Das neue Hauptquartier

Die Gebäude bieten Arbeitsplätze für 1700 Beschäftigte und vier Fernsehstudios.

(Foto: ProSiebenSat.1/ARGE P7S1 New Campus Kohlbecker Vielmo)

Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 schafft sich eine neue Heimat

Die Senderkette baut eine neue Zentrale. Mit dem Standort Unterföhring hofft der Medienkonzern auf Unterstützung der bayerischen Politik.
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UnterföhringWenn sich die Mitarbeiter von Pro Sieben Sat 1 einmal träfen, dann höchstens auf der Straße, scherzte Vorstandschef Max Conze am Montag. Schließlich seien die 3500 Beschäftigten am Stammsitz in Unterföhring auf nicht weniger als 16 Gebäude verteilt.

Mit dem Wirrwarr soll nun Schluss sein, zumindest für einen Teil der Mitarbeiter. Zu Wochenbeginn starteten die Bauarbeiten für die neue Zentrale des Medienkonzerns. 1700 Angestellte sollen künftig unter einem Dach arbeiten, teilte das Unternehmen mit. Zudem entstünden auf 26.000 Quadratmetern Fläche vier TV-Studios. „Das ist ein Zeichen für unser Vertrauen in die Zukunft“, betonte Conze beim Spatenstich.

Es hat seinen Grund, dass die größte private Senderkette Deutschlands bis heute auf ein richtiges Hauptquartier verzichtet hat und stattdessen in einer Ansammlung in die Jahre gekommener Büroräume residiert. Pro Sieben Sat 1 war einst Teil des Medienimperiums von Leo Kirch, das 2002 krachend unterging.

Die TV-Gruppe konnte sich der Insolvenz zwar entziehen. Die wechselnden Großaktionäre, die in den folgenden Jahren das Sagen hatten, interessierten sich aber mehr für eine hohe Rendite als für ein fortschrittliches Arbeitsumfeld. Inzwischen sind die Aktien der im MDax notierten Firma breit gestreut, der Vorstand hat die Freiheit, langfristiger zu denken.

Die Pläne für das „New Campus“ genannte neue Ensemble entstanden noch unter der Führung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling, der im vergangenen Februar ausschied. Seit Juni sitzt Conze auf dem Chefsessel. Er ist der ehemalige Chef des britischen Staubsaugerherstellers Dyson.

Ministerpräsident Markus Söder (in der Mitte) und Konzernchef Max Conze (Zweiter von links) waren dabei. Quelle: Pro Sieben Sat 1/ Benedikt Müller
Der erste Spatenstich am Montag

Ministerpräsident Markus Söder (in der Mitte) und Konzernchef Max Conze (Zweiter von links) waren dabei.

(Foto: Pro Sieben Sat 1/ Benedikt Müller)

Seine dringlichste Aufgabe: einen Weg finden, gegen die amerikanischen Internetriesen zu bestehen. Da traf es sich gut, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zum Spatenstich anreiste. Es ist Wahlkampf im Freistaat, daher war es nicht überraschend, dass der CSU-Politiker die Gelegenheit nutzte, sich vor den TV-Kameras zu präsentieren.

Sein Besuch war allerdings für den Konzern nicht nur wichtig, um schöne Bilder zu liefern. Vorstand und Ministerpräsident saßen nach dem offiziellen Teil hinter verschlossenen Türen zusammen. Söder versprach, sich für mehr Freiheiten im Wettbewerb mit Google, Netflix und Amazon einzusetzen. „Wir brauchen einen Neustart in der Medienregulierung“, betonte der Franke.

Umsatz ist gefallen

Damit sprach der Ministerpräsident dem Pro-Sieben-Vorstand aus der Seele. Die Fernsehmacher sehen sich benachteiligt gegenüber den Amerikanern. „Wir wollen weniger Fußfesseln“, unterstrich Conrad Albert, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Seine Forderung: „Wir brauchen wieder eine aktive Medienpolitik aus Bayern heraus.“

Günstigere Rahmenbedingungen kämen Pro Sieben Sat 1 sehr gelegen. Der Umsatz ist im ersten Halbjahr um vier Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gefallen. Der Gewinn ging um 16 Prozent auf 153 Millionen Euro zurück. Seit Jahresbeginn haben die Aktien gut ein Fünftel an Wert verloren.

Analysten sehen die TV-Branche pessimistisch. Anbieter wie Pro Sieben Sat 1 und RTL hätten zwar ihre Investitionen in das Programm erhöht, den Zuschauerschwund damit aber nicht stoppen können, warnte Richard Eary von der Schweizer Bank UBS vergangene Woche.

Gegen mächtige Angreifer aus Amerika zu bestehen ist das eine. Doch Pro Sieben Sat 1 muss auch ganz profane Probleme vor Ort lösen. Zum Beispiel, wie die Mitarbeiter zur Arbeit kommen. „Wir ertrinken im Verkehr“, schimpfte Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer.

Pro Sieben Sat 1 ist nicht der einzige große Arbeitgeber in der Gemeinde mit 11.500 Einwohnern. Ein paar Hundert Meter östlich hat der Bezahlsender Sky Deutschland vor einigen Jahren eine neue Zentrale in die Höhe gezogen. ZDF und Bayerischer Rundfunk säumen ebenfalls die Medienallee, dazu kommen der Satellitenbetreiber Astra sowie Vodafone Kabel Deutschland. Der Versicherer Allianz führt von dem Münchener Vorort aus sein Deutschlandgeschäft. „Es muss dringend etwas passieren“, mahnte Kemmelmeyer.

Der zweite Bauabschnitt der neuen Zentrale soll 2023 fertiggestellt werden. Doch so lange werden sich die vielen Tausend Pendler sicher nicht mehr mit überfüllten und verspäteten S-Bahnen und verstopften Zufahrtsstraßen zufriedengeben.

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