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Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 steckt halbe Milliarde Dollar in Partnervermittlung

Das Stammgeschäft des Konzerns mit TV-Werbung schrumpft weiter. Pro Sieben drängt daher in neue Bereiche. Doch die Anleger sehen das sehr skeptisch.
05.03.2020 - 11:33 Uhr Kommentieren
Pro Sieben Sat 1 will US-App-Entwickler Meet Group übernehmen Quelle: dpa
Pro Sieben Sat 1

Der Konzern will weniger abhängig von TV-Werbeerlösen werden.

(Foto: dpa)

München Max Conze greift an. Fast zwei Jahre nach seinem Amtsantritt wagt der Chef von Pro Sieben Sat 1 nun eine der größten Übernahmen der Konzerngeschichte. Für rund eine halbe Milliarde Dollar will der Manager den börsennotierten US-App-Entwickler Meet Group übernehmen. Das teilte das Unternehmen an diesem Donnerstag mit.

Damit versucht der 50-Jährige, sein Geschäft mit der Online-Partnervermittlung auszubauen. Mit an Bord bei der Akquisition ist der amerikanische Finanzinvestor General Atlantic, mit dem die Münchner bereits in ihrer E-Commerce-Division NuCom zusammen arbeiten.

Der Kauf bringe den im MDax notierten Konzern dem Ziel näher, „einen führenden globalen Player im Online-Dating-Markt zu schaffen“, erklärte Conze. Zu Pro Sieben Sat 1 gehören bereits die Partnervermittlungen Parship und Elite-Partner in Deutschland, sowie Eharmony in den USA.

Es hat seinen Grund, dass sich Conze neue Geschäftsfelder sucht. Das angestammte Geschäft mit der TV-Werbung schrumpft. So sind die Erlöse der Fernsehsparte des Konzerns vergangenes Jahr um vier Prozent zurück gegangen. Es ist die mit Abstand größte Sparte, die auch den größten Gewinnbeitrag erbringt.

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    Die Bereiche Commerce und Produktion sind 2019 zwar kräftig gewachsen. Alles in allem kam das Unternehmen aber lediglich auf einen Umsatz von rund 4,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von drei Prozent – etwas weniger als die fünf Prozent Wachstum, die Conze noch im Herbst in Aussicht gestellt hatte.

    Aktien haben rund Drittel an Wert verloren

    Mehr noch: Um die Zuschauer vor die Fernseher zu locken, muss Conze viel Geld in die Hand nehmen. „Wir haben 2019 mehr als eine Milliarde Euro in unser Programm investiert“, erläuterte der Manager. So gibt der Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson immer mehr für lokale Produktionen aus – und für die neue Streaming-Plattform Joyn.

    Der bereinigte operative Gewinn ist im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 872 Millionen Euro gefallen. Die Investoren zeigten sich von den Zahlen und der Akquisition am Donnerstag allerdings nicht überzeugt, im Gegenteil: Mit einem Minus von bis zu zehn Prozent auf rund 9,70 Euro waren die Papiere der mit Abstand größte Verlierer im MDax.

    Die Anleger sehen Pro Sieben Sat 1 allerdings schon länger skeptisch. Während Conzes Amtszeit haben die Aktien rund zwei Drittel an Wert verloren. Allein seit Jahresbeginn ging es um rund 20 Prozent bergab.

    Die Werbeerlöse seien zwar besser, das operative Ergebnis (Ebitda) jedoch hinter den Erwartungen zurückgeblieben, urteilte UBS-Analyst Richard Eary am Donnerstag. Die Übernahme des Datingportals The Meet Group werfe außerdem Fragen auf – trotz der Synergiepotenziale mit Parship. Anders die Einschätzung von Daniel Kerven von JP Morgan. Der Kauf des Onlinedatingunternehmens The Meet Group passe gut zum schnell wachsenden und innovativen Medienkonzern, meint der Banker.

    Fakt ist: Conze nimmt nun erneut Millionen in die Hand, um noch weniger abhängig von den TV-Werbeerlösen zu werden. Derzeit erwirtschaftet das Unternehmen 52 Prozent vom Umsatz in den zwei neuen, aufstrebenden Geschäftsfeldern Commerce und Filmproduktion. Sie stehen aber nur für rund 16 Prozent vom angepassten operativen Gewinn. „Es ist wichtig, dass wir noch digitaler und diversifizierter werden“, betonte Conze am Donnerstag.

    Finanzchef verspricht Umsatzplus

    Für die Übernahme der Meet Group investieren die Münchner 232 Millionen Dollar, von General Atlantic kommen 306 Millionen. Die Meet Group erwirtschaftete zuletzt rund 200 Millionen Dollar Umsatz im Jahr. An der neuen Partnervermittlungs-Einheit, zu der auch Parship und eHarmony gehören werden, wird Pro Sieben Sat 1 gut die Hälfte der Anteile halten.

    Die Meet Group entwickelt Apps, die Live-Übertragungen und -Chats im Internet ermöglichen. Damit werde Pro Sieben Sat künftig das gesamte Spektrum des Online-Datings abdecken, heißt es in der Mitteilung. Denn die Gruppe ergänze das Portfolio mit den Social Dating- und Social Entertainment-Apps MeetMe, Tagged und Lovoo. Die Partner hätten das Geschäft in einer eigenen Einheit gebündelt, um es womöglich in zwei, drei Jahren in den USA an die Börse zu bringen, erläuterte Conze im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auf eigenen Beinen sei die Division für Investoren und Analysten zudem leichter zu bewerten.

    Dieses Jahr wird Pro Sieben Sat 1 keine großen Sprünge machen. Für 2020 verspricht Finanzchef Rainer Beaujean ein leichtes Umsatzplus und einen stagnierenden operativen Gewinn. Beaujean: „In diesem Ausblick sind jedoch die positiven Effekte der Transaktion mit The Meet Group, aber auch die möglichen Auswirkungen, die eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus auf Investitionsentscheidungen von Werbekunden haben könnte, nicht berücksichtigt.“

    Analysten zeigten sich davon enttäuscht. Der Ausblick sei schwach, urteilte Julien Roche von der britischen Investmentbank Barclays.

    Mehr: Michaela Tod, Co-Chefin des Kerngeschäfts, kündigt nach weniger als einem Jahr schon wieder ihren Abschied an.

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