Medienkonzern Bertelsmann und RTL wachsen dank starkem Digitalgeschäft

Die RTL-Group ist einer der wichtigsten Säulen bei Bertelsmann. Mit einer konsequenten Digitalstrategie will der TV-Sender weiter wachsen – und mit Netflix & Co. konkurrieren.
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Ein starkes Digitalgeschäft beschert dem TV-Sender steigende Umsätze. Quelle: dpa
RTL Group

Ein starkes Digitalgeschäft beschert dem TV-Sender steigende Umsätze.

(Foto: dpa)

GüterslohHöhere Umsätze, stabiles Ergebnis – die RTL Group meldet am Mittwoch positive Zahlen für die ersten neun Monate 2018. Der Umsatz der TV-Tochter des Gütersloher Familienunternehmens Bertelsmann stieg um 2,7 Prozent auf knapp 4,5 Milliarden Euro und erreichte damit ein Rekordniveau. Das operative Ergebnis (Ebitda) blieb bei 892 Millionen Euro stabil. Die Umsatzrendite hat mit einem Wert von 20 Prozent leicht nachgegeben.

Die Strategie von Bert Habets, seit 2017 CEO der RTL Group, scheint aufzugehen. Die Niederländer setzt die „Total Video“-Strategie seiner beiden Vorgänger, Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch, konsequent fort. Die Strategie beinhaltet den Aufbau von Video-on-Demand-Diensten, mit denen der luxemburgische TV-Sender RTL Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime Video Paroli bieten wollen.

„Wir werden das Inhaltsangebot unserer Streaming-Dienste über alle Genres hinweg deutlich erhöhen – dazu gehören Online-First-Formate sowie die Entwicklung originärer Inhalte für diese Plattformen“, sagte Habets am Donnerstag. Er will RTL als „europäischen Pionier“ für die nächste Stufe von „Total Video“ positionieren.

Die Zahl der Anhänger von Video-Streaming-Diensten wächst weiter. Ende vergangenen Jahres gab es nach Berechnungen des Marktforschers Goldmedia rund 17 Millionen kostenpflichtige Video-Abonnements in Deutschland. Marktführer ist Amazon Prime Video, auf Platz zwei liegt Netflix. Zusammen verfügen sie über einen Marktanteil von über 70 Prozent in Deutschland. Ein Markt mit Potenzial, den auch klassische TV-Anbieter wie die RTL Group für sich gewinnen wollen.

Habets, der viele Jahre für RTL in den Niederlanden gearbeitet hat, war dort für den Ausbau des erfolgreichen Streamingdienstes Videoland verantwortlich. Die Zahl der zahlenden Abonnenten stieg dort im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 119 Prozent, die Sehdauer der Nutzer um 245 Prozent.

Der Erfolg fußt unter anderem auf lokale Eigenproduktionen. Diesen Weg will Habets auch in Märkten wie Deutschland beschreiten. Das deutsche Streaming-Angebot „TV Now Plus“ legte bei den zahlenden Kunden um 40 Prozent zu.

Die gemischte Entwicklung der europäischen TV-Märkte zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, meinte Habets. Er will sich auf zwei Wachstumsfelder fokussieren: „dem Auf- und Ausbau unserer non-linearen Plattformen und der Produktion lokaler, exklusiver Inhalte.“ Die Erlöse der RTL Group beruhen zu 46 Prozent auf TV-Werbung, knapp 20 Prozent auf Inhaltproduktion, knapp 15 Prozent auf Digitalgeschäfte, und gut fünf Prozent auf Plattformerlöse.

Die Umsatzrendite gab in den ersten drei Quartalen leicht auf 20 Prozent nach. Die RTL Group bekräftigte den Ausblick auf das Geschäftsjahr 2018: Der Umsatz werde – ohne Wechselkurseffekte – zwischen 2,5 und fünf Prozent wachsen. Als große Treiber sieht Habets das Digitalgeschäft sowie die Produktionsfirma Freemantle.

Die RTL Group ist einer der wichtigsten Säulen des Gütersloher Familienunternehmens Bertelsmann, das ebenfalls am Donnerstag seine Neun-Monats-Zahlen veröffentlichte. Danach stieg der Konzernumsatz um 2,4 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Es ist der höchste Wert seit 2007. Das operative Ergebnis gab wechselkursbedingt leicht auf 1,62 Milliarden Euro nach.

Das Geschäftsjahr 2018 verlaufe für Bertelsmann erfreulich, sagte Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. Zu den Wachstumsplattformen von Bertelsmann zählten unter anderem die Digitalgeschäfte der RTL Group und der Verlagstochter Gruner + Jahr („Stern“, „Brigitte“) die Produktionsfirma Freemantle, die Musiktochter BMG, die Bildungseinheit Bertelsmann Education Group sowie die Unternehmensbereich Arvato gebündelten Logistik- und Finanzdienstleistungsaktivitäten.

Arvato ist neben der RTL Group der zweite große Umsatzbringer des Konzerns. Nachdem Bertelsmann Anfang des Jahres einen möglichen Teilverkauf der Sparte angekündigt hatte, fiel im September die Entscheidung für den Verbleib des Dienstleisters im Konzern. Stattdessen werden Teile des CRM-Geschäfts von Arvato mit der panafrikanischen Saham Group fusioniert. Das neue Unternehmen wird mit 48.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro erzielen. Es wird bei Bertelsmann vollkonsolidiert. Die neue Gesellschaft wird vermutlich im Januar 2019 starten.

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