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Der Medien-Kommissar Bavaria profitiert von Aufträgen von Sky, Telekom und Netflix

Neue Plattformen – von Sky über Netflix und Amazon bis hin zu Apple – beflügeln das TV-Geschäft der ARD/ZDF-Filmtochter. Doch es gibt auch Probleme.
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Die Bavaria hat mit ihrer Serie „Das Boot“ im Auftrag der Bezahlplattform Sky in der Branche für Furore gesorgt. Quelle: 
Sky Deutschland AG und Sky Deut
Das Boot

Die Bavaria hat mit ihrer Serie „Das Boot“ im Auftrag der Bezahlplattform Sky in der Branche für Furore gesorgt.

(Foto:  Sky Deutschland AG und Sky Deut)

Ein glückliches Gesicht hat Filmproduzent Oliver Vogel aufgesetzt. Das stolze Lächeln des Chief Creative Officers der Bavaria Fiction („Rosenheim Cops“, „Sturm der Liebe“, „Inge Lindström“) ist keineswegs professionelle Maskerade. Ich begegne einem hochzufriedenen Manager der in München ansässigen ARD/ZDF-Tochter.

Sein Glückszustand hat einen guten Grund: Die Geschäfte des Film- und Serienproduzenten laufen glänzend. „Als die Bavaria Fiction 2007 gegründet wurde, starteten wir als klassischer Auftragsproduzent der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Heute zählen auch Telekom, Amazon, Netflix und Sky zu unseren Kunden“, sagt der in Köln lebende Filmkreative und fügt im gleichen Atemzug an: „Wir haben eine großartige Weiterentwicklung geschafft.“

Durch Streamingdienste und Bezahlsender erlebt die gesamte Branche einen Boom. Nicht nur in Deutschland und Europa brummt das filmische Kreativgeschäft, sondern auch in den USA. Hollywood & Co. haben den historischen Umsatzrekord von knapp 97 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr erzielt.

Die Zahl der Abonnenten von Netflix, Amazon und weiterer Plattformen hat die Grenze von 613 Millionen übersprungen. Das berichtet der Branchenverband Motion Picture Association of America. Am heutigen Montag startet Apple seinen lang erwarteten Streamingdienst und wird die Branche mit seiner Nachfrage nach Inhalten weiter befeuern.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Die Bavaria hat mit ihrer Serie „Das Boot“ im Auftrag der Bezahlplattform Sky in der Branche für Furore gesorgt. Die High-End-Serie mit acht Folgen kostete stolze 26,5 Millionen Euro. Sie knüpft an den legendären Filmerfolg „Das Boot“ an, den Regisseur Wolfgang Petersen auf dem Bavaria-Filmgelände im Münchner Vorort Geiselgasteig bereits 1981 gedreht hat. Die Serie soll nach zwei Staffeln offenbar weitergehen.

„In Gedanken beschäftigen wir uns schon mit der dritten Staffel von ,Das Boot‘“, sagte Oliver Vogel auf der Filmkonferenz Incontri. Bei diesem Branchentreffen auf Einladung der Südtiroler Filmförderung IDM in Schenna war auch sein Auftraggeber, der langjährige Programm-Manager von Sky, Marcus Ammon, zugegen.

„Die zunehmende Zahl von Streamingdiensten und Bezahlfernsehen beflügelt das Produktionsgeschäft ungemein, da hier auch Nischenprogramme einen Platz finden können“, berichtet der gebürtige Ravensburger, der seine Ausbildung an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg gemacht hat.

Produktionskosten schießen in die Höhe

Der Boom der Film- und Fernsehproduktion hat aber auch seine Nachteile. Denn die Herstellungskosten für Serien und Film legen kräftig zu. „Die Produktionskosten steigen kontinuierlich. Damit stehen alle im Markt unter Druck“, bekennt der Chief Creative Officer Vogel offen. Beispielsweise wurden für das Drehen auf einer Großbaustelle in Berlin stolze 20.000 Euro pro Tag verlangt.

Die Amerikaner mit ihren gewaltigen Budgets würden insbesondere in der Hauptstadt die Preise nach oben treiben. „Ein Ende des Kostendrucks ist noch nicht in Sicht, da die Nachfrage nach Programm zwar weltweit steigt, die Budgets aber nicht“, kritisierte der Bavaria-Manager. Es gilt als offenes Geheimnis, dass in Deutschland 80 Prozent aller Produktionsfirmen eine Rendite von unter fünf Prozent erzielen.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem. „Die große Nachfrage nach fiktionalem Programm führt dazu, dass qualifiziertes Personal auf dem Markt schwer zu bekommen ist“, berichtet der 51-Jährige. Daran wird sich auch künftig wenig ändern, denn Serien und Filme sind gefragt wie selten zuvor. Der noch härtere Wettbewerb durch die neue Streamingplattform von Apple wird den Druck zu originärem Programm noch erhöhen.

Die Bavaria hat auf die Nachfrage reagiert, indem sie immer mehr Genres bedient. Die inhaltliche Vielfalt hat höchste Priorität. Zuletzt produzierte die Bavaria Fiction für Arte und ARD den Zweiteiler „Brecht“ über die Literaturlegende. Für die Deutsche Telekom produzierte sie die Komödie „Deutsch-Les-Landes“ mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle.

„Unsere Strategie heißt: gesundes Wachstum“, sagt Vogel. Unter großem Wachstumsdruck steht die Bavaria Fiction mit ihren 60 Festangestellten und ihren bis zu 500 Mitarbeitern in der Produktion nicht unbedingt. Gesellschafter der Bavaria Fiction sind Bavaria Film mit 51 Prozent sowie ZDF Enterprises mit 49 Prozent. Bavaria Film wiederum gehört mehrheitlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunkfunkanstalten WDR, SWR, MDR und BR. Außerdem ist Bayern mit knapp 17 Prozent beteiligt.

„Unser Ziel ist, dass die Bavaria eine der ersten Adressen für Kreative wird“, formuliert Vogel, der seit über zwei Jahrzehnten Film und Serie herstellt. Mit ihren vielfältigen Produktionen in den vergangenen Jahren ist die ARD-Tochter auf bestem Weg, dieses Ziel zu erreichen.

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