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Der Medien-Kommissar Warum Milliardäre Medien lieben

Metro-Großaktionär Daniel Křetínský ist bereits Verleger, Karstadt-Eigner René Benko nun auch. Dass die Milliardäre die Nähe zu den Medien suchen, ist kein Zufall.
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Der Karstadt-Eigner ist jetzt auch Verleger – aus gutem Grund. Quelle: dpa
René Benko

Der Karstadt-Eigner ist jetzt auch Verleger – aus gutem Grund.

(Foto: dpa)

Das schönste, modernste Hotel im Herzen Wiens ist René Benkos Wohnzimmer. Der ehemalige Bankpalast seines von ihm geschaffenen Goldenen Quartiers dient der Hotelkette Hyatt als Luxusherberge und dem Multimilliardär als Party-Location.

Wenn der Karstadt-Eigner und Immobilienunternehmer zu seinem traditionellen Törggelen-Fest im grauen November einlädt, kommt jeder, der in der Donaumetropole wichtig ist oder scheint. In diesem Jahr war das Gedränge zum Fest des Tirolers besonders groß. Die halbe österreichische Regierung machte dem schillernden Milliardär ihre Aufwartung – von Kanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Heinz-Christian Strache bis zum Medienminister Gernot Blümel.

Das ist kein Zufall. Denn vor wenigen Tagen ist Benko zu einem einflussreichen Medienunternehmer in seiner Heimat aufgestiegen. Der 41-Jährige hat sich am regierungstreuen Massenblatt „Kronen-Zeitung“ und an der konservativen Tageszeitung „Kurier“ beteiligt.

Über seine in Wien ansässige Signa Holding hat er von der Funke Mediengruppe einen 49-prozentigen Anteil an der WAZ Ausland Holding GmbH gekauft. Der Essener Medienkonzern wiederum hält über diese Holding 50 Prozent der „Kronen-Zeitung“ und 49,5 Prozent am „Kurier“. Künftig hält Benkos Signa 24,22 Prozent am „Kurier“ und 24,5 Prozent an der „Krone“.

Das Interesse an Benkos begehrter Sause war deshalb so groß, weil die Gäste sehen wollten, ob „Krone“-Gesellschafter und Herausgeber Christoph Dichand samt Gattin Eva, Herausgeberin des Gratisblatts „Heute“, erscheinen. Das Verlegerehepaar blieb der Feier erwartungsgemäß fern. Denn die Familie Dichand wurde vom Einstieg Benkos bei der auflagenstärksten Zeitung der Alpenrepublik kalt erwischt. Nur wenige Tage vor Verkündung sollen sie von dem spektakulären Geschäft erfahren haben.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Vertraute der Verlegerfamilien warnen, Benkos Einstieg ins Zeitungsgeschäft sei nur der Anfang. „Er will die Kontrolle“, sagt ein Wiener Medienunternehmer. Tatsächlich gibt sich der aus Innsbruck stammende Unternehmer in der Regel nicht mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden. Längst kursieren Spekulationen, wann die Funke Mediengruppe auch die restlichen Anteile zu gegebenem Zeitpunkt an Benko verkaufen werde.

Als Motiv nennt der Karstadt-Eigner, dass er sein „starkes Know-how in der Digitalisierung traditioneller Geschäftsmodelle“ einbringen wolle. „Die Digitalisierung löst die Grenzen zwischen traditionellen Geschäftsmodellen auf. Handel, Information und Unterhaltung, aber auch das Wohnen und die moderne Welt der Arbeit – diese Bereiche lassen sich schon heute nicht mehr trennen. Wir investieren deshalb strategisch in Geschäftsmodelle, die breite Konsumentenschichten mit außergewöhnlichen Produkten und Leistungen überzeugen“, ließ sich der Multimilliardär zitieren.

Doch viele, die Benko seit Jahren kennen, schmunzeln nur über diese PR. Tatsächlich gehe es ihm um Medienmacht. Die Renditen des Zeitungsgeschäfts seien zweitrangig. Gegen die „Kronen-Zeitung“ zu regieren, hat noch keine österreichische Regierung gewagt. Auch Kanzler Kurz pflegt einen engen Kontakt zu dem Sensationsblatt. Denn schließlich kann die österreichische Regierung über eine Reform des Privatstiftungsrecht, in der Steuerpolitik oder Wohnbauförderungen wichtige Weichen stellen.

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Der „Kurier“, der bislang regierungskritisch war, hat mittlerweile einen regierungsfreundlichen Kurs eingeschlagen. In der Redaktion wachsen die Ängste angesichts des Einstiegs von Benko. „Wie unbefangen können wir noch über Branchen wie Immobilien und Handel künftig schreiben?“, fragt ein Mitarbeiter in Wien rhetorisch und lächelt gequält. Ohnehin ist die Bewegungsfreiheit der „Kurier“-Redaktion im Finanzbereich schon lange eingeschränkt. Denn beim „Kurier“ ist seit Jahrzehnten die österreichische Großbank Raiffeisen investiert, zu der Benko intensive Beziehungen pflegt.

Benko zählt mittlerweile zu den zehn reichsten Menschen in Österreich. Sein Vermögen beläuft sich auf rund 3,81 Milliarden Euro, wie das österreichische Wirtschaftsmagazin „Trend“ herausgefunden hat. Die von Benko gegründete Signa-Gruppe besitzt nach eigenen Angaben ein Immobilienvermögen von über zwölf Milliarden Euro. Die Handelstochter Signa Retail, zu der die Warenhauskette Karstadt zählt, erzielte zuletzt mit ihren 45.000 Mitarbeitern mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz.

Der Einstieg ins Mediengeschäft von Milliardären ist an sich eine Spezialität in Osteuropa. In Ländern wie Ungarn, Tschechien oder Polen werden die Medien von regierungsnahen Unternehmern kontrolliert. Ein Beispiel ist der tschechische Milliardär Daniel Křetínský, der zuletzt beim Düsseldorfer Handelskonzern Metro als Großaktionär eingestiegen war.

Der Jurist und Politikwissenschaftler aus Brünn ist ebenfalls ein machtvoller Verleger. Der Selfmademan ist einer der Eigentümer der populären Boulevardzeitung „Blesk“ („Blitz“). Geschäftspartner ist hier das Schweizer Medienhaus Ringier. Zuletzt hat Křetínský sich bei der angesehenen französischen Tageszeitung „Le Monde“ beteiligt und ist zuvor er bei der französischen Wochenzeitschrift „Marianne“ eingestiegen.

Außerdem gehören ihm mehr als ein Dutzend Radiosender in Tschechien, Slowakei, Polen und Rumänien. Das Vehikel ist die Czech Media Invest, an der Křetínský 50 Prozent und sein Freund Patrik Tkác 40 Prozent hält. Und das Digitale hat es Křetínský ebenfalls angetan. Zusammen mit seinem langjähriger Geschäftspartner Tkác hält er 40 Prozent an der Mall.cz-Gruppe, mit 600 Millionen Euro Umsatz zweitgrößtes Onlinekaufhaus Tschechiens. Weitere 40 Prozent besitzt Petr Kellner, der reichste Tscheche. Mit Kellners 22-jähriger Tochter Anna ist Křetínský seit 2017 liiert.

Sowohl Benko in Österreich als auch Křetínský in Tschechien zeigen, welche Attraktivität gerade Medien für Milliardäre besitzen, für deren Geschäfte politische Schützenhilfe von großem Vorteil sein kann. Der Besitz von Medien öffnet schließlich die Türen zur Macht.

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