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Der Medien-Kommissar Der „genagelte Fernseher“

Manchmal witzig, oft provokant, bisweilen verstörend untersucht die Ausstellung „TeleGen“ in Liechtenstein die Veränderung unserer visuellen Kultur. Warum die Zeit des Sinnstiftungsapparates Fernseher vorbei ist.
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Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Hunderte von Nägeln umringen u-förmig die graue Mattscheibe. Die Unterhaltungsmaschine Fernsehen wird dadurch zum malträtierten Alltagsgerät. Die Arbeit des Düsseldorfers Günther Uecker mit dem schlichten Namen „TV auf Tisch“ ist bereits über ein halbes Jahrhundert alt. Sie ist längst eine Kunstikone in der Auseinandersetzung mit dem Fernsehen geworden.

Zu sehen ist das legendäre Objekt in der Ausstellung „TeleGen“ im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz. Die Schau, die Experten im Kunstmuseum Bonn entwickelt haben, untersucht manchmal witzig, oft provokant, bisweilen verstörend die Veränderung unserer visuellen Kultur seit den 1960er-Jahren.

Ueckers Objekt des „genagelten Fernsehers“ von 1962 ist ein exzellenter Ausgangspunkt für die künstlerische Interpretation des Massenmediums. Denn zu Beginn der 1960er-Jahre hatte das Fernsehen das Kino auf den zweiten Platz verdrängt. Es entwickelte sich zum Massenmedium – auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So ließ der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zum Beispiel auch das ZDF gründen.

Wer die außergewöhnliche Ausstellung in Bonn im Winter verpasst hat, kann den Besuch nun bis zum 16. Mai im Fürstentum Liechtenstein nachholen.

Die Bandbreite der Werke, die das Verhältnis zwischen Medium und bildendender Kunst untersuchen, ist enorm. Künstler von Tom Wesselmann, Dennis Hopper über John Cage bis hin zu Christoph Schlingensief, Thomas Demand und Tobias Rehberger stellen ihre Kunst aus. Dem Betrachter wird die rasante Veränderung unserer visuellen Kultur deutlich.

Als 1997 Christoph Schlingensief in seiner von RTL, Sat 1 und ORF ausgestrahlten Talkshow das Genre um die Dimension der peinlichen Privatheit erweiterte, war das noch eine Provokation. Wer heute im Museum die sieben Folgen der 25 Minuten langen Gesprächsrunden anschaut, kann darüber allerdings nur müde lächeln. Denn heute sind längst alle Schranken der Peinlichkeit und der Privatheit über alle Sender hinweg gefallen. Den „Geissens“ von RTL 2 sei Dank.

Diese Schau ist sehenswert, weil sie gerade keine bitterernste Kunstangelegenheit ist.

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