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Medienmacher Killt der Mindestlohn Zeitungsausgaben?

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Anne Will schlägt höheren Preis heraus

Für Medienjournalisten sind die Berichte der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) eine höchst aufschlussreiche Lektüre. Denn allen Transparenzversprechen zum Trotz zeigen sich die öffentlich-rechtlichen Sender höchst verschlossen, wenn es um Kosten für Übertragungsrechte oder aber um die Honorare ihrer Stars geht. Dem 19. KEF-Bericht ist beispielsweise zu entnehmen, das der Polit-Talk von Anne Will mit einem Minutenpreis von 2419 Euro für die ARD weitaus günstiger ist als der von Günther Jauch, bei dem die Sendeminute mit 4634 Euro zu Buche schlägt.

Es ist allerdings zu befürchten, dass sich Wills Minutenpreis mit Beginn des nächsten Jahres deutlich verteuern wird. Dann übernimmt die Moderatorin den Sendeplatz von Jauch, der nicht länger für die ARD talken möchte. In Senderkreisen heißt es, Will habe bei den Verhandlungen mit dem für sie zuständigen NDR eine ordentliche Erhöhung der Summe herausgeschlagen, die ihre Will Media GmbH ab 2016 für die Produktion des Talks erhalten wird. Dass sei ihr auch deshalb gelungen, weil der NDR bei den Gesprächen in Zeitdruck gewesen sei. Der Sender habe nach der Absage von Jauch schnell einen neuen Talk für den Sonntagabend präsentieren wollen.

Offiziell wird nur eingeräumt, dass der NDR „für die ARD einen neuen Vertrag mit der Moderatorin abschließen“ wird. Dem sei „nichts hinzuzufügen“, lässt eine Sendersprecherin wissen. Die Frage, ob Wills Produktionshonorar angehoben werde, lässt sie unbeantwortet. Wie gesagt, Transparenz in Kostenfragen ist nicht unbedingt so das Ding der Öffentlich-Rechtlichen.

Immerhin verrät ein ARD-Sprecher auf Anfrage, dass ein weiterer Polit-Talk nicht geplant sei. Nach dem Ausscheiden Jauchs wird es im Ersten also nur noch drei abendliche Plauderrunden geben. Das nährt Hoffnungen, dass auf dem freiwerdenden Sendeplatz, der zur Information gehört, künftig Dokumentationen oder Reportagen gezeigt werden. Allerdings müssen diese nicht zwangsläufig am Mittwoch um 22.15 Uhr laufen, wo Will noch bis Jahresende sendet. In der ARD gibt es offenbar Überlegungen, einen Talk auf den noch plauderfreien Donnerstag zu verlegen, um die Ballung der Gesprächssendungen ein wenig zu entzerren, die bisher von Sonntag bis Mittwoch an jedem Abend zu sehen sind.

***
Beim Jahreszeiten-Verlag, der zur Hamburger Ganske Gruppe gehört, kann man sich offenbar einen hochmögenden Journalisten als Nachfolger für die scheidende Chefredakteurin von „Architektur & Wohnen“, Barbara Friedrich, vorstellen. Sie verlässt auf eigenen Wunsch die Chefredaktion zum 1. September und wird Herausgeberin des Blattes. Wie es in Verlagskreisen heißt, sähe man an der Spitze der Redaktion am liebsten den „FAZ“-Architekturkritiker Niklas Maak. Für das ebenfalls im Jahreszeiten-Verlag erscheinende Reisemagazin „Merian“ hatte er in der Vergangenheit architekturkritische Städteporträts verfasst.

Zudem ist seit dem Tod von „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher die Stimmung im Feuilleton des Blattes denkbar mies. Wichtige Redakteure wie Nils Minkmar und Volker Weidermann, die Schirrmacher nahe standen, haben die Zeitung verlassen. Beide gingen zum „Spiegel“. Auch Maak wurde von Schirrmacher gefördert.

Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der „FAZ“-Kritiker zu „Architektur & Wohnen“ wechselt, eher gering. In der Vergangenheit soll er mehrfach das Angebot abgelehnt haben, nicht nur für „Merian“, sondern auch für das Interiormagazin zu schreiben. Deshalb gilt intern Friedrichs Stellvertreterin Gabriele Thiels als Favoritin für die Nachfolge ihrer bisherigen Chefin.

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3 Kommentare zu "Medienmacher: Killt der Mindestlohn Zeitungsausgaben?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Statistik der Arbeitslosen ändert sich noch nicht gravierend durch den Mindestlohn, weil die Schwächsten - Rentner, Studenten, Minijobber zur Aufstockung - erst ihre Jobs verloren haben und nicht in der Statistik zählen. Natürlich fallen dort die Konsumausgaben weg.

    Zum Thema taz:
    In Hamburg hängt eine Werbung
    "Ihr lügt wie gedruckt - wir drucken, wie ihr lügt."
    Damit ist alles gesagt. Aufgabe sollte sein die linken Lügen zu nennen und zu kritisieren, und nicht nachzubrabbeln...

  • Sollten die Verkaufszahlen der großen Qualitätsmedien stimmen so sieht es Finster aus für die Lügenpresse. Da die "taz" wohl in Berlin einen Zuschuss für ein neues Firmengebäude erhält ( über 3 Millionen vom Land Berlin) hat sich auch dort wohl die Unabhängigkeit erledigt. Nun lernen die Gutmenschen und Schreiberlinge auch mal die Arbeitsagentur kennen. Das kann den Horizont erheblich erweitern.


  • „In Branchenkreisen heißt es, auch andere Zeitungverlage hätten in Ostdeutschland mit der Einführung des Mindestlohns erhebliche Probleme. Und zwar auch deshalb, weil die dortigen Löhne der Zusteller bisher erheblich unter denen ihrer Kollegen im Westen der Republik gelegen hätten.“
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    Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Ich kenne die Medienbranche und weiss, was läuft. Die Zeitungsverleger drücken seit Jahren die Honorare für Freie. Immer mieser wurden die Bedingungen, weshalb ich auch aus der Branche ausgestiegen bin. Nur die festangestellten Redakteure haben noch ein gutes Leben, finanziell wie arbeitstechnisch. Ich habe erlebt, wie damals in 2003 über 250 Leute in unserem Zeitungshaus freigestellt wurden, von einem auf den anderen Tag kam die Kündigung. Das waren alles gutverdienende, motivierte junge Kolleginnen und Kollegen. Einige von jenen, sind heute finanziell auf Sozialhilfeniveau und ihre Lebensbiografien zerstört. Es geht immer noch tiefer, Hauptsache mich persönlich betrifft es nicht. Deshalb ist es gut, dass sich die Arbeitnehmer zunehmend durch Streikmassnahmen wehren. Ich wünsche mir einen Aufstand der Arbeitslosen und Hartzer, die nicht mehr länger hinnehmen wollen, dass man sie aussortiert hat oder ihnen trotz guter Qualifikation, mitz Schul- und Berufsabschlüssen nur noch Niedriglohnbeschäftigungen bei Leiharbeitszuhältern anbietet.
    Oben wird immer noch dick verdient und unten bluten die Menschen aus.

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