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Der Medien-Kommissar Ein verurteilter Manager erfindet sich neu – Thomas Middelhoffs zweites Leben als Autor

Der ehemalige Bertelsmann- und Arcandor-Chef arbeitet nach seiner Gefängnisstrafe als Buchautor. Middelhoffs neuestes Werk wird sich mit Management-Fragen beschäftigen.
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Der frühere Arcandor-Chef versucht sich nach seiner Verurteilung als Buchautor. Quelle: dpa
Thomas Middelhoff

Der frühere Arcandor-Chef versucht sich nach seiner Verurteilung als Buchautor.

(Foto: dpa)

Wien„Ich versuche, mich zu resozialisieren“, ist einer der ersten Sätze, die mir Thomas Middelhoff bei unserer Begegnung in Wien entgegenwirft. Der heute 62-Jährige hat sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis in Essen verändert.

Middelhoff spricht leise und bedächtig. Im Gegensatz zu seinen Zeiten als Chef des Medienriesen Bertelsmann oder des Handelskonzerns Arcandor (Karstadt, Quelle) hört der gebürtige Düsseldorfer heute aufmerksam zu.

Sein einstiges Leben als einer der glamourösesten Wirtschaftslenker des Landes hat der promovierte Ökonom hinter sich gelassen. Als wir am imposanten Stadtpalais von René Benko, dem Milliardär und Kaufhauskönig, vorbeikommen, berichtet er von einem Besuch dort – damals in seinem ersten Leben als Spitzenmanager.

Der Österreicher Benko hat gerade die Fusion von Karstadt und Kaufhof zustande gebracht – ein unternehmerischer Meilenstein. „Das ist der einzig richtige Schritt“, sagt der frühere Arcandor-CEO anerkennend.

Thomas Middelhoff, der einst mit Random House den größten Buchkonzern der Welt schuf, hat sein zweites Leben als Buchautor in Hamburg begonnen. Mit seinen justizkritischen Memoiren über seine Gefängniszeit unter dem Titel „A 115 – der Sturz“ hat er einen kommerziellen Erfolg erzielt.

Sein zweites Buch, ein fiktionaler Wirtschaftskrimi, hat er bereits abgeschlossen. Es wird auf Amazon für 2020 zur Bestellung angeboten. Ein Verlagsvertrag existiert aber noch nicht. Derzeit wird der Text juristisch überprüft.

Middelhoff will sich keinen rechtlichen Ärger mit ungewollten Anspielungen auf noch lebende Wirtschaftslenker einhandeln. Ein drittes Buch ist bereits in Arbeit. Im Herbst 2019 soll es laut Middelhoff erscheinen.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Den ehemaligen Medienmanager treibt der Umgang der Justiz und der Öffentlichkeit mit prominenten Managern wie dem in Untersuchungshaft sitzenden Noch-Audi-Chef Rupert Stadler oder dem früheren VW-CEO Martin Winterkorn um. „Stadler und Winterkorn erfahren keinen Zuspruch oder Unterstützung“, kritisiert er den Umgang von Wirtschaft und Politik mit den Spitzenmanagern.

Middelhoff kennt dieses Gefühl. Er selbst war wegen 27 Fällen der Untreue und dreimaliger Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. „Das habe ich mir selbst eingebrockt“, bekennt er heute reumütig. „Die Erfahrung hat mir zu einem besseren Leben verholfen“, sagt er. 2017 kam er vorzeitig frei.

Middelhoff erlebt die Zeit nach dem Gefängnis heute wie eine Wiedergeburt. Der Wahlhamburger erfährt auf der Straße nach eigener Aussage durchaus Zuspruch. „Ich bin bis heute nicht einmal negativ angesprochen worden“, beteuert der frühere Vorstandschef.

Er ist einer, der das Scheinwerferlicht genossen hat. Sein Leben als Entscheider war ein Kampf um die Aufmerksamkeit. Aus seinem dramatischen Absturz haben andere gelernt. Sie scheuen die Aufmerksamkeit wie der Teufel das Weihwasser.

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Middelhoff formuliert das so: „Die Elite konzentriert sich darauf, nicht sichtbar zu sein.“ Und er fügt an: „Keine Stimme zu erheben ist keine gute Entwicklung.“ Die Mächtigen der Wirtschaft ducken sich bei heiklen Themen weg. Nur selten mischt sich jemand wie Siemens-Chef Joe Kaeser in eine harte Diskussion wie im Fall von Chemnitz ein. Eine wohltuende Ausnahme.

Die Justiz ist unterdessen mit Middelhoff noch nicht fertig. Die Staatsanwaltschaft in Bielefeld ermittelt gegen den Spitzenmanager, weil er angeblich vor seiner Privatinsolvenz im Jahr 2015 Millionensummen an eine Firma überwiesen hat, die seiner Gattin und seinen Kindern gehört, und auf diese Weise Gläubiger betrogen haben soll. Die Wiederaufnahme eines Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft Bielefeld belastet den ehemaligen Manager schwer.

„Das ist ein schreckliches Déjà-vu“, bekennt er. „Das ist schlimm.“ Ursprünglich seien die Ermittlungen bereits 2015 eingestellt worden. Er beteuert, es gebe heute keine neuen Erkenntnisse.

Middelhoff, der einst mit US-Präsident Bill Clinton per Du war und mit der Präsidentenfamilie Bush ein Wochenende verbrachte, hat seine Lehren aus dem Umgang mit der Justiz gezogen: „Ich würde jedem raten, keine Konfrontation mit Medien und Justiz zu suchen.“ Er wolle seine Lebenszeit nicht mehr in Gerichtssälen verbringen.

Jede Woche schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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