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Medienkonzern Pro Sieben Sat. 1 wächst nur abseits des Fernsehgeschäfts

E-Commerce und die Filmproduktion sorgen zu Jahresbeginn für ein Umsatzplus beim MDax-Unternehmen. Das Kerngeschäft mit TV-Werbung dagegen schrumpft.
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ProSiebenSat1 wächst nur abseits des Fernsehgeschäfts Quelle: AP
Firmenlogo von ProSiebenSat.1

Im Juni soll die neue Streaming-Plattform Joyn starten.

(Foto: AP)

MünchenEs geht aufwärts bei Pro Sieben Sat.1. Im ersten Quartal ist der Umsatz des Medienkonzerns im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 913 Millionen Euro geklettert. Der bereinigte Konzernüberschuss stieg leicht um ein Prozent auf 94 Millionen Euro. Das teilte das im MDax notierte Unternehmen am Donnerstagmorgen mit.

Die Entwicklung ist allerdings zweigeteilt: Auf der einen Seite legten die kleinen Bereiche Online-Handel und Filmproduktion dynamisch zu; auf der anderen schrumpfte das große Kerngeschäft mit Fernsehwerbung.

So ist der Umsatz der sogenannten Commerce-Sparte um ein Viertel auf 199 Millionen Euro in die Höhe geschossen. In der Division hat Pro Sieben Sat.1 Beteiligungen wie Parship, Jochen Schweizer und Verivox gebündelt. Die Erlöse der Film- und TV-Produktion erhöhten sich sogar um mehr als ein Drittel auf 135 Millionen Euro.

Demgegenüber gingen die Einnahmen der TV-Sparte, des mit Abstand bedeutendsten Bereichs, um sieben Prozent auf 579 Millionen Euro zurück. Vorstandschef Max Conze begründete dies unter anderem damit, dass die Erlöse aus Fernsehwerbung in Deutschland insgesamt um vier Prozent gefallen seien. Auch das späte Osterfest im April habe das Geschäft gebremst.

Gleichzeitig entwickle sich das Programm vielversprechend, so Conze: „Wir hatten den besten Marktanteil seit 2016“, unterstrich der Manager am Morgen in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Conze bekräftigte dabei seine Prognose für das laufende Jahr. Demnach werde der Umsatz um rund fünf Prozent klettern. Dies allerdings nur dann, wenn die Einnahmen aus TV-Reklame im Jahresverlauf nicht unerwartet einbrechen.

Konzernherr Conze sieht 2019 als Jahr der Investitionen. So nimmt der Manager zusätzlich 120 Millionen Euro für deutschsprachige TV-Produktionen in die Hand. Bis zu 50 Millionen Euro möchte Conze zudem für die neue Online-Videothek „Joyn“ ausgeben, die im Juni an den Start geht.

Das belastet das Ergebnis: Die bereinigte Ebitda-Marge soll 2019 zwischen 20 und 25 Prozent erreichen. Dieser Wert bezieht sich auf das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Vergangenes Jahr lag diese Kennziffer bei gut 25 Prozent.

Conzes großes Ziel: Er will den Umsatz in den nächsten fünf Jahren auf sechs Milliarden Euro steigern und den bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um die Hälfte auf 1,5 Milliarden erhöhen.

Um das zu erreichen, will Conze vermehrt Eigenproduktionen in Auftrag geben. So versucht er, mehr Zuschauer nicht nur im TV, sondern auch auf Smartphones oder Computern anzulocken und die Werbeeinnahmen über alle Verbreitungswege zu steigern.

Gleichzeitig will er die Reklame zielgerichteter ausstrahlen. Um all das zu finanzieren, kürzte Conze die Ausschüttungsquote von 80 bis 90 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses auf 50 Prozent. Für 2019 erhalten die Anteilseigner damit 1,19 Euro, gut ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Die Börse sieht die Neuausrichtung bisher skeptisch. Binnen Jahresfrist ist der Aktienkurs um mehr als die Hälfte gefallen. Analysten hatten im Vorfeld geringe Erwartungen an die Quartalszahlen. Er rechne mit sehr schwachen Ergebnissen, urteilte UBS-Experte Richard Eary. Auch die Signale für das zweite Quartal dürften die Sorgen der Anleger um den deutschen TV-Markt und die starke Abhängigkeit von US-Inhalten nicht schmälern. Im frühen Handel am Donnerstag kletterte der Kurs indes um mehr als drei Prozent auf knapp 15 Euro.

„Wir machen Fortschritte bei der Umsetzung unserer Strategie“, sagte Conze. Es gebe aber noch einiges zu tun: „Daher investieren wir in die Zukunft unseres Geschäfts und konzentrieren uns auf unsere Prioritäten: Unsere einzigartige Streaming-Plattform ‚Joyn‘ spielt hier eine entscheidende Rolle.“

Und auch im Kerngeschäft gebe es gute Nachrichten, es laufe wieder besser mit der TV-Werbung. Über die ersten vier Monaten hinweg seien die Umsätze mit den Fernsehspots lediglich zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen.

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