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Medienmacher Noch ein Beiratsposten für Helmut Markwort

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Von der „BamS“ zu Red Bull

Bereits Ende Oktober hat der Kulturchef der „Bild am Sonntag“ Christian Seidl das Blatt verlassen. Er steht nun in Diensten von Red Bull Media House, dem Medienkonzern von Brause-Unternehmer Dietrich Mateschitz.

Seidl, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, soll am Standort Salzburg das Programm des neuen Buchverlags Benevento entwickeln. Dessen bisher erster und einziger Titel ist ein von Franz Alt herausgegebener, 56 Seiten schmaler Band namens „Der Appell des Dalai Lama an die Welt“, der es immerhin bis auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste schaffte.

Zu Red Bull Media House gehören bereits der auf Österreich fokussierte Sachbuchverlag Ecowin, der Fotobuchverlag Servus und das Buchhaus Pantauro, das „die Lebenswelten von Red Bull“ abbilden soll, wie es in einer Selbstdarstellung heißt.

Seidls Nachfolger bei „Bild am Sonntag“ heißt übrigens Roland Keitsch. Er war bisher Textchef von „Bild“ und tritt seinen Dienst am kommenden Dienstag an.

***

Wem bisher nicht ganz klar war, was Stefan Aust eigentlich als Chefredakteur der „Welt“ so vorschwebt, weiß es seit dieser Woche. Der einstige „Spiegel“-Chef verkleinerte die Redaktion um 50 Mann, baute Ressorts um und gab „Meedia“-Chefredakteur Georg Altrogge, ein ehemaliger Aust-Mitarbeiter aus fernen „Spiegel“-Tagen, ein programmatisches Interview.

So spricht und handelt kein „kommissarischer Chefredakteur“ als der er vor seiner Ernennung noch in einer Pressemitteilung des Medienhauses Axel Springer bezeichnet wurde, in dem die „Welt“ erscheint. Hier ist vielmehr einer gekommen, um zu bleiben und das notorisch defizitäre Blatt aus den roten Zahlen zu führen. Koste es, was es wolle.

Was dem 69-Jährigen bei seiner Arbeit als Vorbild dient, ist ebenfalls klar. Es ist der „Spiegel“. Das wird nicht nur bei der Schaffung des neuen Deutschland-Ressorts deutlich, in dem das Investigativ-Team und das Titelressort aufgehen.

Das namensgleiche „Spiegel“-Ressort war zu Austs Zeit das wichtigste des Hamburger Nachrichtenmagazins. Das mit Claus Christian Malzahn dem Deutschland-Ressort der „Welt“ ein ehemaliger „Spiegel“-Mann vorsteht, dürfte ebenfalls kein Zufall sein.

In einer Mail an seine Redakteure gab Aust ihnen sein journalistisches Credo mit auf den Weg, das „Spiegel“-Kennern seltsam vertraut vorkommt: „Damit die Leser die Welt so sehen wie sie ist, versuchen wir, sie so zu recherchieren und zu beschreiben, wie sie ist“, heißt es dort. Das ist nichts anderes als eine Paraphrase des berühmten Satzes von Rudolf Augstein „Sagen, was ist“.

Interessanterweise hat die Innenpolitik-Chefin des NDR Anja Reschke erst kürzlich den Leitspruch des „Spiegel“-Gründers und Aust-Förderers anlässlich einer Veranstaltung des „Medium Magazins“, auf der sie als Journalistin des Jahres geehrt wurde, in Frage gestellt.

In ihrer Dankesrede sagte sie, dass aufgrund der höchst unterschiedlichen Wahrnehmung von Journalisten und immer größeren Teilen ihrer Leserschaft sich keineswegs von selbst versteht, was überhaupt „ist“. Es den Lesern ex cathedra zu erklären, verbietet sich in Zeiten von selbst, in denen Medien immer mehr an Glaubwürdigkeit verlieren.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie Aust sein von Augsteins Leitspruch abgeleitetes Credo, das aus den 60er-Jahren stammt, im 21. Jahrhundert bei der „Welt“ umsetzen wird.

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