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Der Medien-Kommissar Die Marktbereinigung im Buchhandel ist überfällig

Die beiden großen Buchhändler Thalia und Mayersche fusionieren. Gemeinsam sind beide stärker im Kampf gegen den US-Internetgiganten Amazon.
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Aus den beiden Buchhandlungen soll ein Riese gegen Amazon entstehen. Quelle: dpa
Buchhandelsketten Thalia und Mayersche

Aus den beiden Buchhandlungen soll ein Riese gegen Amazon entstehen.

(Foto: dpa)

Der deutsche Buchmarkt ist stabil und der Börsenverein des deutschen Buchhandels verkündete ein minimales Plus von 0,1 Prozent auf allen Verkaufskanälen. Doch die Buchhandlungen kämpfen weiter. Im vergangenen Jahr gingen die Umsätze um fast ein Prozent zurück.  

Nach einer Schätzung der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers lagen die Erlöse der Buchbranche im Jahr 2017 bei etwa 9,05 Milliarden Euro. Damit zählt Deutschland immer noch zu den größten Buchmärkten der Welt. Doch der weltgrößte Onlinehändler Amazon fordert seinen Tribut.

Die Zahl der Buchhandlungen geht immer weiter zurück. Mittlerweile gibt es nur noch rund 3.600 Buchhandlungen in der Bundesrepublik. Und die Bedrohung durch Amazon wächst weiter.

Angesichts der Marktlage führt an einer Konsolidierung des Buchhandels kein Weg vorbei. Der Zusammenschluss der größten Buchhandelskette Thalia und mit der Nummer vier im Markt, der Mayerschen Buchhandlung, ist daher ein Grund zu Freude.

Denn der neue Branchengigant kommt damit auf etwa 350 Buchläden – hinzukommen noch mehr als 1.000 Buchecken im Einzelhandel. Er erzielt zusammen einen geschätzten Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. Mit seiner größeren Marktmacht schafft er es, zumindest im deutschsprachigen Raum auf Augenhöhe mit Amazon zu kommen.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Der umtriebige Thalia-Mehrheitseigentümer und Verleger Manuel Herder sowie der Eigentümer der Mayerschen Buchhandlung Hartmut Falter haben nicht nur eine unternehmerisch richtige Entscheidung getroffen. Sie leisten auch einen Beitrag zur Lesekultur in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Denn ihre Buchhandlung in den drei Ländern sind noch immer keine Shops, sondern auch Treffpunkte in den Städten. Sie laden jährlich zu tausenden von Lesungen und kulturellen Veranstaltungen ein. Dort wird mit Autoren über Politik und Wirtschaft diskutiert und gestritten. Für eine Gesellschaft, die sich mit dem transparenten und konstruktiven Diskurs über kontroverse Themen immer schwerer tut, ist das eine wertvolle Dienstleistung privater Handelsunternehmen.

Diese kulturelle und gesellschaftliche Leistung erbringt der Branchenprimus Amazon nicht. Der weltgrößte Handelsriese macht eher Schlagzeilen wegen Arbeitsniederlegungen wegen mieser Löhne oder schlechter Arbeitsbedingungen. Oder Amazon-Gründer Jeff Bezos, dessen Vermögen von Bloomberg auf 137 Milliarden Dollar geschätzt wird, schockt seine Aktionäre mit einer bevorstehenden Scheidung von seiner langjährigen Ehefrau. Bereits in den vergangenen drei Monaten hat das Papier des Handelsriesen fast neun Prozent im Zuge der kriselnden US-Tech-Unternehmen nachgegeben.

Der Zusammenschluss gegen die Marktmacht von Amazon darf aber nicht der letzte Schritt sein. Um gegen den amerikanischen Internetgiganten bestehen zu können, wird auch weiteren familiengeführten Buchhandelsunternehmen nichts anderes übrig bleiben, als rechtzeitig zu verkaufen oder zu größeren Einheiten zu fusionieren.

Denn das früher so betuliche Geschäft ist längst knallhart. Mit Ellbogen wird um Rabatte bei den Verlagen gekämpft. In vielen Fällen ist bei den Verlegern bereits die Schmerzgrenze erreicht. Hinzu kommt: die Zahl der verkauften Bücher in innerhalb von zehn Jahren ohnehin um beachtliche zehn Prozent zurückgegangen.

Am Ende entscheidet der Kunde über die weitere Marktentwicklung im Buchmarkt. Das gilt auch im digitalen Bereich. Schließlich haben Thalia, Mayersche und andere Buchhändler mit dem elektronischen Lesegerät Tolino eine in Europa einmalige Konkurrenz für den Kindle von Amazon geschaffen. Jeder Käufer eines gedruckten oder digitalen Buches muss selbst wissen, ob er mit seinem Kauf den Handelsgiganten Amazon unterstützen will oder sein Geld beim einheimischen Buchhandel lässt, der einen kulturellen Beitrag vor Ort leistet. Mit der guten Marktbereinigung sorgt der stationäre Branchenprimus Thalia zumindest dafür, dass der Wettbewerb auch künftig funktioniert – zum Wohl von Lesern und Verlagen.

Jede Woche schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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