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Der Medien-Kommissar Tiefpunkt Song Contest

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Bei der ARD ist kein Einsehen zu erwarten

Angesichts der dritten Pleite beim ESC in Folge läge es auf der Hand, ehrliche Selbstkritik zu üben, um den Druck auf die Künstlerin zu nehmen, und Vorschläge für die Zukunft zu machen. Doch davon wollte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber vom NDR nichts wissen. Er redete die Blamage als „herbe Enttäuschung“ herunter.

Der 57-Jährige ergänzte lapidar: „Wir stellen uns dem Ergebnis und werden es analysieren.“ Mit anderen Worten, auch dieses Desaster perlt an uns ab. Dabei hatte Schreiber nicht nur die jahrelangen Niederlagen beim ESC mit zu verantworten, sondern auch das Desaster beispielsweise bei der Nominierung vor zwei Jahren. Damals musste der NDR den bereits nominierten Sänger Xavier Naidoo wegen angeblich homophober und antisemitischer Texte wieder zurückziehen.

Die in Europa einmalige miserable Serie beim Eurovision Song Contest zeigt, dass es der NDR seit Jahren konsequent nicht versteht, die wirklichen Talente in Deutschland für die Musiktalentshow zu entdecken. Die Intendanten sind nun gefragt, endlich auf die Reset-Taste zu drücken. Die ARD-Granden müssen mit neuen Verantwortlichen, neuen Methoden und vor allem mit einer neuen Musik einen Neuanfang wagen – das System neu booten. Das sind sie Millionen von Gebührenzahlern schuldig, welche den Millionenaufwand schließlich finanzieren.

Wie formulierte der portugiesische Gewinner Salvador Sobral es nach seinem fulminanten Sieg mit der poetischen Jazzballade „Amar Pelos Dois“ (Liebe für zwei): „Wir leben in einer Welt völlig austauschbarer Musik – Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt. Dies könnte ein Sieg für die Musik sein, für Leute, die Musik machen, die noch etwas zu sagen hat. Musik ist kein Feuerwerk. Musik ist Gefühl. Lasst uns versuchen, etwas zu ändern und die Musik zurückzubringen. Das ist das Entscheidende“.

Eine Möglichkeit für einen Neuanfang wäre die Zusammenarbeit mit einem privaten Sender und dessen Kreativmannschaft zu suchen. Zur Erinnerung: Es war der kongeniale Entertainer und Unternehmer Stefan Raab, der zu seinen Glanzzeiten bei Pro Sieben Sat 1 Deutschland mit seinem Nachwuchstalent Lena und den ESC-Sieg ein Wunder bescherte. Doch das hat die ARD offenbar längst vergessen.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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1 Kommentar zu "Der Medien-Kommissar: Tiefpunkt Song Contest"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Die ARD muss endlich einen inhaltlichen und personellen Neuanfang wagen"

    Bezüglich der ARD stimme ich der Aussage voll zu. Würde allerdings den gesamten öffentlich rechtliche Rundfunk einbeziehen. Bezüglich des Eurovision Song Contest gibt es auch eine andere Alternative: die Unterlassensalternative.

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