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Der Medien-Kommissar Der Konkurrenzkampf zwischen Disney und Netflix ist eröffnet

Disney will einen eigenen Streamingdienst starten. Im Wettbewerb mit Netflix hat der Konzern eine gute Ausgangsposition, doch auch Apple will in das Geschäft einsteigen.
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Disney startet im November seinen eigenen Streamingdienst. Quelle: AP
The Walt Disney Company

Disney startet im November seinen eigenen Streamingdienst.

(Foto: AP)

Für Netflix ist die vergangene Börsenwoche vergleichsweise schlecht gelaufen: Die Aktie des sonst so gefeierten Streamingdienstes aus dem kalifornischen Los Gatos notierte zum Handelsschluss 4,5 Prozent niedriger. Im Gegenzug kletterte das Papier von Disney auf einen historischen Höchststand: Es legte um elf Prozent auf 130 US-Dollar zu. Zum Vergleich: Im Juni 2017 lag die Aktie noch unter 78 US-Dollar.

Grund für diese gegenläufige Entwicklung an den Börse war Disneys Bekanntgabe, im November einen eigenen Streamingdienst an den Start zu bringen – wodurch der direkte Konkurrenzkampf zwischen Disney und Netflix nun offiziell eröffnet ist.

Die Begeisterung der Anleger für Disney hat einen simplen Grund: Der Streamingdienst des Unterhaltungsriesens namens Disney+ aus dem kalifornischen Burbank wird mit 6,99 US-Dollar monatlich billiger sein als sein Rivale. Netflix hat erst kürzlich angekündigt, die Preise in Europa anheben zu wollen. Disneys Preismodell ist also eine Kampfansage, um dem Konkurrenten zu zeigen, wer die größere Finanzkraft hat.

Disney-Chef Robert Iger weiß sehr genau, was er will – nämlich Netflix oder auch Apple nicht das Endkundengeschäft mit Filmen, Serien und Dokumentationen rund um den Globus überlassen. Deshalb soll Disney + nicht nur ab dem 12. November in Nordamerika, sondern auch in vielen anderen Regionen weltweit verfügbar sein.

Der langjährige CEO kündigte an, innerhalb von fünf Jahren 60 bis 90 Millionen Abonnenten gewinnen zu wollen. Netflix hat bereits jetzt ein deutlich größeres Publikum: Der Streamingdienst zählt derzeit nach eigenen Angaben über 148 Millionen Kunden.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Nichtsdestotrotz kommt Disneys Angriff bei Investoren und Analysten gut an. Und zwar genau deshalb, weil der Micky-Maus-Konzern als größter Produzent von Filmen und Serien in Hollywood über eine unglaubliche Macht bei Inhalten verfügt. Konzernchef Iger kündigte bereits an, seine Inhalte nicht mehr bei Netflix zu zeigen. Schließlich ist aus dem einstigen Kunden mit einem Schlag ein großer Konkurrent geworden.

Die unterschiedlichen beliebten Inhalte sind in erster Linie der Verdienst von Iger. In den vergangenen Jahren hat der Disney-Chef – teils für Milliarden von US-Dollar – immer wieder Ikonen des Filmgeschäfts erworben. So kaufte er die Marvel-Studios („Avengers“, „Spiderman“, „Iron Man“) in Burbank und das nördlich von San Francisco gelegene Studio von George Lucas („Star Wars“). Im März übernahm Iger schließlich 21st Century Fox, das Hollywood-Studio und eine Reihe von Fernsehsendern des Medientycoons Robert Murdoch („Wall Street Journal“, „Sun“, „Sky“) für insgesamt 71 Milliarden US-Dollar.

Das Animationsstudio Pixar („Toy Story“, „Cars“) aus dem kalifornischen Emeryville bei San Francisco gehört bereits seit 2006 zum Disney-Konzern. Noch nie war Disney besser für den Konkurrenzkampf um den Konsumenten digitaler Medien gewappnet als heute. In den 14 Jahren als CEO hat sich der heute 68-Jährige einen Konzern geschaffen, der Hollywood dominiert.

Beim Streamingdienst Disney+ sollen künftig die Superhelden „Avengers“ und „Stars Wars“ exklusiv laufen. Mit der Übernahme von Fox gehören auch globale Animationsmarken wie die „Simpsons“ zum Micky-Mouse-Konzern. Iger ist davon überzeugt, dass die exklusive Verwertung seiner Marken über genügend Strahlkraft verfügt, um neue Kunden für Disney+ zu gewinnen und Netflix-Abonnenten abzuwerben.

Die große Unbekannte in Igers derzeitiger Rechnung ist allerdings Apple. Erst im März hatte der Technologiekonzern ebenfalls für den Herbst einen eigenen Streamingdienst angekündigt. Allerdings war Apple-Chef Tim Cook mit Details äußerst zurückhaltend. Daher ist bisher unbekannt, welchen Preis Kunden für den Streamingdienst Apple+ zahlen sollen.

Die Preissetzungsstrategie von Apple dürfte für Disney besonders interessant sein: Schließlich sind die zwei Konzerne indirekt miteinander verbunden. Apple-Gründer Steve Jobs stieg durch den Verkauf der Pixar-Anteile schon zu Lebzeiten zum größten Einzelaktionär des Micky-Maus-Konzerns auf. Das Aktienpaket gehört heute seiner Witwe Laurene Powell Jobs.

Disney-Chef Iger wiederum sitzt bereits seit acht Jahren im Verwaltungsrat von Apple. Er kennt die Strategie und auch die Probleme des Giganten aus dem Silicon Valley.

Netflix gemessen am Umsatz kleiner als Disney

Verglichen mit Disney ist Netflix ein deutlich kleinerer Konzern. Der Streamingdienst machte zuletzt nur einen Umsatz von knapp 16 Milliarden US-Dollar und der Nettogewinn lag bei knapp über 1,2 Milliarden US-Dollar. Disney hingegen verbuchte im vergangenen Jahr Rekorderlöse von über 59 Milliarden US-Dollar. Allein der Nettogewinn belief sich auf 12,6 Milliarden US-Dollar.

„Es war ein geschäftiges, produktives, aber auch ein ganz erfolgreiches Jahr“, sagte Iger bei der Hauptversammlung im März mit kokettierendem Understatement. Tatsächlich war es ein historisches Rekordjahr.

Die Bilanz von Disney zeigt, wie ernst es für Netflix ab November im Duell um die globale Marktführerschaft unter den Streamingdiensten tatsächlich werden kann. Die Zuschauer dürfen sich freuen: Noch nie gab es mehr Inhalte für weniger Geld.

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