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Medienbranche Neue Inhalte, neue Unternehmensfarbe: RTL verabschiedet sich vom Trash-TV

Deutschlandchef Bernd Reichart erklärt die neue Haltung des TV-Konzerns. Dafür passt RTL sein Programm an, startet eine News-Offensive – und tauscht Moderatoren aus.
14.06.2021 - 15:06 Uhr 1 Kommentar
Victoria Swarovski und Daniel Hartwich führten als Moderatoren durch die quotenreiche Tanzshow. Auf Formate dieser Art will der Konzern künftig verstärkt setzen. Quelle: ddp images/dpa
Die Tanzshow „Let’s Dance“

Victoria Swarovski und Daniel Hartwich führten als Moderatoren durch die quotenreiche Tanzshow. Auf Formate dieser Art will der Konzern künftig verstärkt setzen.

(Foto: ddp images/dpa)

Düsseldorf Der TV-Konzern RTL gibt sich neue Farben. Dies umfasst nicht nur den optischen Auftritt, sondern auch das inhaltliche Angebot. Weg vom Trash, so lautet inoffiziell die Richtung von RTL, das zu 75 Prozent dem Familienunternehmen Bertelsmann gehört.

Beim Branchenevent Screenforce Days gab Deutschlandchef Bernd Reichart am Montag einen Einblick in die neue Strategie des börsennotierten TV-Konzerns, der neben Pro Sieben Sat 1 einer der zwei großen Anbieter in Deutschland ist.

Die Neupositionierung hat einen Grund: Globale Streaminganbieter wie Netflix, Amazon Prime Video und Disney Plus ziehen immer mehr Nutzer auf ihre Plattformen. So zählt etwa Marktführer Netflix inzwischen mehr als 200 Millionen zahlende Abonnenten weltweit.

Lokal agierende TV-Unternehmen wie RTL („RTL“, „Vox“ und „N-TV“) müssen stärker denn je ihre Vorzüge klarmachen – sowohl den Nutzern als auch den werbetreibenden Unternehmen gegenüber.

So plant RTL beispielsweise, die Zeit der Informationsformate um täglich zwei Stunden zu erweitern. Dafür hat das Unternehmen zwei bekannte Nachrichtensprecher aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk angeworben: Pinar Atalay und Jan Hofer. Mittags wird beispielsweise „Punkt 12“ um eine Stunde bis 15 Uhr verlängert, nachmittags ist eine weitere Ausgabe von „RTL Aktuell“ geplant.

Pinar Atalay wechselt von der ARD zu RTL. Quelle: imago/Stephan Görlich
Nachrichtensprecherin

Pinar Atalay wechselt von der ARD zu RTL.

(Foto: imago/Stephan Görlich)

Parallel zur News-Offensive, für die RTL auch einen Reporter des „Spiegels“ angeheuert hat, setzt man auf „positive Unterhaltung“, wie es das Unternehmen selbst nennt. Beleidigende Szenen, wie sie bei „Deutschland sucht den Superstar“ üblich waren, sollen der Vergangenheit angehören. Aus diesem Grund habe auch DSDS-Juror Dieter Bohlen keinen Platz mehr in dem Unternehmen gefunden, heißt es in Köln.

Mehr Hape Kerkeling, weniger Dieter Bohlen

Stattdessen hebt RTL lebensbejahende Shows wie „Let’s Dance“ lobend hervor, deren Finale in diesem Jahr mit einem Marktanteil von 27 Prozent einen Spitzenwert in der Geschichte des Formats erlebt hat. Außerdem plant RTL zum Beispiel mehr Formate mit dem Entertainer Hape Kerkeling. Mehr Kerkeling, weniger Bohlen – so lautet die neue Stoßrichtung.

Wie Gruner + Jahr in dieser Neupositionierung Platz finden könnte, thematisierte RTL-Deutschlandchef Reichart am Montag allerdings nicht. Das traditionsreiche Verlagshaus, ebenfalls eine Tochter von Bertelsmann, soll nach dem Willen führender Manager mit RTL zusammengeführt werden. In diesem Sommer wird dazu eine Entscheidung erwartet.

„Im Zuge unserer neuen Markenstrategie bündeln wir unsere Kraft und transformieren Europas bekannteste Medienmarke“, sagte Reichart am Montag. „Mit neuem Kompass und starken eigenen Inhalten lassen wir die Grenzen von Mediengattungen schrittweise hinter uns.“

Die Neuausrichtung geht mit einer Umbenennung einher. Vereinfacht ausgedrückt: Überall soll künftig „RTL“ stehen. Aus der in Luxemburg ansässigen RTL Group wird RTL, aus dem Streaminganbieter TV Now wird RTL Plus.

Die drei Buchstaben des Privatsenders sind schmaler, statt aus den drei Grundfarben Rot, Gelb, Blau sind die drei Blöcke des Logos aus allen möglichen Farben zusammensetzen. Quelle: dpa
Fahnen mit dem neuen Logo des Fernsehsenders RTL

Die drei Buchstaben des Privatsenders sind schmaler, statt aus den drei Grundfarben Rot, Gelb, Blau sind die drei Blöcke des Logos aus allen möglichen Farben zusammensetzen.

(Foto: dpa)

Etwas komplizierter wird es bei der neuen Unternehmensfarbe – die heißt nämlich bunt. Soll heißen: Die Farben des neuen Logos sind individualisierbar. Sie sehen je nach Nutzer, Format oder Partnerschaft anders aus. Dies solle „die Vielfalt der Inhalte und Menschen bei RTL widerspiegeln“ heißt es in einer Mitteilung von RTL.

Beraten wurde das Unternehmen, das von Bertelsmann-CEO Thomas Rabe in Personalunion geführt wird, von der ehemaligen Telekom-Managerin und heutigen Transformationsberaterin Caroline Seifert.

Ins Jahr 2021 ist RTL mit einem Umsatzminus gestartet: Die gesamten Erlöse sanken vor allem wegen Währungseffekten und Firmenverkäufen um 4,2 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Organisch stand allerdings ein Plus von 3,9 Prozent zu Buche – „und dies, obwohl die Lockdown-Maßnahmen zu geringeren TV-Werbeumsätzen führten“, wie Rabe Anfang Mai erklärte.

Mehr: RTL ist der Geheimtipp im SDax

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1 Kommentar zu "Medienbranche: Neue Inhalte, neue Unternehmensfarbe: RTL verabschiedet sich vom Trash-TV"

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  • Bleibt zu hoffen, dass die Berichterstattung einigermaßen neutral wird. Ich werde mir die neuen Nachrichtenformate gerne mal ansehen. Es wurde höchste Zeit, dass eine Alternative zum grünroten ÖRR installiert wird. Dass Pinar Atalay dabei ist, freut mich sehr. Eine wirklich erfrischende Erscheinung.

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