Filiale von AT&T in New York

Mit der Übernahme von Time Warner steigt der Telekomkonzern zum Medienriesen auf.

(Foto: AFP)

Medienbranche US-Konzerne wie AT&T, Disney und Netflix schreiben die Regeln der Medienwelt neu

US-Megakonzerne beherrschen den Medienmarkt, zeigt eine Studie. Deutsche Unternehmen spielen nur Nebenrollen.
Update: 27.08.2018 - 14:19 Uhr Kommentieren

MünchenDie Wahl eines TV-Programms kann zum handfesten Ehestreit führen. So lief es vor vier Wochen bei US-Präsident Donald Trump. Im Regierungsflugzeug schaute Ehefrau Melania auf ihrem Apparat ausgerechnet den ihm verhassten Newskanal CNN an. Folge: laute Worte an Bord. Denn eigentlich soll in der Air Force One nur das rechtskonservative Fox News zu sehen sein.

Für den eigenwilligen Regierungschef ist das liberale CNN ein Symbol für immer größer werdende Medienmächte, die ihn bedrohen. Der einst von Ted Turner gegründete Spartensender ist Teil des Time-Warner-Konzerns, der inzwischen vom Telekommunikationsriesen AT&T aufgekauft wurde. Vergeblich hat Trumps Administration gegen die rechtliche Genehmigung der Transaktion gekämpft. Ihr Widerspruch gegen die positive Entscheidung des United States District Court vom Juni ist noch anhängig.

Tatsächlich hat der AT&T-Deal ganz neue Zeichen im globalen Medienmarkt gesetzt. Nun gehört auf einmal zusammen, was bisher nicht zusammengehörte: Telefonnetze, Internetverbindungen und Bewegtbilder aller Art. Eine neue „Konvergenz“ von Vertrieb und Medieninhalten soll die Kunden beglücken und zu Umsatzsprüngen führen.

Das ist das neue Gesetz der Branche. Motto: Alles aus einer Hand. Verbunden ist das Ganze mit einer riesigen Unternehmenskonzentration, wie sie noch nicht zu erleben war. Das Kommunikationsgeschäft hebt sich dabei sogar von anderen Branchen der Weltwirtschaft ab, in der auch immer weniger Global Player immer stärker die Regeln bestimmen.

Eine aktuelle Rangliste des Kölner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) zeigt, wie sehr US-amerikanische Unternehmen im Medienbusiness dominieren: America first. Lediglich der chinesische Tencent-Konzern und Sony Entertainment aus Japan haben sich als Achter und Neunter in die Top Ten gebracht.

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Deutsche spielen nur Nebenrollen. Angesichts der Dynamik erstaunt es fast, dass ARD und Pro Sieben Sat 1 Media umsatzmäßig immer noch zu den größten 50 zählen. Am weitesten oben taucht auf Rang 15 Bertelsmann aus Gütersloh auf – vor 30 Jahren noch die Nummer eins der Medienwelt. Damals hatten die frühen Globalisierer selbst munter in den USA akquiriert, heute jedoch haben hauptsächlich börsennotierte US-Unternehmen Kapital und Chuzpe für Groß-Deals.

Der Bertelsmann-Jahresumsatz ist mittlerweile nur wenig größer als der Forschungsetat des Onlineriesen Amazon aus Seattle. Lediglich im Buchgeschäft ist die Traditionsfirma von Liz Mohn mit Penguin Random House global führend; im TV-Geschäft reicht es mit der hochrentablen RTL Group zu europäischer Erstklassigkeit. Aber im Vergleich zur Weltspitze? Mit gut 17 Milliarden Euro erlösen die Gütersloher nur noch ein Zehntel von AT&T, dem aktuellen Champion, wie die IfM-Rangliste beweist.

Grenzenlose Geschäft, grenzenloser Ehrgeiz

AT&T habe sich mit dem Time-Warner-Deal vom Status eines reinen Telekommunikationskonzerns verabschiedet und sei nun den Medienkonzernen zuzurechnen, da das Unternehmen seiner Klientel Gesamtangebote („Bundling“) mache, sagt IfM-‧Direktor Lutz Hachmeister. Jetzt seien in der Welt der Medien-, Telefon- und Datenkonzerne „alle Grenzen aufgehoben“, urteilt der Experte: „Das wäre, auf deutsche Verhältnisse bezogen, ungefähr so, als wenn die Deutsche Telekom Bertelsmann übernehmen würde.“

Grenzenlos wie das Geschäft ist der Ehrgeiz der Verantwortlichen. Schon 2015 hatte der umtriebige AT&T-Chef Randall Stephenson die Firma DirecTV übernommen, eine Macht im Satelliten-Pay-TV. Dann kam Time Warner hinzu: mit dem Hollywood-Studio Warner Bros. (Filme wie „Crazy Rich Asians“), mit der Pay-TV-Gruppe Home Box Office (HBO) und ihren beliebten Serien („Game of Thrones‧“) sowie etlichen Spartenkanälen (CNN, Cartoon Network).

Die einstige „Time“-Zeitschriftengruppe hat Stephenson an den Meredith-Konzern weitergereicht – er konzentriert sich ganz auf Filme aller Art, die es nach allen Regeln der Marketingkunst via AT&T zu vertreiben gilt. Dessen Konkurrent Verizon verfolgt mit AOL, Yahoo und der Website „Huffington Post“ eine ähnliche Strategie; Konzerntochter Oath Inc., die für solche Inhalte zuständig ist, erlöst jedoch nur 5,31 Milliarden Euro.

Erst eine Änderung der Gesetze hat es im Dezember 2017 in den USA überhaupt ermöglicht, Netze und Inhalte gemeinsam anzubieten, wie das jetzt überall passiert. So hat die von CNN-Hasser Trump angestoßene Liberalisierung die neuen Größenverhältnisse erst möglich gemacht. Damit aber wird die Konzentration weiter zunehmen. Hinter AT&T breitet sich bereits der Google-Konzern Alphabet (Umsatz: fast 100 Milliarden) weiter aus. Er ist Hauptprofiteur der Digitalisierung und zur globalen Werbesupermacht geworden, die mit Youtube die dominierende Videoplattform stellt.

Überhaupt sind es US-Tech-Konzerne, die den Wandel beschleunigen. Aus den Welten der Fernbedienung, in denen das Publikum zwischen TV-Programmen hin und her zappt, werden Ökosysteme der Streamingdienste. Sie verführen zu „binge watching“, zum exzessiven Sehen von Serien.

Netflix mit famosem Wachstum
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