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Medienmacher Eine Lose-Lose-Situation

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Wie die vier VDZ-Dissidenten sich ihre neue Allianz vorstellen

Die Entscheidung von Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“), der „Zeit“, des „Spiegel“ und des Münchener Medweth-Verlags („Madame“, „Jolie“) aus dem Fachverband Publikumszeitschriften (PZ) des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) auszutreten, war die Medienmeldung dieser Woche. Zwar hatte ein Gruner + Jahr-Sprecher gegenüber dieser Kolumne vergangene Woche angekündigt, dass man sich im Streit um die Wahl von Stephan Holthoff-Pförtner zum neuen VDZ-Präsidenten noch auf die eine oder andere Weise verhalten werde. Mit einer solchen Eskalation des Konflikts war aber nicht zu rechnen. Die vier Verlage werfen dem VDZ vor, der Nachfolger von Ex-Präsident Hubert Burda sei von „Hinterzimmerbünden“ ohne ihre Beteiligung ausgekungelt worden.

Der Austritt des Quartetts bringt keiner der an dem Konflikt beteiligten Parteien irgendeinen Vorteil – auch nicht den vier Verlagen. In einer gemeinsamen Stellungnahme präsentieren sie sich als „Allianz“, die für einen „modernen, transparenten, digital-zugewandten und gesellschaftlich relevanten Qualitätsjournalismus“ steht. Sie kündigen an „ausgewählte Diskursplattformen mit Businesspartnern und Politik schaffen“ zu wollen. Das klingt ganz so, als solle hier eine Konkurrenzveranstaltung zum VDZ entstehen. Doch spricht man mit Vertretern der vier Medienhäuser wird ziemlich schnell klar, dass es konkrete Pläne für ein festes Bündnis, gar für einen Verband, nicht gibt. Derzeit läuft es wohl eher auf eine sehr lockere Allianz hinaus.

Wie sollten die VDZ-Dissidenten auch ein Gegenwicht zum etablierten Zeitschriftenverlegerverband auf die Beine stellen? Drei von ihnen sind Mittelständer, von denen wiederum zwei („Zeit“, „Spiegel“) im Wesentlichen von einer einzigen Marke abhängig sind. Zwar ist Gruner + Jahr ein Großverlag, doch kein allzu modernes Medienhaus. Die Vorgänger von Chefin Julia Jäkel haben vor allem die Digitalisierung verschlafen. Dieser Rückstand ist heute nicht mehr aufzuholen. Medienhäuser wie Axel Springer („Bild“, „Welt“) und Hubert Burda Media („Bunte“, „Focus“), die ihr Geld vor allem mit digitalen Aktivitäten verdienen, sind G+J meilenweit enteilt.

Auch mit dem Fall des Zeitschriftenhauses Bauer Media („TV Movie“, „Bravo“), das den VDZ-Fachverband PZ 2010 als bisher erster und einziger Großverlag im Streit um das Pressegrosso verließ, lässt sich der Austritt von Gruner + Jahr nicht vergleichen. Bauer erzielt mittlerweile seine Umsätze zu zwei Dritteln im Ausland und ist auf einen deutschen Verband nicht zwingend angewiesen. Gruner + Jahr dagegen hat in den vergangenen Jahren sein Auslandsengagement sukzessive abgebaut.

Politisch dürfen die vier Verlage nicht mal ansatzweise so viel bewegen wie der VDZ. Lobbyarbeit zählt zu den Kernkompetenzen des Verbandes. Dass es ihm im Schulterschluss mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger gelang, die Bundesregierung dazu zu bewegen, ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage, das außerhalb der beiden Verbände höchst umstritten ist, gesetzlich zu verankern, ist ein Meisterstück in Polit-Lobbyismus. Indem sie den noch amtierenden Digital-Kommissar Günther Oettinger davon überzeugten, das Leistungsschutzrecht auch auf die Agenda der EU zu setzen, übertrafen die Verlegerverbände sich selbst.

Dennoch ist der Austritt des Quartetts auch für den VDZ ein schwerer Schlag. Dass nun bereits der zweite der fünf größten deutschen Zeitschriftenverlage – bei den anderen drei handelt es sich um Burda, Axel Springer und die Funke Mediengruppe – ihm den Rücken zuwendet, schmälert die Bedeutung des Verbandes erheblich. Und dann ist da noch der finanzielle Aspekt: Nach Informationen des Branchendienstes „Meedia“, die vom Verband allerdings nicht bestätigt werden, sollen dem VDZ durch den Austritt der vier Verlage jährlich rund 300.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen fehlen.

Es ist also verständlich, dass der Verband alles in seiner Macht stehende unternimmt, um die sich andeutende „Lose-Lose“-Situation irgendwie abzuwenden. Zwischen dem VDZ und den vier zum Austritt entschlossenen Zeitschriftenhäusern glühen die Telefonleitungen. Doch kann das jetzt noch etwas bringen? Der Illusion, dass ein Austritt der Vier, der erst zum 1. Juli 2018 erfolgen kann, noch zu verhindern ist, gibt man sich auch am Verbandssitz in Berlin nicht hin.

Von geradezu schwerstverletzter Eitelkeit reden die einen: „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser hatte G+J-Chefin Jäkel auf einer PZ-Vorstandssitzung am 21. September vergeblich als Nachfolgerin von VDZ-Präsident Burda vorgeschlagen. Die anderen führen einen angeblich gravierenden Vertrauensbruch ins Feld: Bereits Monate vor Essers Vorstoß soll Burda ohne Wissen der anderen VDZ-Mitglieder den Funke-Mitgesellschafter Holthoff-Pförtner gefragt haben, ob er neuer Verbandspräsident werden wolle. Sowohl Burda als auch Funke bestreiten das.

Die Lage ist verfahren. Allenfalls mittelfristig scheint eine Lösung möglich. Ein Vertreter eines der austrittswilligen Häuser erzählt hinter vorgehaltener Hand, dass ein Wiedereintritt denkbar sei, wenn der VDZ das Verfahren transparenter gestaltet, an dessen Ende die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten steht. Zudem müsse die Regel fallen, nach der nur Eigentümer von Verlagen, nicht aber angestellte Topmanager VDZ-Präsident werden dürfen.

Einstweilen jedoch sammeln die abtrünnigen Verlage ihre Truppen: Nach Angaben von „Zeit“-Geschäftsführer Esser gibt es derzeit Gespräche mit Häusern, die Interesse bekundet hätten, sich an der Allianz der Vier zu beteiligen.

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