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Der Medien-Kommissar Warum Österreichs Rechtspopulisten ORF-Journalist Armin Wolf attackieren

Österreichs Rechtspopulisten versuchen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu demontieren. Jetzt ist der populäre ORF-Moderator Armin Wolf ins Visier geraten.
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Der ORF-Moderator ist vielen Rechtspopulisten in Österreich ein Dorn im Auge. Quelle: dpa
Armin Wolf

Der ORF-Moderator ist vielen Rechtspopulisten in Österreich ein Dorn im Auge.

(Foto: dpa)

Armin Wolf ist einer der Großen des Journalismus in Österreich. Der ORF-Moderator zeigt Haltung, eine selten anzutreffende Tugend. Sein Erfolg ist eine Mischung aus Talent und Arbeit. Seine Spontanität und Kreativität verbunden mit exzellenter Recherche und penibler Vorbereitung machen den Moderator des österreichischen Nachrichtenflaggschiffs ZiB 2 zu einer Fernsehikone.

Seine Fähigkeit hatte der ORF-Anchorman erst vergangene Woche im Fall des Spitzenkandidaten der rechtspopulistischen FPÖ für die Europawahl, Harald Vilimsky, demonstriert. Die frühere Haider-Partei taumelt seit Monaten wegen fremdenfeindlicher Aktionen oder den Verbindungen zu den rechtsextremen Identitären von einem Skandal in den anderen.

Wolf fühlte Vilimsky wegen einer rassistischen Karikatur der FPÖ-Nachwuchsorganisation unter dem Titel „Tradition statt Migration“ derart auf den Zahn, dass der Rechtspopulist ihm bereits vor laufender Kamera drohte. Wolf hielt dem rechten Politiker zum Vergleich die Hetz-Karikaturen des Nazi-Blatts „Stürmer“ vor. Der Drohung des rechten Kandidaten folgten wenige Tage später Taten.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates des ORF, vergleichbar mit dem Rundfunk- beziehungsweise Fernsehrat bei ARD und ZDF, forderte indirekt den Rauswurf von Wolf. Norbert Steger, einst von Jörg Haider als FPÖ-Parteichef entmachtet, legte in der regierungstreuen Gratiszeitung „Österreich“ Armin Wolf nahe, seinen Beruf als Nachrichtenjournalist aufzugeben. Wenn er der „Herr Wolf“ wäre, würde „ich ein Sabbatical nehmen, auf Gebührenzahler-Kosten durch die Welt fahren und mich neu erfinden“, formulierte der rechtspopulistische Chefkontrolleur des ORF zynisch. Am Montag erteilte Wolf der provozierenden Idee eine Absage.

Seit der Übernahme der Regierungsverantwortung in der Koalition mit der konservativen ÖVP versucht die FPÖ konsequent Armin Wolf zu beschädigen und mundtot zu machen. Im März vergangenen Jahres musste sich Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei Wolf öffentlich entschuldigen. Außerdem musste der gelernte Zahntechniker eine Entschädigung von 10.000 Euro zahlen, die Wolf an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes gespendet hat.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medienkommissar“.

Strache, der als junger Rechtsaktivist einst in Deutschland vorübergehend verhaftet wurde, hatte auf Facebook in Anlehnung an den ORF-Werbeslogan geschrieben: „Es gibt einen Ort, wo Lügen und Fake News zu Nachrichten werden. Das sind der ORF und das Facebook-Profil von Armin Wolf.“

Gerade die Popularität im eigenen Land und die Anerkennung auf internationaler Ebene für Wolf sind den Rechtspopulisten seit langem ein Dorn im Auge. In Österreich wurde der promovierte Politikwissenschaftler als „Journalist des Jahres 2018“ ausgezeichnet. Zuvor erhielt er den renommierten Hanns-Joachim-Friedrich-Preis.

Der FPÖ geht es aber um mehr als nur um Armin Wolf. Die Rechtspopulisten, die längst in den sozialen Netzwerken ein paralleles Medienimperium aufgebaut haben, geht es um die Zerstörung des ORF in seiner jetzigen Form. Die Partei will den ORF künftig ausschließlich aus dem Staatshaushalt finanzieren. Damit wäre das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Österreich nach dem osteuropäischen Modell vom Wohlwollen der jeweiligen Regierung abhängig.

Noch im Sommer soll das neue ORF-Gesetz von FPÖ und ÖVP mit einer umfassenden Neuordnung auf den Weg gebracht werden. Dass es zahlreiche Möglichkeiten für mehr Effizienz gibt, wird selbst im eigenen Haus hinter vorgehaltener Hand nicht bestritten. Doch wenn eine bessere Wirtschaftlichkeit nur vorgeschoben wird, um kritischen und unabhängigen Journalismus zu verhindern, wird es brandgefährlich in einem Land, das sich als neutrale Brücke zwischen Ost und West versteht.

Wie so oft, wenn es in Österreich zu Skandalen durch den rechten Koalitionspartner kommt, duckt sich Kanzler Sebastian Kurz gerne weg. Doch diesmal hat der konservative ÖVP-Chef zumindest seinen engen Vertrauten, Medienministier Gernot Blümel, vorgeschickt.

Der Kurz-Freund äußerte sich bereits unmittelbar nach dem ORF-Interview mit dem rechten EU-Spitzenkandidaten Vilimsky eindeutig gegen eine Einmischung der Politik. „Die Politik hat sich nicht in Beschäftigungsverhältnisse von Journalisten einzumischen, völlig unabhängig davon, wie Fragestellungen oder Interviewführungen bewertet werden“, teilte Österreichs Medienminister klipp und klar mit.

Leider ist seine Botschaft beim Regierungspartner auf taube Ohren gestoßen. Anders lässt sich der erneute Angriff auf den unabhängigen Journalismus durch den Chefkontrolleur des ORF, Norbert Steger, nicht erklären. Mit dieser Aktion hat der Rechtspopulist sein Amt als Vorsitzender des ORF-Stiftungsrates verwirkt. Es wäre gut, wenn sich der 75-Jährige nach seinem ungeheuerlichen Fauxpas auf das Altenteil zurückziehen würde. Der Medienfreiheit im ORF würde Steger damit einen großen Dienst erweisen.

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