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Der Medien-Kommissar Die falsche Partnerschaft von ARD und ZDF mit der Telekom

Dem Telekom-Digitalfernsehen liefern ARD und ZDF Programme für vier Kanäle. Gebührenzahler werden mit diesem Bezahlangebot zweimal zur Kasse gebeten.
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Pro Sieben Sat 1: Die Telenovela im Vorstand – Medien-Kommissar
Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Das Fernsehgeschäft kennt Wolfgang Elsäßer aus dem Effeff. Viele Jahre war der heute 50-Jährige Deutschlandchef des Luxemburger Satellitenkonzerns SES und lieferte sämtliche Programme – egal ob private oder öffentlich-rechtliche – per „Schüssel“ frei Haus. Im vergangenen Jahr wechselte der bayerischer Honorarkonsul des Großherzogtums Luxemburg zur Deutschen Telekom. Für den Konzern hat Elsäßer ein neues Fernsehpaket geschnürt, um der immer stärkeren Konkurrenz von Amazon, Netflix und Sky begegnen zu können.

Vor wenigen Tagen wurde daher aus dem bisherigen Telekom-Angebot Entertain TV das Magenta TV – in Anlehnung an die Konzernfarben. Elsäßer mit seinem exzellenten Spürsinn für Kundenbedürfnisse schwärmt: „Bei uns können die Kunden alle Inhalte auf einer Plattform gucken und dabei zwischen linearem und nicht linearem Fernsehen wechseln.“

Doch der neue TV-Chef des börsennotieren Branchenprimus hat sich noch mehr einfallen lassen: nämlich vier Kanäle mit den Inhalten von ARD und ZDF. „Bei den öffentlich-rechtlichen Mediatheken verschwinden große Teile der Inhalte nach vier Wochen“, konstatiert der Telekom-Manager und ergänzt: „Hier haben wir Lizenzvereinbarungen mit den Anstalten getroffen, um diese Inhalte auch länger zeigen zu können.“ Zu den Details, beispielsweise die jährliche Überweisungen für die Lizenzen, macht der Bonner Konzern auf Anfrage keine Angaben.

Bei Magenta-TV heißen die vier Kanäle ARD Plus, ZDF select, ARD Plus Kids und ZDF tivi. ARD Plus und ZDF select sind Mediatheken, beispielsweise mit ARD-„Tatort“-Krimis und Episoden des ZDF-„Traumschiffes“. Bei ARD Plus Kids und ZDF tivi handelt es sich ausschließlich um Kinderprogramme, etwa mit dem WDR-Klassiker „Sendung mit der Maus“.

Aus Sicht des teilstaatlichen Branchenriesens Telekom ist das neue Fernsehangebot zum Preis von 7,95 Euro monatlich ein schlüssiges Angebot. Denn die qualitativ hochwertigen Inhalte von ARD und ZDF sind ein Wettbewerbsvorteil im Kampf gegen Amazon, Netflix & Co. Die Telekom erwirbt über 8000 Programme von ARD und ZDF.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wiederum holt sich über die Lizenzierung von Programmen zusätzliches Geld in die Kasse. Wie viel Geld die Telekom an kommerzielle Töchter von ARD und ZDF überweist, ist unklar. Wie auch bei anderen Deals, schweigen die WDR Mediagroup, ZDF Enterprises & Co. zu finanziellen Informationen ihrer Verkäufe. Bei der Kooperation handele es sich um eine branchenübliche Lizenzierung von Content, so wie er regelmäßig an andere Kunden wie Netflix, Amazon oder Maxdome verkauft werde, heißt es in ARD-Kreisen zur Verteidigung. Die an die Telekom verkauften Inhalte der Mediatheken von ARD und ZDF würden ohnehin aus rundfunkrechtlichen Gründen nicht mehr in den eigenen öffentlich-rechtlichen Mediatheken verfügbar sein.

Die Namen der neuen vier Kanäle zeigen den Telekom-Kunden, dass es sich um Inhalte des mit Rundfunkgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens handelt. Der Unterschied: Der Kunde zahlt für die Programme zweimal – zum einen über die Rundfunkgebühr und dann noch an die Deutsche Telekom über die Abo-Gebühr. Gerade in einer Zeit, in welcher der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seiner jährlichen Rundfunkgebühr von rund acht Milliarden Euro auf dem Prüfstand steht, stellt dieser umfangreiche Programmdeal mit der Telekom eine Provokation dar. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk vergibt über eine opulente Programmlizenzierung seine Inhalte und auch noch seine Marke an einen Dax-Konzern.

Auch wenn das Geschäft zwischen ARD/ZDF und der Telekom juristisch in Ordnung ist, medienpolitisch ist es äußerst fragwürdig. Warum sollen mit Rundfunkgebühren bezahlte Inhalte exklusiv einem Branchengiganten zum Zweck der Gewinnsteigerung zur Verfügung gestellt werden? Wäre es nicht besser, die Inhalte im eigenen Land ausschließlich über die eigenen Kanäle zu verbreiten? Warum überlassen die Anstalten auch die Marken ARD und ZDF dem Bonner Konzern?

Eines ist klar, der Verkauf von Programmlizenzen ins Ausland – beispielsweise auf den Film- und Fernsehmessen in Cannes – ist legitim und richtig. Zum einen verdienen ARD und ZDF damit gutes Geld, zum anderen exportieren sie mit ihren Spielfilmen, Serien und Dokumentationen auch Kultur aus Deutschland in alle Welt. Doch es stellt eine neue Dimension dar, wenn ARD und ZDF dem Ex-Monopolisten Telekom die exklusive Verwertung von Inhalten und Marken gewährt. Die Telekom zählt bei ihrem Digitalfernsehen mittlerweile 3,3 Millionen Kunden. Magenta TV verfügt insgesamt über rund 80 Sender und exklusive Inhalte im Unterhaltungsbereich.

Die fragwürdigen Ausflüge der Anstalten in die Privatwirtschaft demonstrieren, wie sehr sich ARD und ZDF von ihrem ursprünglichen Rundfunkauftrag entfernt haben. Verantwortungsvolle Medienpolitiker sind daher aufgerufen, diesen Auswüchsen möglichst schnell einen Riegel vorzuschieben. Die Zuschauer werden es ihnen danken.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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1 Kommentar zu "Der Medien-Kommissar: Die falsche Partnerschaft von ARD und ZDF mit der Telekom"

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  • Die Öffentlich-Rechtlichen versuchen ihre Position auszubauen - ohne Legitimation von den Gebührenzahlern. Das, was sie durch die eigenen Versäumnisse verpasst haben - nämlich die Jugend mitzunehmen und auf neue Verbreitungswege zu setzen - sollen jetzt solche zweifelhaften Geschäfte ausgleichen. Mit Sky gab es das ja auch. Für "Babylon Berlin" darf der Zuschauer ebenfalls zweimal zahlen. Und das war sicher nicht das letzte zweifelhafte Geschäft im Hintergrund.

    So geht das aber nicht. Der eigentliche Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen ist die Sicherung einer unabhängigen Berichterstattung. Das schaffen sie so schon zweimal nicht mehr.

    Eine echte Alternative wäre ein Förderfonds für unabhängige Journalisten. Für Zuschauer ändert sich damit nur wenig an ihrem gewohnten Programm. Die Mitarbeiter der Öffentlich-Rechtlichen können das Unterhaltungs-Programm weiterführen - aber eben im fairen Wettbewerb. So wird man der Demokratie gerecht und spart sich den in die Jahre gekommenen und leider auch ineffektiv arbeitenden Verwaltungsapparat. Da sich dieses Modell von der Politik kaum beeinflussen ließe, hat es wenig Chancen durch zu kommen. Es muss aber ins Spiel gebracht werden, damit sichtbar wird, wer tatsächlich und aus welchen Gründen am alten Modell unbedingt festhalten will. Die AfD ist dabei paradoxer Weise eine große Hilfe für die Öffentlich-Rechtlichen. Mit ihnen lässt sich das Horrorszenario "amerikanische Verhältnisse" an die Wand malen. Ein unkonditionaler Journalisten-Förderfonds liese das aber nicht zu.

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