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Der Medien-Kommissar Netflix macht die Ufa glücklich

Die Bertelsmann-Tochter dreht mit „Betonrausch“ den ersten Spielfilm für Netflix. Es soll der Auftakt zu einer lukrativen Zusammenarbeit werden.
24.06.2019 - 14:44 Uhr Kommentieren
Die Streamingplattform ist für traditionelle Fernsehsender längst große Konkurrenz. Quelle: AFP
Netflix

Die Streamingplattform ist für traditionelle Fernsehsender längst große Konkurrenz.

(Foto: AFP)

Den Stolz auf den ersten Spielfilm für Netflix kann Sebastian Werninger kaum verbergen. „Es ging alles sehr schnell. Netflix und wir sind ziemlich rasch zusammengekommen“, erzählt der Produzent und Geschäftsführer der Ufa Fiction. „Es ist die erste Zusammenarbeit einer Auftragsproduktion. Ursprünglich hatte ich den Stoff für das Kino geplant.“

Der 42-Jährige sieht den von Netflix exklusiv beauftragten Spielfilm „Betonrausch“ als Initialzündung für eine künftige Zusammenarbeit mit dem Videoportal aus dem amerikanischen Los Gatos. „Wir gehen davon, dass wir zukünftig weitere Filme für Netflix produzieren“, sagt der Ufa-Manager.

Die Filmtochter des Medienriesen Bertelsmann habe bereits weitere Filmprojekte in der Pipeline. „Neue Projekte bieten wir in allen Genres an – von der Liebesgeschichte bis zum Umweltthema“, so Werninger.

Die Ufa, Tochter des börsennotierten Fernsehkonzerns RTL Group, hat sich für die rasante Hochstapler-Geschichte mächtig ins Zeug gelegt. Regisseur und Drehbuchautor Cüneyt Kaya hat mit David Kross, Frederick Lau und Janina Uhse in den Hauptrollen den ersten deutschsprachigen Film in Kinoqualität für Netflix gedreht. Filmikone Detlev Buck spielt als Bankdirektor eine Nebenrolle. 

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    In dem Streifen geht es um zwei Immobilienbetrüger, die mit einem illegalen System der Immobilienfinanzierung in Deutschland etliche Millionen Euro scheffeln und am Ende alles wieder in den Sand setzen. Ein vom 39-jährigen Regisseur Cüneyt Kaya rasant erzählter Film mit einem klugen Plot über die Immobilienblase kommt da gerade zur richtigen Zeit. Denn der Betonrausch hat das Land erfasst.

    Der Film „Betonrausch“ wurde an nur 30 Tagen in Berlin und einen Tag in der Toskana gedreht. Derzeit sitzt das Filmteam noch am Schnitt. Am Ende sollen 100 bis 110 Minuten Unterhaltung entstehen. Der Film wird Ende des Jahres bei Netflix zu sehen sein. Teuer war „Betonrausch“ übrigens nicht. In der Branche ist von einem Budget von knapp vier Millionen Euro die Rede.

    Bei Netflix hat Kai Finke, verantwortlich für die Film- und Serienproduktion in Deutschland, Österreich und der Schweiz, „Betonrausch“ in Auftrag gegeben. „Wir hatten größtmögliche Freiheit. Die Zusammenarbeit war kreativ, offen und ungezwungen“, lobt Werninger die Kooperation mit dem deutschen Netflix-Manager in der Amsterdamer Europa-Zentrale.

    Der Streamingdienst ist aus der Sicht der Ufa ein idealer Kunde. „Die Rahmenbedingungen von Netflix waren sehr gut. Dadurch entstand eine überaus angenehme Drehsituation“, berichtet Werninger, der 1996 als Praktikant bei dem Berliner Filmunternehmen begann. Der Film sei jung und frisch erzählt. Das passe gut zu Netflix, ist sich der Ufa-Manager sicher.

    Ein Goldenes Zeitalter für Produzenten

    Ursprünglich sollte „Betonrausch“ ein Kinofilm werden. Doch voraussichtlich wird der Streifen nur zur Premiere ein einziges Mal in einem Filmtheater laufen. Denn Netflix besitzt laut Ufa für 20 Jahre die Exklusivrechte. Dem US-Streamingdienst gehören mittlerweile die Filmrechte für über 8.000 europäische Spielfilme. Damit will der Dienst den Druck auf die klassischen Fernsehsender von RTL über Pro Sieben Sat 1 bis hin zu ARD und ZDF weiter erhöhen.

    Netflix hat einen kaum stillbaren Appetit auf Programme. Denn nur mit exklusiven Inhalten lassen sich zusätzliche Abonnenten gewinnen und ein höherer Abo-Preis durchsetzen. „Netflix hatte den Wunsch, möglichst schnell zu produzieren. Vom ersten Kontakt bis zum Sendetermin wird daher nur ein Jahr vergehen“, berichtet Werninger von seiner Zusammenarbeit.

    Die Ufa ist Teil der internationalen RTL-Produktionstochter Fremantle. In Dänemark produziert die dortige Fremantle-Tochter bereits die Serie „Rain“ für den kalifornischen Streamingdienst. Die Hoffnungen bei den Produzenten im RTL-Reich sind groß. „Netflix wird das Volumen in den nächsten fünf Jahren sehr schnell verdoppeln und verdreifachen“, ist Werninger überzeugt. Unter dem Dach von Fremantle sei man mit Netflix im Gespräch über weitere Serien.

    Ob die Nachfrage nach neuen Qualitätsinhalten befriedigt werden kann, ist übrigens noch nicht ausgemacht. „Der Kampf um die richtigen Projekte und Talente ist groß“, gesteht Werninger ein. „Der Markt kann gar nicht den Appetit stillen“. Die hohe Nachfrage treibe auch die Produktionskosten. 

    „Für Filmschaffende ist es eine spannende Zeit, denn mehr denn je können sie heute mit lokalen Inhalten ein weltweites Publikum erreichen. Selbst außergewöhnliche Ideen und Genre-Stoffe sind interessant für uns“, sagt Netflix-Manager Finke bereits im Frühjahr. Manche in der Branche wie Dirk Schürhoff, geschäftsführender Partner der Beta Cinema, sprechen bereits in ihrer Euphorie vom „Goldenen Zeitalter für Produzenten“.

    Jede Woche schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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