Der Medien-Kommissar Wie man sich Hassmails mit Humor widersetzt

Hassmails gehören für viele Journalisten zum Alltag. „Spiegel“-Korrespondent Hasnain Kazim macht vor, wie man diesen ehrlich und geistreich begegnet.
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Der Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer gewährt einen Einblick in den Medienalltag eines Korrespondenten „mit Migrationshintergrund“, der sich bewusst zwischen den Stühlen gesetzt hat. Quelle: dpa
Hasnain Kazim

Der Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer gewährt einen Einblick in den Medienalltag eines Korrespondenten „mit Migrationshintergrund“, der sich bewusst zwischen den Stühlen gesetzt hat.

(Foto: dpa)

An Humor fehlt es Hasnain Kazim nicht. Als in Österreich zu Jahresbeginn die rechtspopulistische Regierungspartei FPÖ wegen eines Liederbuches mit Nazi-Texten der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt in Kritik geriet – schließlich war der damalige niederösterreichische FPÖ-Spitzenkandidat Mitglied der deutschennationalen Verbindung – reagierte der in Wien ansässige „Spiegel“-Korrespondent auf seine ganz eigene Weise.

Der 43-Jährige kündigte auf seiner Facebook-Seite an: „Ich gründe heute die Burschenschaft Pakistania zu Wien. Natürlich ist das eine schlagende Burschenschaft. Unsere Waffe ist der Punschkrapfen. Wir bewerfen uns damit aus fünf Meter Entfernung. Ohne Gesichtsschutz! Ziel ist es, dem Gegner das Ding so heftig an die Schläfe zu ballern, dass er eine Narbe davonträgt und sein Leben lang beknackt aussieht.“ Die Reaktionen rechter Burschenschafter ließen nicht lang auf sich warten.

Dieser pointierte Dialog wäre im digitalen Orkus gelandet, hätte Kazim ihn nicht in seinem Buch „Post von Karlheinz – Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“ (270 Seiten, Penguin Verlag, 10 Euro) dokumentiert.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medien-Kommissar“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt wöchentlich seine Kolumne „Der Medien-Kommissar“.

Der Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, der im norddeutschen Hollern-Twielenfleth aufwuchs und seit 2016 von Wien aus berichtet, gewährt einen Einblick in den Medienalltag eines Korrespondenten „mit Migrationshintergrund“, der sich bewusst zwischen den Stühlen gesetzt hat. Als ehemaliger Türkei- und Pakistan-Reporter ist er für Erdogan-Anhänger mit seiner Kritik ein Feind und für Ausländerhasser und AfD-Anhänger ein rotes Tuch.

Kazim ist einer, der nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Degen für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz kämpft. Trotz der ernsten Materie des Buches gibt es an vielen Stellen viel zu schmunzeln.

Die Idee zum Buchtitel löste ein gewisser Karlheinz S. aus, der in der Adventzeit den Autor als „antideutschen“ Denker und Schreiber mit einem Schreiben attackiert und ihm zeigen will, „was ein ECHER DEUTSCHER ist!!!“ Kazim droht, ihn dann mit seiner erfundenen Großfamilie samt drei Ehefrauen, acht Kindern, 17 Cousinen und 17 Cousins persönlich zuhause besuchen zu wollen. Am Ende wird es bei diesem Dialog Karlheinz S. doch zu brenzlig, und er entschuldigt sich bei Kazim.

Die Korrespondenzen mit rechten Wutbürgern und unkalkulierbaren Islamisten gewähren einen Blick hinter die Kulissen der Medienwelt. Die Propaganda der „Lügenpresse“, die selbst vom mächtigsten Mann dieser Erde, US-Präsident Donald Trump, verbreitet wird, hinterlässt tiefe Spuren im Berufsalltag. Es ist nicht der angebliche Glaubwürdigkeitsverlust, der Journalisten zu schaffen macht, sondern Hass, Rassismus, Wut und Ignoranz von den politischen und religiösen Rändern der Gesellschaft.

Kazim ist ein Widerstandskämpfer mit dem Wort, der die Beleidigungen, Anfeindungen und Drohungen auf seine Arbeit nicht unwidersprochen hinnehmen will. Statt sich in eine selbstgefällige Opferrolle oder in eine destruktive Ohnmacht zu manövrieren, reagiert er darauf. Das ist im journalistischen Alltagsgeschäft oft sehr mühsam, aber bitter notwendig.

Mit seinem Buch „Post von Karlheinz“ holt er rechte und xenophobe Hetzer aus der Anonymität. Auch wenn er den vollen Namen, Post- oder IP-Adresse nicht nennt, die Hassbriefe der Wutbürger werden so der Öffentlichkeit zugänglich. Fremdenhass wird aus dem Dunkel des Internets an das Licht der Öffentlichkeit gebracht.

Längst sind nicht nur Medienmacher dem Hass ausgesetzt, sondern auch Politiker, Manager, Künstler und sogar Wissenschaftler. Für alle Betroffene stellt sie die Fragen, wie man auf Attacken reagieren soll. Am Ende seines Buches liefert Kazim zum Glück kein Patentrezept im Umgang mit Hass und Wut.

Der Autor ist bescheiden und ehrlich: „Man muss immer neu nachdenken, sich neu überlegen, ob und wie man antwortet.“ Das Aussitzen der xenophoben Angriffe helfe nicht weiter. Kazim fordert: „Machen wir alle unseren Mund auf, wenn jemand diskriminiert, beleidigt, bedroht wird. Sagen wir etwas.“

Denn die Würde des Menschen ist unantastbar – heißt es nicht nur in der deutschen oder österreichischen Verfassung. Und dieses Grundrecht der Demokratie muss im permanenten Dialog verteidigt werden – mit Haltung, Härte, aber auch Humor.

Jede Woche schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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4 Kommentare zu "Der Medien-Kommissar: Wie man sich Hassmails mit Humor widersetzt"

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  • Hallo Herr Berger

    ...dass die Schweiz einen wesentlich höheren Ausländeranteil als Deutschland hat liegt im wesentlichen daran, dass die Schweiz restriktiver mit der Vergabe der Staatsbürgerschaft umgeht.

    Qualifizierte, oder wohlhabende Einwanderer machen einen erheblichen Teil der Schweizer Einwanderer aus.

    Die Einwanderer sind in der Regel wesentlich besser integriert. Das liegt einerseits an der Bevölkerung die hierzu abgestimmt hat und damit dies persönlich stärker mitträgt, zum anderen auch an den Behörden, Arbeitsämtern, Sozialämtern die diese fordern, Gerichten die diese ähnlich bestrafen wie Einheimische. Zu guter Letzt werden ab und an Ausländer abgeschoben.

    Den Begriff der Umvolkung hat der CDU Abgeordnete Kudla geprägt. Ich nehme an, dass jeder der nicht so destruktiv denkt wie die Kanzlerin ein Na.. ist.

  • Ach. Da schreibt der Herr Narrog wieder von "Umvolkung" (einem nationalsozialistischen Kampfbegriff) aus der Schweiz, einem Land mit einem wesentlich höheren Ausländeranteil als Deutschland ....

    Sie können sich sicher sein, dass die Meinung der Medien genau die Mitte der Gesellschaft abbildet. Von rechts außen sieht das natürlich stark links aus ... ist es aber nicht. Siehe auch die letzten Wahlen.

    Wenn Sie oder die AfD die Antifa als Handlanger von Merkel bezeichnen, müssen Sie sich außerdem nicht wundern, wenn diese sich wehren ... nicht jeder reagiert souverän auf Beleidigungen.

  • Oder man schreibt irgendeine geschwurbelte Sch... so wie Holger Narrog.
    Was macht die Umvolkung vor ihrem PC, schon vorangeschritten? Nicht, dass am Ende noch die Ärger am Arbeitsplatz zunimmt.

  • Ich denke, dass sich die Mitarbeiter der Qualitätsmedien mit solchen Artikeln Mut machen.

    Die Realität sieht anders aus als durch die Qualitätsmedien und deren Akteure dargestellt. Das dürfte vielen Akteuren bewusst sein, die Sachargumentation des Politiksystems ist schwach. Vielfach, wie bei der Umvolkung, macht sich das System nicht mal die Mühe sich irgendeine Begründung auszudenken. Stark ist der finanzielle Anreiz für das System zu arbeiten.

    Wenn dann jemand ungeschickt kritische Bemerkungen zum Politiksystem und dessen Ideologie macht, bekommt dieser dann wenn er grosses Glück hat solchen "Humor" serviert, mit mehr Pech die Ärger am Arbeitsplatz, Justiz, oder die Antifa (Sie prügeln für Merkel, Vera Lengsfeld) auf den Hals gehetzt.

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