Medienmacher „Österreich“ will die Zeitung neu erfinden

Das neue Projekt von Wolfgang Fellner beunruhigt die Konkurrenz noch vor dem ersten Erscheinungstag: Die Tageszeitung, die bislang den Arbeitstitel „Österreich“ trägt, soll am 1. September zum ersten Mal landesweit mit einer Auflage von 250  000 erscheinen.
Die 10 größten Tageszeitungen Österreichs.

Die 10 größten Tageszeitungen Österreichs.

WIEN. Wien ist zuplakatiert – dabei ist die Wahl erst im Oktober. Aber es sind auch nicht Wahlplakate, die die Stadt schmücken, sondern es sind dunkle Schilder, auf denen in weißer Schrift der Satz des US-Bürgerrechtlers Martin Luther King prangt: „Ich habe einen Traum.“ Profaner geht es weiter: „Österreich wird neu“. Daneben ist der Kopf Wolfgang Fellners zu sehen, wie er genießerisch lächelt und die Augen schließt. Fellner ist Herausgeber jener Tageszeitung, die bislang den Arbeitstitel „Österreich“ trägt, am 1. September zum ersten Mal landesweit mit einer Auflage von 250  000 erscheinen soll, und in diesem Jahr die bedachteste Zeitungsneugründung im deutschsprachigen Markt sein dürfte.

Die Kommentare der österreichischen Konkurrenten fallen giftig aus. Genüsslich wurde dort in den vergangenen Tagen das Zerwürfnis zwischen den Fellner-Brüdern und dem deutschen Medienhaus Gruner & Jahr durchgekaut, die nicht mehr ganz so einvernehmlich wie bisher die österreichische Verlags-Gruppe „News“ steuern. Bei deutschen Medien überwiegt dagegen die Neugier: Warum tut sich Fellner, der sich nach einem Leben voller lukrativer Zeitungsgründungen ein Haus in Malibu zugelegt hat, einen Neustart an, fragte sich die FAZ verwundert. Fellner selbst lächelt genießerisch. Ihm gefallen beide Formen der Beachtung. Die , treibe ihn zu dem Projekt, sagt er dem Handelsblatt.

Seine Gelassenheit ist entweder perfekte Schauspielkunst oder sie beruht auf Fakten. „Wir kommen nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen“, sagt Fellner, was als österreichischer Ausdruck dafür zu verstehen ist, dass die zweite Version die richtige ist. Fellner hat ein Konsortium von fünf österreichischen Banken im Rücken, das ihm 50 Mill. Euro bereitgestellt hat. Er hat sie von seinem Konzept überzeugt eine Zeitung auf den Markt zu bringen, die sich an die 25 bis 50jährigen wendet und täglich aus einer Tageszeitung mit internationalen Nachrichten, einer von Region zu Region verschiedenen Lokalzeitung im so genannten zweiten Buch und einem magazinartigen auch mal auf Hochglanzpapier gedruckten Innenteil besteht. Er zieht einen eigenen Vertrieb auf. Er hat dazu eine neue Druckmaschine von MAN entwickeln lassen, die verschiedene Drucktechniken beherrscht. Er hat die Reichweiten der vorhandenen Tageszeitungen analysiert und festgestellt: Dort, wo die Konkurrenz angriffslustig ist, gibt es mehr Leser. Dort wo sie schläft , „wie in Wien - da gibt es eine Reichweitenlücke“. Und die will er nun füllen.

Fellner hat dazu ein Team von 300 Mitarbeitern zusammengetrommelt, unter ihnen Journalisten, denen beispielsweise Unternehmenssprecher bescheinigen, zur besseren Hälfte zu gehören. „Die Tageszeitung“, schärft Fellner ihnen ein, „ist der Mittelpunkt jedes Medienuniversums.“ Sie sei der Dampfer, an dem Zusatzangebote wie Internet andocken. Von Gratisblättern, wie sie derzeit beispielsweise der Schweizer Ringier Verlag gleich mehrfach auf den Markt schmeißt, hält der Österreicher nichts. Er nennt sie ein „unbrauchbares Geschäftsmodell“, weil keine Bindung zwischen der Zeitung und ihren Lesern zustande kommt.

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