Der Medien-Kommissar Grammy, Geld, Glamour

Der Boom der Streamingdienste beschert Musikkonzernen und Künstlern wachsende Einnahmen. Mit dem „Musik-Oscar“ in Los Angeles feiert sich die Branche selbst. Denn sie meistert die digitale Disruption überraschend gut.
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Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Sensation ist für Philipp Ginthör bei der Grammy-Verleihung in Los Angeles ausgeblieben. Der CEO von Sony Music für Deutschland, Österreich und der Schweiz warf sich für die Oscars der Musikbranche in den Smoking, um seinen Künstler Jean-Michel Jarre, den Altmeister der elektronischen Musik, zu feiern. Denn erstmals war deutsche Label mit einem Nominierten in der Kategorie bestes elektronisches Album für den Grammy nominiert. Doch Jarre ging leer aus.

Die Laune bei Sony Music und damit bei Philipp Ginthör war dennoch alles andere als schlecht. Denn die britische Sängerin Adele, die bei Sony Music unter Vertrag steht, gewann im Staples Center fünf der wichtigsten Musikpreise. Der Song „Hello“ der 28-Jährigen wurde mit dem Lied des Jahres ausgezeichnet, „25“ zum besten Album des Jahres gekürt. Sie hatte erst vor einem knappen Jahr einen Plattvertrag in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe bei Sony unterschrieben.

Die Grammys sind für Adele und Sony bares Geld wert. Er wird ihnen vor allem in den USA, dem größten Musikmarkt der Welt, einen Umsatzschub bescheren. Die Musiktochter des japanischen Elektronik- und Unterhaltungsriesen – mit Künstlern von Depeche Mode, Robbie Williams, Alicia Keys, Andrea Berg über Peter Maffay und Lang Lang bis zu Jonas Kaufmann – erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,65 Milliarden Dollar.

Adele gewinnt, Beyoncé begeistert
Zu Tränen gerührt
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Am Ende ist es unmöglich, diese Frauen nicht zu mögen. Unter Tränen steht Adele auf der Bühne des Staples Centers in Los Angeles und schluchzt: „Ich kann das nicht annehmen. Die Künstlerin meines Lebens ist Beyoncé.“

Beyoncé gewinnt, aber nicht in der Kategorie „Bestes Album“
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Sekunden zuvor war die Britin Adele als letzte Siegerin der 59. Grammy-Verleihung ausgerufen worden. Ihr „25“ setzte sich in der Königskategorie bestes Album des Jahres gegen „Lemonade“ von Beyoncé durch. Beyoncé bekam Awards für das beste Musikvideo des Jahres für „Formation“ und für das beste Album Urban Contemporary „Lemonade“.

Zwei Frauen, zwei Siegerinnen
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„Du bist unser Licht“, sagte sie zu ihrer Konkurrentin. Es war der versöhnliche Abschluss eines monatelangen Wettbewerbs um den begehrtesten Musikpreis der Welt. Britsche Bodenständigkeit gegen amerikanischen Glamour. Am Ende gehen nun beide Frauen als Siegerinnen von der Bühne, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen

Fünf Preise an einem Abend
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In Adeles Fall ist da die makellose Grammy-Bilanz dieses Abends: Fünf Mal war sie nominiert, fünf Preise hat sie gewonnen, darunter die in den drei Hauptkategorien Lied des Jahres, Aufnahme des Jahres und Album des Jahres. Auf 15 Trophäen kommt sie insgesamt in ihrer Karriere.

Gedenken an George Michael
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Die Herzen des Publikums erobert sie an diesem Abend aber mit einer Panne: Während ihrer Darbietung von „Fastlove“, einer von Streichern getragenen Version zum Gedenken an den verstorbenen George Michael, bricht sie ab.

Standing Ovations für Menschlichkeit
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Sie flucht, entschuldigt sich sofort dafür und erklärt: „Ich kann das nicht versauen, seinetwegen.“ So viel Menschlichkeit und Größe lieben die Stars - Standing Ovations waren der Lohn.

Auch schwangere Frauen können auf der Bühne performen
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Auch Beyoncé begeistert mit einer eindrucksvollen Show. Der erste großer Auftritt nach Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft bietet weit mehr als nur Gesang. Ihre Performance gerät zum anspielungsreichen Hohelied auf die Mutterschaft und die Kraft der Frauen.

Überhaupt hat nicht nur Sony Music, sondern die Musikbranche in Los Angeles allen Grund zu feiern. Denn im Gegensatz zu anderen Teilen der Medienbranche meistert sie die digitale Disruption überraschend gut. „Die Musikindustrie ist bereits durch Entwicklungen gegangen, als das Wort Disruption noch unbekannt war“, sagte mir Ginthör kurz vor seinem Abflug nach Los Angeles bei einem Treffen in seiner Heimatstadt Wien.

Damit hat der 41-Jährige durchaus Recht. Als das Herunterladen im Internet das traditionelle Geschäftsmodell mit physischen Tonträgern wie der CD und Vinyl ins Abseits katapultierte, verstand es die Musikbranche überraschend schnell, mit Apple & Co. neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Nachdem sich das Herunterladen von Musik weltweit etabliert hatte, mussten sich die Musiklabels mit den Streamingdiensten abermals neu erfinden. In weniger als zwei Jahrzehnten veränderte die digitale Disruption das Geschäftsmodell grundlegend – und auch das Management. „Der Professionalisierungsgrad in der Musikbranche ist genauso hoch wie in einem Industrieunternehmen in der Transformation mit neuen Geschäftsmodellen“, sagt Ginthör selbstbewusst.

Streaming ist globaler Wachstumstreiber der Musikbranche
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