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Medienkonzerne Auf der Suche nach einem neuen Goldesel

Weil ihr klassisches Geschäft kaum noch entwicklungschancen bietet, werden die großen Medienkonzerne zunehmend auch auf anderen Gebieten aktiv. Springer versuchte sich im Briefgeschäft, Bauer will Großbritannien erobern - und Bertelsmann hat den privaten Staat als Wachstumschance entdeckt.
Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski will staatliche Aufgaben übernehmen - und damit Gewinne machen. Foto: dpa Quelle: dpa

Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski will staatliche Aufgaben übernehmen - und damit Gewinne machen. Foto: dpa

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Das Geschäft der Medienkonzerne ist schwierig geworden. Denn Print, Musik, Fernsehen oder Radio sind weitgehend entwickelte Branchen, die nur noch wenige oder gar keine Wachstumschancen mehr eröffnen. "Es ist eine alte Unternehmerweisheit, dass man ein Lamm nur in den seltensten Fällen zu einem Löwen machen kann", sagt der neue Bertelsmann -Chef Hartmut Ostrowski. Auch Finanzinvestoren sind skeptisch. "In der klassischen Medienbranche gibt es hierzulande derzeit keine großen Möglichkeiten, lukrative Investments zu machen", sagt ein Private-Equity-Manager, der die Branche seit vielen Jahren kennt, aber lieber ungenannt sein möchte. Die Medienkonzerne wie Bertelsmann, Axel Springer oder der Bauer-Verlag suchen fieberhaft nach neuen Geschäftsfeldern.

So versuchte Axel Springer sein Abhängigkeit vom Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft durch den Einstieg in die Brieflogistik zu verringern. Die Übernahme des privaten Briefdienstes Pin erwies sich aber als krasses Fehlinvestment. Der "Bild"-Konzern musste im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 572 Mill. Euro abschreiben. Das führte zu einem Konzernfehlbetrag von 288 Mill. Euro. "Die Investition in das Brief- und Logistikgeschäft, die Übernahme der Mehrheit an der Pin Group, war aus heutiger Sicht falsch", gab Vorstandschef Mathias Döpfner offenherzig zu. Wegen des von der Bundesregierung beschlossenen Mindestlohns sah Springer keine Chance mehr, den langjährigen Monopolisten Deutsche Post herauszufordern.

Der Hamburger Bauer-Verlag ("Bravo", "Intouch") reagierte auf seine Weise. Er stieg in den britischen Zeitschriften- und Radiomarkt ein. Das Familienunternehmen hatte vor vier Monaten überraschend vom britischen Medienkonzern Emap für 1,59 Mrd. Euro mehrere Zeitschriften und Hörfunksender in Großbritannien erworben. Der Zukauf von Bauer war die größte Aquisition eines deutschen Medienunternehmens im vergangenen Jahr.

Auch Bertelsmann sucht unter Hochdruck nach neuen Wachstumsmöglichkeiten. Europas größter Medienkonzern hat den privaten Staat entdeckt. In den USA und in Großbritannien bewältigen immer häufiger private Firmen öffentliche Aufgaben von Städten und Gemeinden. Bertelsmann -Boss Ostrowski hat die Privatisierung staatlicher Aufgaben als einmalige Wachstumschance bereits vor zwei Jahren entdeckt. Unter seiner Führung übernahm der Druck- und Mediendienstleister Arvato im britischen Bezirk East Riding vielfältige kommunale Verwaltungsaufgaben. "East Riding ist ein großer Erfolg, inhaltlich und finanziell", schwärmt heute sein Nachfolger auf dem Arvato -Chefsessel Rolf Buch. Der Vertrag mit der Stadt umfasst ein Volumen von 200 Mill. Euro. Nach Unternehmensangaben steht ein weiterer Vertrag in Großbritannien noch in dem Jahr vor dem Abschluss.

Die 314 000 Einwohner große Kommune in Yorkshire hat Bertelsmann längst fest im Griff. Dort ziehen die Mitarbeiter von Arvato Steuern ein oder zahlen Bürgerhilfen aus. In der Fachsprache wird das Public Private Partnership genannt.

Bertelsmann hat ehrgeizige Zukunftspläne. Denn der Konzern nimmt nach dem erfolgreichen Laborversuch in England nun Europa ins Visier. "Spanien könnte ein interessanter Markt für die Auslagerung von kommunalen Diensten sein. Wir beschäftigen uns bereits damit", sagt Buch. Erst danach will Bertelsmann Frankreich anpacken. Denn dort sind die politische Widerstände derzeit noch groß. In Deutschland ist der Markt bisher kaum entwickelt.

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