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Medienkonzern Axel Springer hofft auf großen Wachstumsschub durch KKR

Das erste Halbjahr verlief für den Medienkonzern ernüchternd. Der Einstieg des US-Investors KKR soll die digitale Transformation beschleunigen.
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„Mit KKR ist es leichter als alleine.“ Quelle: dpa
Springer-Chef Mathias Döpfner

„Mit KKR ist es leichter als alleine.“

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mathias Döpfner konnte seine Verärgerung kaum verbergen. Derzeit werde jede Begebenheit „zwanghaft mit KKR in Verbindung gebracht“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Medienkonzerns Axel Springer. Sei es sein Zeitungskommentar zur DDR, sei es das publizistische Erbe Friede Springers generell.

Und wenn er sich demnächst seine Haare beim Friseur schneiden lassen würde, dann heiße es bestimmt auch, das mache er nur wegen KKR, höhnte der Medienmanager am Mittwoch in der Telefonpressekonferenz zu den Halbjahreszahlen von Axel Springer. Man merkt ihm deutlich an, dass es ihm nicht gefällt, wie kritisch der Deal öffentlich diskutiert wird.

Döpfners Botschaft ist, dass der Einstieg des US-Finanzinvestors KKR einen großen Wachstumsschub in dem Unternehmen, das rund 3,2 Milliarden Euro im Jahr umsetzt, auslösen wird. Denn mit dem Partner könne man die digitalen Geschäfte schneller weiterentwickeln. „Mit KKR ist es leichter als alleine“, sagte Döpfner. Er sei ein Partner, der auch mal eine Durststrecke aushalte.

Döpfner betonte nicht nur die Geduld des US-Investors, er hob auch hervor, dass KKR sich „zu den Werten von Axel Springer“ bekenne. KKR sei es wichtig, dass „Axel Springer eine unabhängige Stimme im gedruckten, aber vor allem im digitalen Journalismus bleibe“, sagte der Springer-Chef, in dessen Haus unter anderem „Bild“ und „Welt“ erscheinen.

Er sagte dies nicht ohne Grund: Bei Axel Springer herrscht seit Wochen Unruhe. Gerüchte, die defizitäre „Welt“ könne dem Renditedruck der Amerikaner nicht standhalten, kursieren.

Enkel entscheiden noch

Zwar stehen noch die formalen Genehmigungen aus, aber schon jetzt ist klar, dass KKR einen Anteil von 27,8 Prozent an Axel Springer erworben hat. Anfang August lief die erste Annahmefrist für die Aktionäre aus, derzeit läuft noch eine erweiterte Frist. Hauptaktionärin Friede Springer und Vorstandsvorsitzender Döpfner haben ihre Anteile, die addiert 45,4 Prozent ergeben, behalten.

Offen ist noch, was die beiden Enkel von Axel Springer, Axel Sven und Ariane Melanie, mit ihren Anteilen vorhaben. Sie halten gemeinsam 9,8 Prozent und würden, wenn sie an einem Strang zögen, der Hauptaktionärin und dem Konzernchef zur absoluten Mehrheit in dem Unternehmen verhelfen. Axel, der Enkel, wolle sich zeitnah entscheiden, sagte Döpfner.

Die Geschäftszahlen der ersten sechs Monate gaben indes ein ernüchterndes Bild. Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Umsatz gab im ersten Halbjahr um 1,9 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro nach, und der Gewinn (Ebitda) sank um 2,7 Prozent auf 344,8 Millionen Euro. Die bereinigte Ebitda-Rendite lag mit 22,5 Prozent nahezu auf dem Vorjahresniveau.

Wichtig für Axel Springer: Digitale Geschäfte tragen zu 74 Prozent zum Umsatz und zu 87 Prozent zum Gewinn bei. An der im Juni gesenkten Jahresprognose hält das Management fest: Demnach soll der Umsatz weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich sinken, beim Ebitda wird ein Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet.

Mittelfristig soll das Unternehmen, dessen Aktien im MDax notieren, von der Börse genommen werden. Wann und wie das sogenannte Delisting erfolge, sei noch offen, hieß es. Möglich sei unter anderem ein Squeeze-out, wenn weniger als fünf Prozent der Anteile frei am Markt verfügbar sind.

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Mit dem Delisting will Döpfner dem seiner Ansicht nach zu starken Druck des Kapitalmarkts entgehen. Die Kurzfristigkeit des Kapitalmarkts stelle für Unternehmen, die sich in Wachstumsphasen befinden, eine zu große Hürde dar, sagte er. KKR bleibe mindestens fünf Jahre investiert. „Das ermöglicht echtes unternehmerisches Handeln.“

Blaupause Pro Sieben?

KKR ist in der deutschen Medienlandschaft gut bekannt. Vor wenigen Jahren brachte der Investor gemeinsam mit Permira, einer anderen Größe im Beteiligungsgeschäft, die Münchener Sendergruppe Pro Sieben Sat  1 auf Vordermann.

Teil der Sanierung war ein Stellenabbau und der Verkauf des Nachrichtensenders N24. Es gibt Spekulationen, dass Pro Sieben Sat 1 die Blaupause für Axel Springer sein könnte. Auch bei Bertelsmann mischte KKR einige Jahre mit und baute die Musiktochter BMG auf – nachdem das alte Musikgeschäft ausgedient hatte.

Noch ist derzeit weniger von Stellenabbau als vielmehr von Investitionen die Rede. Axel Springer will unter anderem das digitale Rubrikgeschäft rund um Jobportale und Immobilienvermittlung stärken. Im Juni hat die Springer-Tochter Stepstone den US-Anbieter Appcast für 70 Millionen Euro gekauft, einen Spezialisten für die zielgerichtete Ausspielung von Stellenanzeigen im Netz.

Investitionen wie diese sind nötig, denn im Mai hat Google den deutschen Markt mit „Google for Jobs“ betreten. Ein anderer Erwerb heißt Meilleurs Agents: Springer will das französische Immobilienportal für 200 Millionen Euro kaufen.

Seit Längerem kursieren Gerüchte, dass der amerikanische Onlinehändler Ebay sein Kleinanzeigengeschäft abstoßen will. Könnte Springer Interesse haben? Döpfner wollte sich dazu nicht äußern, sagte aber vielsagend, dass man künftig „weiter denken könne“.

Mehr: Kommentar – Beim Medienkonzern Axel Springer zeigt sich ein Konflikt: Gesellschaftliche Verpflichtung gegen Rendite. Was der Börse wichtiger ist, ist klar.

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