Der Medien-Kommissar Klare Botschaft aus der Schweiz für ARD und ZDF

Nach der Schweizer Abstimmung geht die Diskussion über den Rundfunkbeitrag erst richtig los. ARD und ZDF müssen künftig umdenken.
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Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Botschaft aus der Schweiz nach der gescheiterten Volksabstimmung zur Abschaffung der Rundfunkgebühren ist klar: Qualität und Effizienz müssen einander nicht ausschließen. Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) drückt die Reset-Taste. „Nun ist der Weg frei für einen Neustart“, erklärte SRG-Generaldirektor Gilles Marchand.

Der mit Rundfunkgebühren finanzierte SRG kündigt einerseits Einsparungen von stolzen 100 Millionen Franken (rund 87 Millionen Euro) an, andererseits mehr Geld für informative Qualitätsinhalte. In Zukunft sollen mindestens die Hälfte der Gebühreneinnahmen in die Informationsprogramme fließen und zudem Kulturprogramme ausgebaut werden. Filme sollen zur Freude der Zuschauer nicht mehr durch Reklame unterbrochen.

Das Reformprogramm des SRG ist nichts anderes als eine Revolution. Zudem hat die Regierung angekündigt, die Rundfunkgebühren in der Schweiz ab 2019 von jährlich 451 auf 365 Franken zu senken. Ein klares Signal zu mehr Sparsamkeit.

Schon allein wegen dieser Resultate hat sich die hoch emotionale Diskussion ausgezahlt. Zwar haben die Gegner der Rundfunkgebühr mit 71,6 Prozent eine unerwartet herbe Abfuhr erhalten, aber dafür bleibt bei der SRG kein Stein auf den anderen.

Für ARD und ZDF geht mit der Kehrwende ihrer Kollegen in der Schweiz die Diskussion um die eigene Zukunft erst richtig los. Die Botschaft der Eidgenossen hat zumindest ein Teil der Chefetage in den hiesigen Rundfunkanstalten richtig verstanden.

„Wir müssen in einen Dialog mit dem Publikum, mit der ganzen Gesellschaft treten“, sagt der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm. „Wir müssen aber auch offen für Kritik sein, für berechtigte Anliegen aus der Gesellschaft und auch immer wieder bereit sein, uns selbst zu überprüfen.“

Diese Reaktion des Intendanten des Bayerischen Rundfunks wiegt schwer. Denn genau an der Dialogbereitschaft und der Selbstkritik hat es seit der Umstellung auf die Haushaltsgebühr im Jahr 2013 so sehr gemangelt.

Die Bürger sind als Gebührenzahler die Eigentümer von ARD und ZDF. Sie akzeptieren nicht länger mehr als das medienpolitische Modell des Senders und Empfängers. Sie verlangen mehr Mitspracherechte, schlichtweg mehr Demokratie.

Medienpolitische Diskussionen mit den Ministerpräsidenten der 16 Ländern zu führen, wie seit einem halben Jahrhundert, wird für die Intendanten nicht mehr ausreichen, wenn sie den schwindenden Rückhalt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Gesellschaft stoppen oder gar umkehren möchten.

Die Diskussion nicht den Populisten überlassen

Der richtigen und sinnvollen Erkenntnis Wilhelms, einst Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, müssen nun Taten folgen. Warum gibt es keine Roadshow von Intendanten und Programmverantwortlichen, um für Inhalte, Strategie und Unabhängigkeit zu werben? Warum lassen ARD und ZDF nicht ihren Gebührenzahler über Werbung auf den Sendern abstimmen? Warum gibt es keinen Ombudsmann bei allen Rundfunkanstalten, der sich zum Interessensvertreter von Gebührenzahler in Konfliktfällen macht? Die Liste für mehr Dialog und mehr Demokratie könnte lang werden.

Die Zeit für eine Kehrtwende im Umgang mit den Bürgern drängt. Denn die Diskussion, um einen besseren und billigeren öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland darf nicht den rechtspopulistischen Rattenfängern überlassen werden.

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat es in den vergangenen zwei Jahren geschickt geschafft, viele frustrierte Gebührenzahler gerade in Ostdeutschland hinter sich zu versammeln. Die Liberalen, die dem opulenten System von ARD und ZDF mit seinen fast acht Milliarden Euro an jährlichen Gebühreneinnahmen traditionell kritisch gegenüberstehen, haben sich medienpolitisch von der AfD zweifellos die Butter vom Brot nehmen lassen.

Auch wenn die Rechtspopulisten anderes behaupten: In der Diskussion um die Rundfunkgebühren geht es nicht um ein Entweder-oder. Es geht vielmehr um die Suche nach den inhaltlich und wirtschaftlich besten Lösungen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk im digitalen Zeitalter so modernisiert werden kann, damit er seinen Auftrag nach Information, Bildung, Kultur und anspruchsvoller Unterhaltung mit der dringenden Notwendigkeit eines effektiven, sparsamen Medienunternehmens verbinden kann. Die SRG in der Schweiz könnte dabei schon bald zum Vorbild werden.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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9 Kommentare zu "Der Medien-Kommissar: Klare Botschaft aus der Schweiz für ARD und ZDF"

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  • Und vielen Dank an die ÖR, dass sie uns die tägliche Gewaltkriminalität von Merkels Gästen so vorzüglich verschweigen.
    Lieber erfahren wir doch etwas über "rassistische Beleidigungen" im Land.

  • Wunderbar, wir hier der ahnungslose "Europäer" mal erzählt, woher er so seine "Bildung" und seinen "Wissensstand" herbezieht.
    Da braucht sich dann niemand mehr über seine ungewollt komischen Beiträge zu wundern. Er ist einfach der perfekte Konsument!

  • Den Foristen kann man sich nur anschlißen ...eine bestimmte Bevölkerungsgruppe sind "Ratten".
    Das hat auf jeden Fall Niveau!
    Frage: Was zeichnet diese aus?

  • Der ÖRR in Deutschland hat nach meinem Empfinden gegenüber den Privaten oder gar den Bezahlsendern ein extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis. Für seit vielen Jahren konstante 17,50 € pro Haushalt im Monat, habe ich ca. 100 Radio- und Fernsehprogramme zur Verfügung; und das in hervorragender Übertragungsqualität; und das mit nur sehr wenig Werbeunterbrechung; und das geschmacksabhängig in sehr guter inhaltlicher Qualität.

    Welcher private Sender und welcher Bezahlsender kann da mithalten? Keiner.
    Welcher private Sender und welcher Bezahlsender kann denn bei barrierefreiem Fernsehen und bei der Verbreitung via Internet mithalten? Keiner.
    Welcher private Sender und welcher Bezahlsender kann denn bei dem technischen aber vor allem mit dem journalistischen Aufwand mithalten? Keiner.

    Das Ergebnis sieht ein Blinder mit dem Krückstock, wenn man sich durch die Programme zappt. Wenn im Privatfernsehen zwischen den endlos erscheinenden Werbeblöcken mal Programm kommt, sind das peinliche Shows oder irgendwelche Serien in denen Menschen keinen normalen Satz miteinander sprechen, weil sie sich im Regelfall anschreien, angiften, beleidigen oder bedrohen. Noch schlimmer sind inzwischen die sogenannten "Nachrichtensender" wie N-TV oder N24 (jetzt WeLT), wo der Zuschauer zum Opfer einer Dauerberieselung der neuesten Straftaten irgendwo auf der Erde, gepaart mit einer Endlosschleife aus pseudo-dokumentarischen Filmchen zu den Außerirdischen, den Waffen im WW I und WW II, diversen Verschwörungstheorien und Hitlers Schäferhund wird.

    Gegen diesen Müll sind selbst mäßige Beiträge im ÖRR eine echte Erholung. Filme ohne Werbeunterbrechung, Kultursendungen, Familienserien, Satiresendungen wie die heute-Show (bei der ich selbst dann nicht reflexartig umschalte, wenn Bernd Höcke auftaucht), gut gemachtes Bildungsfernsehen (Quarks + Co, Wissen macht Ah, Leschs Kosmos), Naturreportagen oder die ganzen Reportagen in den Radioprogrammen sind ALLE dem Programm der Privaten überlegen.

  • o.k.. was fällt mir ein, wenn ich an das öffentlich-rechtliche Staatsfernsehen denke: Gigantisches Budget, Versorgungsanstalt, üppigste Gehälter und Altersversorgung, frecher, inquisitorischer, arroganter, respektloser Interviewstil, Tsunami an Talksendungen, immer die gleichen Gesichter (Reporter wie Fernseh-Schauspieler), schlechte Filme (Drehbücher wie schauspielerische Leistungen), billige englische Serien, geringst möglicher Informationsgehalt (etwa in den Heute-Nachrichten um 19.00: viele bunte Bilder, angereichert mit Lieschen-Müller-Meinungen), unterirdisch schlechte Sportmoderatoren (z.B. Norbert König). Und dann die ganzen Selbstbeweihräucherungsevents. Liebe Leute, so geht es einfach nicht. Da dürft ihr euch über schlechte Noten nicht wundern. Aber Kundenorientierung war ja noch nie euer Ding. Die Diskussion ist noch nicht zu Ende.

  • Das schweizerische Fernsehen kenne ich nicht, aber es ist wohl nahezu auszuschließen, dass dort der gleiche Grad an Arroganz und Verlogenheit herrscht, wie bei den ÖR in Deutschland. Sonst wäre wohl auch keine Zustimmung zu diesem System erfolgt.

    Es ist mir kaum noch möglich, den Dreck hier zu ertragen, höchstens um die Verzweiflung der Journalisten zu genießen, etwa nach der Wahl Trumps. Das war einfach herrlich!

    Das Fernsehen ist die "Desinformationsquelle" Nr.1. Und wir alle bezahlen dafür!

  • ARD ZDF Diese Sender sind zu Propaganda-Einrichtung verkommen, wenn das in der Schweiz nicht so ist, bin ich für die Öffentlichen.

  • In Deutschland sind das aber nur Lippenbekenntnisse, weil hier eben die Bürger nicht abstimmen dürfen, und die Politiker einen Deubel tun werden, es sich mit den Medien zu verderben. Besonders peinlich finde ich, wie in den letzten Tagen fast sämtliche deutsche Intendanten öffentlich kommentieren, wie wichtig ihre Sendeanstalten für den Bürger sind. Wer soll denn gerade denen das abnehmen, wo doch ihr eigener Geldbeutel in höchstem Grade davon betroffen ist. Gerade durch so etwas machen sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk und TV unglaubwürdig; die sollten doch besser in eigener Sache den Mund halten.

  • Ich denke eher, dass das Fazit ist, dass man Menschen mit einer 10 wöchigen Kampagne dazu bewegen kann gegen die eigenen Interessen zu stimmen.

    Die etwa 10 Wochen vor der Abstimmung konnte man das Ja zum Staatsfernsehen in jeder Zeitung, vorgetragen von Politikern und Prominenten finden. Von den Laternenpfählen schauten Plakate mit dem Ja zum Staatsfernsehen, an Bahnhöfen verteilten junge Frauen Schokoherzen und Propaganda für das Staatsfernsehen. Es war eine wirklich beeindruckende Kampagne.

    Ein faszinierender Aspekt ist dass die privaten Qualitätsmedien, die Leidtragenden des sich krakenhaft ausgebreiteten Staatsmedienkonzern, die Kampagne voll mitgetragen haben. Dies mag entweder einer linken ideologischen Solidarität geschuldet sein, oder der Hoffnung der Journalisten irgendwann im gutbezahlten Staatskonzern einen Job zu bekommen.

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