wollen die Münchener die amerikanischen Internet-Riesen schlagen.
Joyn

Mit dem Streamingdienst Joyn wollen die Münchener die amerikanischen Internet-Riesen schlagen.

MünchenDas genaue Datum hält Joyn-Chef Alexandar Vassilev bislang geheim. Aber klar ist: Noch im Juni wird Joyn starten, die neue Streaming-Plattform von Pro Sieben Sat 1. Es ist das wichtigste Zukunftsprojekt des Medienkonzerns, um junge Kunden von Amazon und Netflix zurückzuholen.

Die 250 Mitarbeiter haben sich Gewaltiges vorgenommen: „Wir bauen die Zukunft des deutschen Entertainments“, sagte Co-Geschäftsführerin Katja Hofem bei der Präsentation der Plattform in München. Mehrere tausend ausgewählte Testnutzer schauen derzeit schon Filme und Serien auf Joyn. Wenn Max Conze, Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1, recht behält, werden es in zwei Jahren zehn Millionen sein.

Zum Start seien auf Joyn mehr als 50 Sender live zu sehen, erläuterte Hofem. Das entspräche rund zwei Drittel des gesamten deutschen Fernsehangebots. Dazu gehören natürlich die Kanäle von Pro Sieben Sat 1, aber auch ARD und ZDF. Dazu kommen auch die Sender des US-Konzerns Discovery, etwa Eurosport. Discovery besitzt die Hälfte am Gemeinschaftsunternehmen Joyn. Die Zuschauer haben zudem Zugriff auf den Sender „Welt“ von Axel Springer und „Sport 1“. Elf Mediatheken stünden darüber hinaus zur Verfügung, das sind die TV-Archive der Sender.

Viele Inhalte seien auf Joyn zu sehen, bevor sie im herkömmlichen Fernsehen laufen, versprach Hofem. Zudem biete die App selbst produzierte Serien und Shows. Zehn eigene Serien seien geplant, sogenannte „Originals“; darunter „Check Check“ mit Klaas Heufer-Umlauf und „Frau Jordan stellt gleich“ mit Katrin Bauerfeind. Das Joint-Venture startet zudem zwei Sender: „Motor Trend“ und „Food Network“. Weitere Themenkanäle sollen folgen.

Der deutsche Streamingdienst ist kostenlos

Joyn ist für die Nutzer zunächst kostenlos und läuft auf Smartphones, Computern und natürlich auf dem Fernseher. Die App soll sich über Werbung finanzieren. Pro Sendung werde es allerdings nicht mehr als eine Unterbrechung geben, beteuerte das Management.

Noch sind die Entwickler mit der Arbeit aber nicht ganz fertig. Downloads sind zunächst unmöglich. Erst im Dezember soll das zusätzliche, kostenpflichtige Angebot stehen. Die Abonnenten sollen dabei Zugriff auf exklusive Sportinhalte bekommen. So hält Discovery einige Bundesliga-Rechte. Zudem wird auch Maxdome zum Bezahlangebot gehören, die Online-Videothek von Pro Sieben Sat 1. Mit Maxdome versuchte der Konzern über Jahre hinweg vergeblich, Netflix und Amazon Konkurrenz zu machen. Der größte deutsche Rivale im Privatfernsehen, RTL, macht erst einmal nicht mit und setzt auf sein eigenes Online-Angebot, „TV now“.

Die Führungsspitze von Joyn hat hohe Ansprüche. „Wir wollen der lokale Champion werden in Deutschland“, sagte Managerin Hofem. Die vielen deutschsprachigen Sender und Sendungen seien der größte Vorteil gegenüber den großen US-Konzernen. „Das kann keine ausländische Plattform bieten“, so CEO Vassilev. Andererseits können die Amerikaner ungleich mehr Geld für Inhalte ausgeben, weil sie die meist weltweit ausstrahlen.

Inhaltlich ist die App ähnlich aufgebaut wie die Angebote von Amazon und Netflix. Es dürfte den Nutzern daher nicht schwer fallen, sich zurecht zu finden. Zudem stehen 40 Mitarbeiter bereit, um Nutzerfragen zu beantworten.

Joyn ist das wichtigste Vorhaben des erst seit einem Jahr amtierenden neuen Vorstandschefs von Pro Sieben Sat 1, Max Conze. Sein Ziel ist es, vor allem die jungen Zuschauer für Joyn zu begeistern. Daher versucht er, die potenziellen Zuschauer nicht nur im TV, sondern auch auf Smartphones oder Computern anzulocken und die Werbeeinnahmen über alle Verbreitungswege zu steigern.

„Wir investieren in die Zukunft unseres Geschäfts und konzentrieren uns auf unsere Prioritäten: Unsere einzigartige Streaming-Plattform Joyn spielt hier eine entscheidende Rolle“, sagte Conze, als er jüngst die Quartalszahlen vorlegte. Bis zu 50 Millionen Euro werde es dieses Jahr kosten, Joyn zum Laufen zu bringen. 120 Millionen fließen zusätzlich in deutschsprachige TV-Produktionen.

Vor allem der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 könnte ein wenig Schub gut brauchen: Binnen Jahresfrist ist der Wert der Papiere um gut 40 Prozent gefallen. Auch wenn Börsenfernsehen in den Planungen von Joyn bislang keine Rolle spielt.

Mehr: Noch verteidigt Netflix seine dominante Position, doch die Machtverhältnisse verschieben sich. Es zeichnet sich ein Kampf ab, den keiner gewinnen kann.

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