Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Medienkonzern Pro-Sieben-Sat-1-Chef Conze muss die Aktionäre mit Zukunftsplänen umgarnen

Auf der Hauptversammlung muss Max Conzes die verunsicherten Anteilseigner beruhigen. Der Einstieg des Großaktionärs Mediaset wirft Fragen auf.
Kommentieren
Der Medienkonzern will Netflix und Amazon mit der seiner eigenen Streaming-Plattform Joyn Konkurrenz machen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Hauptquartier von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring

Der Medienkonzern will Netflix und Amazon mit der seiner eigenen Streaming-Plattform Joyn Konkurrenz machen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

München, Wien Die Aussicht ist beeindruckend vom achten Stock des runden Gebäudes an der Donnersberger Brücke: Beim Blick in den Süden strahlen die Alpen. „Leider müssen wir bald umziehen“, bedauert Katja Hofem. „Wir werden zu groß.“

Dass gerade jeden Tag neue Mitarbeiter anfangen, ist aber so gewollt. Denn die Medienmanagerin ist als Co-Geschäftsführerin von Joyn für das wichtigste Zukunftsprojekt von Pro Sieben Sat 1 verantwortlich. Mit der Streaming-App will der Medienkonzern die jungen Zuschauer zurückgewinnen und den expandierenden US-Konzernen Amazon, Google und Netflix etwas entgegensetzen.

Vorstandschef Max Conze und sein Stellvertreter Conrad Albert versprechen Großes. „Wir gehen mit 3,3 Millionen Nutzern bei Joyn ins Rennen. Wir wollen auf zehn Millionen Nutzer innerhalb von zwei Jahren kommen. Das halten wir für realistisch“, sagte Albert, dienstältester Vorstand des Konzerns, dem Handelsblatt.

In der Joyn-Zentrale herrscht Aufbruchstimmung. „Wir bauen hier die Zukunft des deutschen Entertainments“, zeigt sich Hofem überzeugt. Ein wie in Stein gemeißelter Satz, der der so oder so ähnlich wohl auch in Conzes Rede auf der Hauptversammlung am Mittwoch in der Münchener Messe fallen dürfte. Optimismus wird demonstriert.

Konzernchef Conze muss schließlich die Aktionäre mit Zukunftsplänen umgarnen, denn die Gegenwart bietet wenig Grund zur Freude. Seit dem letzten Aktionärstreffen vor einem Jahr ist der Aktienkurs um mehr als 40 Prozent gesunken. Damals war Conze noch nicht im Amt. Er nahm erst am 1. Juni auf dem Chefsessel in Unterföhring Platz. Seine kurze Rede begeisterte damals die Anteilseigner. „Nicht so viel reden, einfach machen“ sei sein Motto.

Resultate sind bescheiden

Der Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson hat seither viel geredet und viel gemacht. Doch die Resultate fallen bislang bescheiden aus. So ist der Umsatz des Medienkonzerns im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr zwar um vier Prozent auf 913 Millionen Euro gestiegen. Der bereinigte Nettogewinn stieg um ein Prozent auf 94 Millionen Euro.

Die Entwicklung ist allerdings zweigeteilt: Auf der einen Seite legten die kleinen Bereiche Onlinehandel und Filmproduktion dynamisch zu; auf der anderen schrumpfte das große Kerngeschäft mit Fernsehwerbung. Das Problem bleibt bestehen: Mit der TV-Reklame verdient die Firma mit Abstand das meiste Geld.

Konzernchef Conze hat im vergangenen Jahr fast das gesamte Topmanagement ausgetauscht. Aus dem Vorstand blieb nur sein Stellvertreter und früherer CEO Albert an Bord – der am liebsten selbst Vorstandschef geworden wäre. Experten wundern sich noch immer, wen Conze stattdessen angeheuert hat. Seinen neuen Finanzvorstand, Rainer Beaujean, warb Conze beim Düsseldorfer Verpackungshersteller Gerresheimer ab.

Eine Hierarchiestufe tiefer setzte Conze eine Vertraute aus seiner Zeit beim Staubsaugerhersteller Dyson ein: Michaela Tod leitet die wichtige TV-Sparte – allerdings gemeinsam mit dem erfahrenen Pro-Sieben-Manager Wolfgang Link. Tod führte zuletzt das Chinageschäft von Dyson.

Konzernvize Albert verteidigt den Personalaustausch: „Auf der zweiten und dritten Ebene des Konzerns gibt es viele Kollegen mit sehr umfangreicher und langer Erfahrung. Der Vorstand gibt die Strategie und die Ziele vor. Doch mit Inhalt wird es gemeinsam mit dem ganzen Managementteam gefüllt“, sagt er.

Die derzeitige Situation gefällt nicht allen Anteilseignern. „Durch den personellen Aderlass fehlt es nun an Kompetenz“, kritisiert Johannes Witt. Der Kleinaktionär hat daher den Antrag gestellt, dem Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern.

Schlechte Zahlen, eine desaströse Kursentwicklung, kräftig steigende Vorstandsgehälter und falsche personelle Weichenstellungen: Witt wirft dem Kontrollgremium nahezu vollständiges Versagen vor. Deshalb hat er auch beantragt, Chefaufseher Werner Brandt nicht mehr zu wählen. Für die Medienbranche sei er „der falsche Mann am falschen Ort“.

Mediaset als zweitgrößter Anteilseigner

Aber auch eine zweite Entwicklung könnte den Münchener Medienkonzern in neue Bahnen lenken: So ist denkbar, dass der neue Großaktionär Mediaset durchaus Ansprüche auf einen Platz im Aufsichtsrat anmeldet. Die Italiener haben Ende Mai 9,6 Prozent der Anteile des im MDax notierten Unternehmens erworben. Die Firma des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ist nun der zweitgrößte Anteilseigner, knapp hinter einem US-Fonds. Für die Hauptversammlung ist Mediaset allerdings nur mit 8,1 Prozent angemeldet.

Gerüchte über einen Einstieg der Italiener gab es schon lange. Der Einstieg von Mediaset bei den Unterföhringern kam im Markt gut an. „Mediaset sollte in der Lage sein, Vorteil aus Pro Siebens niedriger Bewertung zu ziehen, ein skalierbares Vehikel für die europäische Marktbereinigung zu entwickeln“, sagt Analyst Daniel Kerven von JP Morgan.

Er erwartet, dass Mediaset und Pro Sieben Sat 1 in der Lage sein werden, ihre Stellung in der Fernsehproduktion und im TV-Rechtevertrieb auszubauen. Kerven rechnet vor, dass beide Konzerne zusammen über ein Viertel des privaten Bewegtbildmarktes in Deutschland, Österreich, Spanien, Italien und der Schweiz verfügen. Der Medienexperte stufte daher erst kürzlich die Mediaset-Aktie auf „übergewichten“ hoch.

Dem verschärften Wettbewerb will Pier Silvio Berlusconi, Chef von Mediaset und Sohn des früheren Ministerpräsidenten, etwas entgegensetzen. Länderübergreifende Bündnisse seien unverzichtbar, „wenn wir weiterhin vor dem Hintergrund unserer europäischen kulturellen Identität im Wettbewerb mit globalen Schwergewichten punkten oder uns sogar eventuellen Übergriffen widersetzen wollen“. Wie die beiden Unternehmen künftig kooperieren könnten, ließ er aber offen.

Großaktionär

9,6

Prozent

der Anteile an Pro Sieben Sat 1 hält Mediaset seit Kurzem. (Quelle: Unternehmen)

Die Italiener geben sich großspurig. „Der schnelle Globalisierungsprozess, der das internationale Umfeld bestimmt, erfordert, dass europäische Medienunternehmen wie wir die Kräfte vereinen“, sagt der Mediaset-Chef. „Es gibt eine Notwendigkeit zur Zusammenarbeit auf dem europäischen TV-Markt“, bestätigt auch ein internationaler Produzent.

Der Einstieg des italienischen Konzerns sorgt für reichlich Fantasie. Konzernvize Albert fährt hingegen die Erwartungen herunter. „Ich würde die Erwartungen an paneuropäische Inhalteprojekte zwischen uns und Mediaset nicht allzu hoch hängen. Kooperationsbereiche werden vor allem technische Gebiete und Plattformen sein“, sagt er.

Die Zweifel im Markt sind ohnehin groß. „Mediaset ist nicht die führende Kraft für die fiktionale Kraft in Spanien und Italien“, sagt ein langjähriger Geschäftspartner von Mediaset, der bereits mit Silvio Berlusconi Geschäfte gemacht hat. „Die DNA ist der Verkauf der Werbung“, beschreibt er die Stärke von Mediaset.

Auf der Chefetage begreift das Führungspersonal Mediasets Aktienkauf vor allem als Vertrauensbeweis. „Der Einstieg von Mediaset ist eine klare Bestätigung und Würdigung unserer Konzernstrategie. Das freut uns“, meint Albert.

Die Unsicherheit über die weitere Konzernentwicklung ist groß. Die Mehrheit der Analysten wartet ab. Die Hälfte der Marktexperten empfiehlt, die Aktie von Pro Sieben Sat 1 vorerst zu halten. Ein weiteres Drittel rät zum Kauf, und 15 Prozent raten zum Verkauf.

Bei Joyn bereiten die Macher derweil den Start am 18. Juni vor. Auf der Streamingplattform von Pro Sieben Sat 1 und Discovery sollen die Nutzer bald mehr als 50 Kanäle live über das Internet schauen können, außerdem viele Serien auf Abruf. „Wir wollen der lokale Champion werden“, sagt Fernsehmanagerin Hofem.

Ob das im Zeitalter von Netflix, Amazon und Disney+ ausreicht? Auf alle Fälle werden es viele Aktionäre auf der Hauptversammlung gerne hören. Doch die Skepsis wächst. Zu oft wurden die Aktionäre enttäuscht, als dass sie solch starken Worten Glauben schenken würden. Denn Pro Sieben Sat 1 braucht keine neuen Visionen, sondern nachhaltige Umsatzbringer, um wieder zum Börsenliebling zu werden.

Mehr: E-Commerce und Filmproduktion sorgten zu Jahresbeginn für ein Umsatzplus bei Pro Sieben Sat. 1. Das Kerngeschäft der TV-Werbung dagegen schrumpfte.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Medienkonzern - Pro-Sieben-Sat-1-Chef Conze muss die Aktionäre mit Zukunftsplänen umgarnen

0 Kommentare zu "Medienkonzern: Pro-Sieben-Sat-1-Chef Conze muss die Aktionäre mit Zukunftsplänen umgarnen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote