Medienmacher Axel Springers Glaubensbekenntnis wird international

Die Führungskräfte bei Axel Springer denken über die freie soziale Marktwirtschaft nach. Johann Lafer kocht für den Jahreszeiten Verlag auf. Und Mathias Döpfner herzt Karin Arnold.
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Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.
Kai-Hinrich Renner

Der Handelsblatt-Medienexperte mit Sitz in Hamburg berichtet in seiner Kolumne über die neuesten Rochaden im Mediengeschäft.

HamburgDie Ankündigung versteckt sich am Ende einer Mail, in der Axel Springers Vorstandschef Mathias Döpfner seine Mitarbeiter am Donnerstag über die Bilanz 2015 informierte. Man habe, schreibt der CEO, die „Prinzipien, die unser Unternehmen seit Jahrzehnten leiten … mit Blick auf unsere immer stärkere Internationalisierung etwas universeller gefasst.“

Was das konkret bedeutet, verrät Döpfner nicht. Dabei ist die Veränderung der noch auf Verlagsgründer Axel Springer zurückgehenden Essentials, die bei einem Führungskräftetreffen am 19. Februar in Paris im Grundsatz beschlossen wurde, die wohl gravierendste in der Geschichte des Medienhauses. Nicht, dass diese Prinzipien bisher unantastbar gewesen wären: Nach der Wiedervereinigung wurde das Postulat obsolet, sich für die Einheit Deutschlands einzusetzen. Und nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nahm man zusätzlich „die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika“ in die Unternehmensgrundsätze auf.

Die nun angekündigte „universellere Fassung“ der Essentials geht aber weit über die Streichung oder die Ergänzung eines Punktes hinaus. Sie macht aus deutschen Prinzipien internationale Grundsätze. So ist das Eintreten für das Existenzrecht des Staates Israel zwar auch Teil der internationalisierten Essentials des Medienhauses. Die bisher in den Grundsätzen verankerte Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden ist in ihnen aber nicht enthalten. Aus dem Eintreten für die „freie soziale Marktwirtschaft“ wird in der internationalen Fassung das Eintreten für die „freie Marktwirtschaft in ihrer sozialen Verantwortung“.

Insbesondere im englischsprachigen Ausland könne man mit dem Begriff „freie soziale Marktwirtschaft“ nichts anfangen, heißt es im Medienhaus. Und da die Forderung nach internationalen Essentials, die auch Springers Mitarbeiter im Ausland etwas sagen, unter dem Eindruck der Anschläge von Paris im vergangenen Herbst zustande kam, spricht sich das Unternehmen in seinen internationalen Prinzipien nicht nur gegen politischen Totalitarismus, sondern auch gegen religiösen Extremismus aus. Der bisher vorliegende Entwurf soll Mitte März in der Mitarbeiterzeitschrift „Inside“ veröffentlicht werden.

Was nach der für Mitte Juni geplanten Verabschiedung der internationalen Unternehmensgrundsätze mit den deutschen Grundsätzen geschieht, ist offen. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Elemente, die aus der bisherigen Fassung gestrichen werden, für die deutschen Mitarbeiter in einer Präambel zusammengefasst, die den internationalen Essentials vorangestellt wird. Oder aber die deutschen Prinzipien behalten parallel zu den neuen internationalen für deutsche Beschäftigte ihre Gültigkeit.

Dass man Essentials wie die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden im Zuge jedenfalls nicht einfach mal so streichen kann, ist Springers Führungskräften bewusst. Sie müssen noch einen weiteren Punkt klären: Die Unternehmensgrundsätze sind Bestandteil der Arbeitsverträge der deutschen Springer-Mitarbeiter. Ob analog dazu die internationalen Essentials Aufnahme in die Arbeitspapiere der Springer-Beschäftigten im Ausland finden werden, ist offen.

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Kocht Johann Lafer bald für den Jahreszeiten Verlag?
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