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Der Medien-Kommissar Von wegen Fake News – die Glaubwürdigkeit klassischer Medien ist unangefochten

Der Vertrauensverlust der Medien ist eine Erfindung der Populisten. Die Glaubwürdigkeit deutscher Medien nimmt sogar zu – vor allem die der Tageszeitungen.
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Der Vertrauensverlust in die Medien ist eine Erfindung rechter Populisten. Quelle: dpa
Tageszeitungen

Der Vertrauensverlust in die Medien ist eine Erfindung rechter Populisten.

(Foto: dpa)

Viel, sehr viel Geld lässt sich mit Fake News verdienen. Im gnadenlosen Kampf um die Aufmerksamkeit sind Halbwahrheiten, Vermutungen und Erfindungen zu einem Geschäftsmodell geworden. Denn je mehr Leser auf die Seiten mit absurden „Informationen“ gelockt werden, desto größer sind die Werbeeinnahmen. Lügen wurden zum Rohstoff der digitalen Wertschöpfung.

Doch allmählich wendet sich das Blatt. Bereits zu Jahresbeginn warnte Jimmy Wales, Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia, im Handelsblatt: „Die Leute haben die Überspitzungen und Halbwahrheiten allmählich satt, sie sind ja nicht dumm“, sagte der 52-jährige Internetunternehmer. Seine These bewahrheitet sich bereits in Deutschland.

Von wegen Fake News. Die Glaubwürdigkeit der klassischen Medien ist unangefochten. Unter den privaten Medien hat die Tageszeitung klar die Nase vorn. 71 Prozent der Deutschen halten Printmedien für glaubwürdig. Zum Vergleich: Bei den sozialen Medien wie Facebook oder Twitter sind es peinliche fünf Prozent – der letzte Platz. Das geht aus einer bislang wenig beachteten Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des WDR hervor.

Wissenschaftler fanden heraus, dass die Glaubwürdigkeit der Medien in der Bundesrepublik sogar gestiegen ist. Zwei Drittel aller Deutschen schenken den Informationen der deutschen Medien Glauben. Das sind 13 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.

Ein Ergebnis der Studie ist auch: Je höher der Bildungsgrad, desto größer das Vertrauen in die klassischen Medien. Das heißt: Insbesondere die Eliten setzen auf Informationen und Meinungen der großen Medienmarken. Denn sie brauchen verlässliche und korrekte Informationen.

In den vergangenen Jahren haben Rechtspopulisten, insbesondere in Ostdeutschland, die Atmosphäre mit den Vorwurf der „Lügenpresse“ vergiftet. Rechte Aktivisten kreierten die Mär eines angeblich herben Vertrauensverlustes in die privaten und öffentlich-rechtlichen Medien. Wie sich nun herausgestellt hat, handelt es sich dabei um eine propagandistische Erfindung einer radikalen Minderheit. Die Bürger denken anders.

Im europäischen Vergleich ist das Vertrauen in die Medien in Deutschland sogar überdurchschnittlich. Nur in Ländern wie Dänemark, Finnland, Schweden oder den Niederlanden ist die Glaubwürdigkeit der einheimischen Medienangebote noch größer. Das geht aus der Studie „Trust in Media 2018“ der European Broadcasting Union (EBU), der Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Sender in Genf, hervor.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Der Glaubwürdigkeitsverfall der sozialen Medien, allen voran Facebook, nützt den klassischen Medien. Der mangelnde Datenschutz und die fragwürdigen und zweifelhaften Inhalte in den Online-Netzwerken führen zu einer Renaissance der klassischen Medienmarken, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich. In der digitalen Unübersichtlichkeit sind sie die Leuchttürme, die den Weg durch das Meer von Informationen weisen.

Selbst für die einst von Microsoft-Gründer Bill Gates totgesagte gedruckte Tageszeitung stellt sich die Existenzfrage keineswegs. Eine knappe Mehrheit der Deutschen ist von der Zukunftsfähigkeit der Printprodukte überzeugt. Das geht aus einer repräsentativen Studie von Statista im Auftrag der Hamburger Initiative für die Medien- und Digitalwirtschaft, Next Media, hervor, die kürzlich veröffentlicht wurde.

Die prognostizierte Kannibalisierung der gedruckten Zeitungen durch die digitale Konkurrenz tritt also auch ein Vierteljahrhundert nach dem Durchbruch des Internets nicht ein.

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Bereits 1913 hatte der heute weitgehend vergessene Wolfgang Riepl, Chefredakteur der größten Nürnberger Zeitung, in seiner Erlanger Dissertation das „Rieplsche Gesetz“ formuliert, nach dem kein neues Medium ein altes ersetzt. Riepl hat Recht behalten – gerade im digitalen Zeitalter.

Jede Woche schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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