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Der Medien-Kommissar Kultur sucht Geldgeber ohne Gegengeschäfte

Die Salzburger Festspiele brauchen nicht nur Sponsoren, die für ihre Produkte trommeln. Milliardär Klaus-Michael Kühne macht den Anfang.
28.08.2018 - 19:37 Uhr Kommentieren
Die Festspiele erleben unter der Führung des Intendanten und Pianisten Markus Hinterhäuser eine spürbare Öffnung. Quelle: dpa
Oper „The Bassarids“ in Salzburg

Die Festspiele erleben unter der Führung des Intendanten und Pianisten Markus Hinterhäuser eine spürbare Öffnung.

(Foto: dpa)

Ein prominenter Stammgast fehlte in diesem Jahr auf den Salzburger Festspielen: Rupert Stadler. Der beurlaubte Audi-Chef sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Der 55-jährige Oberbayer war über viele Jahre ein gern gesehener Gast auf Europas berühmtestem Opern- und Musikfestival.

Für Stadler bot das Festspielhaus eine willkommene Bühne, Geschäftspartner und Mitglieder der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch zu umwerben. Vor allem ist Audi neben dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé, dem Uhrenhersteller Rolex und den Technologiekonzern Siemens einer der großen Sponsoren der Salzburger Festspiele.

Die Sponsoren sind auf dem Kulturfestival mit ihren Produkten wie Autos und Getränken (Nespresso, San Pellegrino) sowie allen möglichen Reklameartikeln omnipräsent. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Audi und Nestlé nun ihre Sponsorenverträge verlängert haben. Die von Skandalen erschütterte Ingolstädter Volkswagen-Tochter hat eine Finanzierungszusage bis 2022 gemacht. Nestlé ist bis mindestens bis zum Jubiläumsjahr 2020 dabei.

Die Schweizer wollen insbesondere große und teure Neuproduktionen in der Oper finanziell unterstützen. Sie sind bereits seit 1991 Geldgeber in der Mozartstadt, Audi kam vier Jahre später dazu. „Die weltweite Innovations- und Strahlkraft eines Festivals wie auch die gelebte Verbindung von Tradition und Innovation, Kontinuität und Kreativität“, schwärmt Paul Bulcke, Chairman von Nestlé. Die Verträge der Hauptsponsoren Rolex und Siemens laufen bis 2021.

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    Tatsächlich erleben die Salzburger Festspiele unter der Führung des Intendanten und Pianisten Markus Hinterhäuser eine spürbare Öffnung. Im Gegensatz zur konservativen Tradition gibt es endlich mehr Mut zur Moderne und zum Experimentellen.

    Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

    Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

    Die Wiederentdeckung der selten gespielten Oper „The Bassarids“ von Hans Werner Henze oder die faszinierende Inszenierung von Peter Tschaikowskis Oper „Pique Dame“ sind dafür Beispiele. Nicht alles fasziniert, wie beispielsweise die Inszenierung von Heinrich von Kleists Theaterstück „Penthesilea“. Doch das gehört zu einem experimentierfreudigen Festival.

    In der Führungsriege herrscht Erleichterung über die Fortsetzung des Geldflusses durch Audi und Nestlé. Schließlich finanzieren sich die Salzburger Festspiele mit einem Budget von knapp 61 Millionen Euro in diesem Jahr unter der Regie der Langzeit-Präsidentin Helga Rabl-Stadler durch Sponsoren, Spenden und Tickets zu 75 Prozent selbst.

    Doch die Salzburger Festspiele brauchen mittel- und langfristig eine neue Generation von Sponsoren. Sie benötigen altruistische Geldgeber, denen es um die Kunst und nicht um das Konzernmarketing geht. Mit dem in der Schweiz lebenden Hamburger Milliardär und Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne wird ab dem kommenden Jahr eine neue Art von Hauptsponsor Einzug halten.

    Dem 81-Jährigen mit seiner einflussreichen Kühne-Stiftung geht es nicht darum, die Werbetrommel für seine lukrativen Logistikdienstleistungen im Festspielhaus und auf den Straßen Salzburg zu rühren. Das hat er bereits bei seinem Engagement für den sängerischen Nachwuchs auf den Festspielen in den vergangenen Jahren gezeigt. Dem bekennenden Salzburg-Fan geht es schlichtweg um die Kunst. Ein Return on Investment erwartet der Stifter nicht.

    Sein philanthropisches Investment in das Gemeinwesen ist quasi der Idealzustand. Denn Innovation und Kreativität kann es gar nicht genug geben.

    In zwei Jahren feiern die Salzburger Festspiele ihr 100-jähriges Bestehen. Gerade in einem politischen Ambiente in Österreich und Europa, wo Populismus den politischen Mut und Ausgrenzung die Toleranz zu ersetzen, nimmt die Bedeutung derartiger internationalen Festivals als Ideengeber und Innovationsmotor zu.

    Gerade Unternehmer und Konzerne haben in einer volatilen und unberechenbaren Zeit eine besondere Verantwortung, kulturelle und gesellschaftliche Spitzenleistungen zu ermöglichen. Kühne hat mit seiner uneigennützigen Millionenspende ein Beispiel gegeben, dass hoffentlich nicht nur in Salzburg viele Nachahmer finden wird. Er ist ein Geldgeber ohne Gegengeschäft. Ein Novum.

    Jede Woche schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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