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Der Medien-Kommissar Mediale Abrüstung überfällig

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland ist mit dem Stinkefinger-Streit am Tiefpunkt angelangt. Die Medien spielen dabei eine unrühmliche Rolle. ARD-Talker Günther Jauch hat es mustergültig vorgeführt.
23.03.2015 - 09:46 Uhr Kommentieren
Pro Sieben Sat 1: Die Telenovela im Vorstand – Medien-Kommissar
Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Danke, Jan Böhmermann! Der ZDF-Satiriker hat mit seiner gefälschten Fälschung des Stinkefingers des griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis auf wunderbare Weise die Medienhysterie entlarvt. Als ARD-Talker Günther Jauch ein entsprechendes Video eines Auftritts Varoufakis im Jahre 2013 in der kroatischen Hauptstadt Zagreb mit der obszönen Geste zeigte, dementierte der in der Sendung zugeschaltete Linkspolitiker sofort. Er bezeichnete das Video als Fälschung. Böhmermann behauptete danach, er habe das Stinkefinger-Video gefälscht, was auch ein Video zu seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ exzellent vorgaukelte. Alles Satire – stellte sein Arbeitgeber ZDF schließlich klar, nachdem die halbe Nation sich die Köpfe heiß geredet hatte.

Die Stinkefinger-Affäre demonstriert mustergültig, wie sehr das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland nicht nur politisch, sondern auch medial zerrüttet ist. In der Auseinandersetzung um die Sanierung des südosteuropäischen EU-Landes zählen längst nicht mehr Worte und Taten, sondern vielmehr Symbole – erfunden oder nicht.

Die Medien spielen dabei auf beiden Seiten eine unrühmliche Rolle. Günther Jauch und seine Fernsehproduktionsfirma I & U Information und Unterhaltung TV Produktion leisten ihren Beitrag, damit das deutsch-griechische Verhältnis auf einen neuen Tiefpunkt sinkt. Denn das ausgestrahlte Video mit Varoufakis als Hauptdarsteller diente vor allem dazu, die medial kreierte Griechenland-Phobie weiter zu befeuern. Politisch ist Varoufakis' Rede schlichtweg irrelevant. Denn er sprach in Zagreb vor rund zwei Jahren nicht als amtierender Finanzminister eines EU-Landes, sondern als Oppositionspolitiker ohne Amt und Würden.

Moderator und TV-Unternehmer Jauch, dem die Gebührenzahler über die ARD seit Jahren Millionenumsätze bescheren, muss sich den Vorwurf der mangelnden Fairness im Fall Griechenlands gefallen lassen. Denn er kann keinen Beweis liefern, dass das im Ersten ausgestrahlte Video vom Balkan tatsächlich auch authentisch und wirklichkeitstreu ist. Jauchs Vorgehen, nach der Sendung von seiner Firma ausgewählte Medienexperten mit der Analyse der Videofrequenz zu beauftragen, ist nicht überzeugend. Seine Experten kamen wie erwartet zu dem Ergebnis, dass die Aussage des griechischen Finanzministers einer Fälschung nicht zutreffe. Indirekt beschuldigen sie das griechische Regierungsmitglied der Lüge. Ein ziemlich einmaliger Vorgang.

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    Jauch hat mit dem Ausstrahlen eines zweifelhaften Videos journalistische Grundsätze verletzt, die gerade öffentlich-rechtliche Sendeanstalten mit ihrem Qualitätsversprechen vorbildhaft beachten sollten. Dass die ARD nicht Konsequenzen zieht, führt vor Augen, wie sehr im Fall Griechenland der faire Journalismus unter die Räder gekommen ist.

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