Der Medien-Kommissar Ein Zusammenschluss europäischer Medien könnte Facebook und Google noch stoppen

Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley drängen klassische Fernsehsender vom Markt. Zwei Brancheninsider fordern nun Gegenmaßnahmen.
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Das Medienbuch  „Change the Game“ fordert den Kampf gegen Tech-Giganten aus dem Silicon Valley. Quelle: dpa
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Das Medienbuch „Change the Game“ fordert den Kampf gegen Tech-Giganten aus dem Silicon Valley.

(Foto: dpa)

Im Silicon Valley haben Tech-Konzerne wie Google oder Facebook globale Medienmonopole aufgebaut. Nutzer dieser Internetplattformen loggen sich mehrmals täglich ein, um auf den ersten Blick kostenlos und bequem an Nachrichten oder an kostenloses Unterhaltungsprogramm, in Form von beispielsweise Kurzvideos, zu gelangen.

Die Moderatorin Corinna Milborn und der österreichische Mediengründer Markus Breitenecker zeigen in ihrem Buch „Change the Game. Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern können.“ auf, wie die Machtkonzentration dieser Konzerne die Demokratie in Europa zerstört und benennen, was die Politik dagegen tun kann. Ihr Buch liest sich wie eine wirtschaftliche und politische Streitschrift.

Milborn und Breitenecker berichten in ihrem Buch aus der Insiderperspektive, weil sie selbst vom Aufstieg dieser Internetkonzerne zu Nachrichtenmedien betroffen sind: Breitenecker ist der Österreich-Chef von ProSieben/Sat1 und Gründer des Privatsenders Puls 4. Corinna Milborn ist die Informationsdirektorin von Puls 4.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medien-Kommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medien-Kommissar“.

Die Analyse der beiden Autoren hat ein klares Fazit: „Wir füttern die Bestie, die uns frisst“. Europäische Medien würden zu ihrem eigenen Untergang beitragen. Facebook und Google würden nicht nur die Demokratie, sondern auch die europäische Medienwirtschaft bedrohen.

Die Autoren plädieren für ein kooperatives Mediensystem, in dem die Qualitätsmedien eng miteinander zusammenarbeiten.  Statt die Rundfunkgebühren in den Konkurrenzkampf zu investieren, sollten die öffentlich-rechtlichen Anstalten Förderer und Unterstützer der zusammengeschlossenen Qualitäts-Medienlandschaft in Europa sein.

Zugleich treten sie für ein Facebook- und Youtube-Verbot für ARD, ZDF & Co. ein. Der österreichische Rundfunk ORF geht mit schon mit gutem Beispiel, um sich vom sozialen Netzwerk zu lösen: Mittlerweile postet der ORF auf Facebook nur noch eine begrenzte Anzahl an freien Inhalten.

Aber so leicht können europäische Medien die US-Internetgiganten nicht vertreiben. Europa braucht mehr Investitionen in digitale Forschungs- und Entwicklungsprojekte.

Sollte die EU die Vorschläge der Autoren umsetzen, müssten Konzerne wie Facebook, Google und Co. Milliarden an Gebühren bezahlen. Diese Gelder könnten in die Digitalisierung europäischer Medien gesteckt werden.

Milborn und Breitenecker träumen von europäischen Varianten der US-Internetkonzerne. Dieser Lösungsweg der beiden Autoren ist nicht ganz uneigennützig: Denn ProSieben/Sat1 und auch andere private Marktteilnehmer würden dann vom Geld der Gebührenzahler profitieren.

Mit ihren Thesen liefern sie zumindest einen Weg, um den wachsenden Aufstieg der Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley zu stoppen.

„Change the Game“ zeigt, dass europäische Medien unbedingt eine Strategie brauchen, um sich von der Facebook- und Google-Abhängigkeit zu lösen. Europa muss sich vom Silicon Valley befreien, damit Demokratie, Journalismus und Kreativität für die Zukunft gesichert sind.

Jede Woche schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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