Der Medien-Kommissar Das ZDF zeigt Haltung gegen Rechts

Der Sender lässt sich von der Übertragung eines Konzerts von Feine Sahne Fischfilet nicht abhalten – ein Dienst an der freiheitlichen Demokratie.
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Weil das Bauhaus Dessau rechte Proteste fürchtet, untersagte es den Auftritt der Punkband. Quelle: dpa
Feine Sahne Fischfilet

Weil das Bauhaus Dessau rechte Proteste fürchtet, untersagte es den Auftritt der Punkband.

(Foto: dpa)

Es ist eine Blamage für das Bauhaus: Aus Angst vor Rechtsextremisten hat die ehrwürdige Institution das Konzert der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet auf der historischen Bühne verboten. Man wolle nach eigenen Angaben kein Austragungsort politischer Agitation werden.

Über die Begründung der Stiftung Bauhaus, deren Vorsitzender des Stiftungsrates der ZDF-Rundfunkrat Rainer Robra ist, kann man sich nur die Augen reiben. Denn das von Walter Gropius gegründete Bauhaus verstand sich seit seiner Gründung auch als Hort nicht nur der ästhetischen Avantgarde, sondern stets auch als politische Institution in der zerbrechlichen Demokratie von Weimar. Nicht zuletzt deshalb zog es sich den Hass rechter Politiker in den 1920er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu.

Umso wichtiger ist die Entscheidung des ZDF, das Konzert der Band Feine Sahne Fischfilet gegen alle Widerstände doch zu übertragen. Die Entscheidung des Mainzer Senders unter dem konservativ-liberalen Intendanten Thomas Bellut ist mutig. Denn viel Beifall wird die öffentlich-rechtliche Anstalt dafür nicht bekommen.

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra ist als Chef der Staatskanzlei auch verantwortlich für die Medienpolitik von Sachsen-Anhalt. Der scharfe Kritiker des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus den Reihen der CDU sitzt auch im Rundfunkrat des ZDF. Zuvor hatten bereits Politiker der CDU und der rechtspopulistischen AfD das Konzertereignis in Dessau kritisiert.

Es dürfe niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreiche, um ein Konzert zu verhindern, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Doch genau das ist mit dem Auftrittsverbot des Bauhauses nun in Dessau passiert. Ausgerechnet das Bauhaus, das von Anfang an von den rechten Parteien in seiner Geschichte bekämpft wurde.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medien-Kommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medien-Kommissar“.

Die Kunst- und Designhochschule zog aufgrund des politischen Drucks bereits 1925 von Weimar nach Dessau. 1932 emigrierte sie nach der Schließung durch die NSDAP schließlich nach Berlin, wo die Machtergreifung der Nazis der weltberühmten Einrichtung ein schnelles Ende setzte.

Mit dem Verbot des für den 6. November geplanten Konzerts hat sich das Bauhaus für eine Fortsetzung der Konzertreihe zdf@bauhaus.de im Zweiten disqualifiziert. Das ZDF ist derzeit auf der Suche nach einer alternativen Bühne für Feine Sahne Fischfilet.

Das sollte kein Einzelfall bleiben. Das ZDF sollte nach einer neuen Location für seine Konzertreihe in Sachsen-Anhalt oder in ganz Ostdeutschland suchen. Rechte Gruppen dürfen über ihren Protest nicht zum indirekten Programmdirektor des öffentlich-rechtlichen Fernsehens werden – schon gar nicht im Bauhaus.

Man muss die wüsten und ambivalenten Texte der elf Jahre alten, sechsköpfigen Punkband Feine Sahne Fischfilet nicht gut finden. Vor ein paar Jahren wurde die Rostocker Gruppe, die bundesweit bei ihrem Auftritt nach den rechten Übergriffen in Chemnitz bekannt geworden ist, sogar mehrmals in Berichten des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern genannt. Doch eine Punkband ist keine Punkband, wenn sie nicht provoziert und anstößt.

Dankenswerterweise verteidigt das ZDF diese künstlerische Freiheit in Deutschland. Mit der Entscheidung für ein Konzert an einem anderen Ort in Dessau erfüllt die Mainzer Rundfunkanstalt vorbildlich ihren Auftrag. „Das ZDF ist den im Grundgesetz verankerten demokratischen und rechtsstaatlichen Werten verpflichtet. Angebote des ZDF beleuchten daher undemokratische Entwicklungen kritisch“, erklärte der Mainzer Sender seine eigenen Programmgrundsätze.

Dass diese Prinzipien nicht nur auf dem Papier stehen, dafür tritt das ZDF auch im Fall Dessau mit der Konzernübertragung von Feine Sahne Fischfilet Anfang November nun den Beweis an.

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