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Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 startet die große Podcast-Offensive

Der Medienkonzern startet sein Podcast-Angebot. Es ist ein strategisch wichtiges Vorhaben: Der Sender will sich unabhängiger von der TV-Werbung machen.
16.04.2020 - 16:21 Uhr Kommentieren
Mit seiner Podcast-App will der Konzern neue Erlösquelle erschließen.
Pro Sieben Sat 1

Mit seiner Podcast-App will der Konzern neue Erlösquelle erschließen.

München Am kommenden Donnerstag soll es so weit sein: Dann startet „For Your Ears Only“ (FYEO), die neue Podcast-App von Pro Sieben Sat 1. Damit will der Medienkonzern wesentlich stärker als bisher in dem rasant wachsenden Geschäft mitmischen.

„Der Markt entwickelt sich dynamisch, die Reichweiten nehmen zu, und immer mehr Werbekunden interessieren sich für Podcasts“, sagt Katharina Frömsdorf, Geschäftsführerin der konzerneigenen Kreativagentur Seven One Ad Factory.

Ursprünglich wollten die Münchener die App schon im März veröffentlichen. Doch die Coronakrise kam dazwischen. Weil viele Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten mussten, wollte Stefan Atanassov kein Risiko eingehen. Der Chef der Digitalsparte von Pro Sieben verantwortet die Technik hinter dem neuen Service und fürchtete, bei Startschwierigkeiten nicht schnell genug reagieren zu können.

Dabei ist FYEO strategisch enorm wichtig für den im MDax notierten Konzern. Denn das Unternehmen leidet unter schwindenden Einnahmen aus dem Kerngeschäft, der Fernsehwerbung. Es sucht daher neue Wege, die Konsumenten zu erreichen. Erst Ende März musste Vorstandschef Max Conze gehen, nach nicht einmal zwei Jahren im Amt. Die Investoren konnten sich nie mit dem gewaltigen Investitionsprogramm des Managers anfreunden.

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    Sein wohl wichtigstes Erbe ist Joyn, der Streamingdienst des Medienkonzerns für Filme und Serien. Anfang des Jahres berichtete Conze von sieben Millionen Joyn-Nutzern. Was Joyn fürs Auge ist, das soll FYEO nun für die Ohren werden. Allerdings äußert sich der Konzern nicht dazu, wie viele Kunden er damit erreichen will. Conzes Nachfolger Rainer Beaujean, bisher als Finanzvorstand tätig, stehe jedoch voll dahinter, heißt es.

    Auf zwei Wegen will das Unternehmen mit den Podcasts Geld verdienen. Auf der einen Seite stehen Abonnements. Fünf Euro pro Monat und Kunde verlangt Pro Sieben. Dafür sind Podcasts zu hören, die nirgendwo sonst zugänglich sind. 15 solcher sogenannter „Originals“ sollen zu Beginn verfügbar sein. Darüber hinaus verkauft die Firma Werbezeiten in ihren Audioangeboten. Die App an sich sei hingegen frei von Reklame, und über sie sind auch viele frei verfügbare Podcasts zu finden.

    Das Angebot kommt zur richtigen Zeit. Denn die Deutschen nutzen immer mehr Podcasts. In einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom gaben im vergangenen Jahr gut ein Viertel der Leute an, dass sie sich zumindest hin und wieder die Sendungen im Internet anhören. 2016 waren es lediglich 16 Prozent.

    In den USA schaltet schon jeder Dritte regelmäßig Podcasts an, in Südkorea sogar mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Marktbeobachter schätzen, dass hierzulande zwischen 6000 und 8000 Podcasts regelmäßig produziert werden.
    Allerdings nimmt auch der Wettbewerb zu. Globale Streamingplattformen wie Spotify, Apple und Deezer werben um die Hörer, und auch der große Rivale im TV-Geschäft, RTL, mischt bei Podcasts mit.

    Verbindungen zu Stars als Vorteil

    Zudem haben Start-ups die Audioformate entdeckt, so etwa Podimo aus Dänemark. Genau wie bei FYEO haben die Nutzer auch bei Podimo Zugriff auf die unterschiedlichsten Podcasts. Algorithmen suchen die passenden Angebote. Gleichzeitig durchforsten zehn Mitarbeiter in der Deutschlandzentrale in Berlin das Netz nach attraktiven Sendungen.

    In der Basisversion ist das Angebot kostenfrei. Geld verdient Podimo mit Premium-Mitgliedern, die jeweils fünf Euro pro Monat für exklusive Inhalte zahlen.

    Außerdem hat Marcus Englert, ehemaliger Vorstand von Pro Sieben Sat 1, kürzlich Julep gegründet. Die Firma ist angetreten, um Podcasts zu vermarkten. „Sowohl von der Zeit als auch von der Idee her liegen wir genau richtig“, findet der 54-Jährige. Er will einen Marktplatz schaffen, auf dem Podcast-Anbieter und Werbetreibende zusammenkommen.

    Pro-Sieben-Managerin Frömsdorf sieht die enge Verbindung der Mediengruppe zu Stars als einen der größten Vorteile gegenüber der Konkurrenz: „Die großen Namen stehen in den Podcast-Charts ganz oben. Deshalb ist unser Netzwerk sehr hilfreich.“ Auch ohne eigene Abspiel-App produziert der Konzern heute schon regelmäßig mehr als 40 Podcast-Reihen, die jeweils bis zu eine halbe Million Hörer pro Folge anziehen. Autoren sind etwa Joko Winterscheidt oder Klaas Heufer-Umlauf.

    Den Abonnenten von FYEO bietet Pro Sieben Sat 1 gleich zu Beginn einige hochkarätig besetzte Hörspiele an. Den Thriller „Makel“ zum Beispiel mit Heike Makatsch und Peter Lohmeyer. Die Story dreht sich um eine fiktive Forschungseinrichtung auf einer Nordseeinsel, in der abgeschottet von der Öffentlichkeit an Schönheitschirurgie für den Geist geforscht wird.

    Noch etwas könnte Pro Sieben Sat 1 helfen. Der Konzern kann seine Audioformate einfach auf seinen verschiedenen Sendern bewerben: „Das Fernsehen kann für große Reichweiten unserer Podcasts sorgen“, sagt Digitalchef Atanassov.

    Passend dazu bietet der Konzern natürlich auch zu vielen Sendungen Podcasts an, zuletzt etwa zur Erfolgsshow „The Masked Singer“. Diese Sendungen lassen sich für die Redaktionen mit wenig zusätzlichem Aufwand produzieren.

    Bei Pro Sieben sind sie überzeugt, dass FYEO ein Erfolg wird – trotz der starken Konkurrenz. „Unsere Kombination aus exklusiven Audio-Blockbustern und einer maßgeschneiderten Nutzerführung in der App ist einzigartig“, betont Atanassov. Und fügt selbstbewusst hinzu: „Wir wollen Deutschlands führende Audioplattform werden.“

    Mehr: Die Börse setzt große Hoffnungen auf den neuen CEO von Pro Sieben Sat 1. Aber nicht nur die Anleger sind erleichtert über den Abgang von Max Conze.

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