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Medientage in München So sieht der neue Pro-Sieben-Chef die Zukunft des Fernsehens

Max Conze sind die Grabenkämpfe zwischen Privatfernsehen und ARD und ZDF fremd. Er sucht die Zusammenarbeit – auch, um die US-Internetkonkurrenz zurückzudrängen.
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Der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1 will mit den öffentlich-rechtlichen Sendern zusammenarbeiten. Quelle: dpa
Max Conze

Der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1 will mit den öffentlich-rechtlichen Sendern zusammenarbeiten.

(Foto: dpa)

MünchenEin kräftiger Sturm ist an diesem Mittwochmorgen über München hinweggezogen. Es war ungemütlich draußen, drinnen in der Messehalle zog es. Vielleicht rückten die Teilnehmer der Medientage deshalb so eng zusammen.

So gaben sich die Top-Manager aus der Industrie zum Auftakt von Europas größtem Medienkongress jedenfalls ausgesprochen kooperationsbereit. Jeder zeigte sich dafür offen, mit jedem zu kooperieren – von den öffentlich-rechtlichen Anstalten bis zu Internetriesen aus dem Silicon Valley.

„Es ist enorm wichtig, uns mehr zusammentun und smart zusammenzuarbeiten“, rief Max Conze den Teilnehmern zu. Die Medientage finden dieses Jahr zum 32. Mal in München statt. Für den erst seit fünf Monaten amtierenden, neuen Vorstandsvorsitzenden von Pro Sieben Sat.1 allerdings war es der erste Besuch. Die jahrelangen Grabenkämpfe zwischen Privatfernsehen auf der einen und den ARD-Sendeanstalten und dem ZDF auf der anderen Seite sind dem Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson fremd.

Und so lud er seine Konkurrenten gleich ein, sich zusammenzusetzen. Einerseits, weil die Medien natürlich eine gesellschaftliche Verantwortung hätten. Andererseits gehe es aber auch darum, mächtigen US-Konzernen wie Google und Facebook ein schlagkräftiges Angebot entgegen zu setzen.

Ob Reklame-Vermarktung oder gemeinsame Internetangebote: Es gehe nur mit vereinten Kräften. Das können europäische Partner sein, oder US-Firmen wie Discovery. Mit dem TV-Konzern baut Conze gerade eine neue Verbreitungsplattform fürs Internet auf.

Den ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm hatte Conze zuvor noch nie getroffen. Doch die zwei mächtigsten deutschen TV-Macher waren sich schnell einig. Denn auch der Intendant des Bayerischen Rundfunks wirbt dafür, in Deutschland und Europa enger zusammen zu bringen, um Firmen wie Facebook, Google oder Twitter etwas entgegen zu setzen. „Wir wollen mit Partnern an neuen Dingen arbeiten“, sagte Wilhelm. Mit dem privaten Bezahlsender Sky hat er bereits die hoch gelobte Produktion Babylon Berlin auf die Beine gestellt.

Genau jene Konzerne, die in den Augen der deutschen Sender die größte Bedrohung sind, suchen aber immer stärker die Nähe zur Medienindustrie. So lockt inzwischen auch Facebook die TV-Gruppen – als Plattform, um die Inhalte zu vertreiben. „Wir arbeiten gemeinsam an Piloten und Prototypen“, unterstrich Max Otte, der Zentraleuropa-Chef der Kalifornier.

Google ist ebenfalls auf Kuschelkurs. „Wir stehen erst am Anfang, fast alle Anbieter bewegen sich nur in ihrer Umgebung“, beklagte Alwin Mahler. Der Manager ist für Partnerschaften im deutschsprachigen Raum zuständig. Kein Wunder, dass er für eine vertiefte Zusammenarbeit plädierte, um „das Beste aus Internet und TV zusammenzubringen“.

Bei aller Bereitschaft, sich mit den Rivalen an einen Tisch zu setzen: So richtig trauen die deutschen Medienkonzerne den Amerikanern nicht. „Vertrauliche Daten würde ich nicht in die Google-Cloud geben“, sagte Burda-Vorstand Stefan Winners. Der Münchener Verlag hat sich sogar daran gemacht, eine eigene Suchmaschine zu entwickeln, um ein Gegengewicht zu Google zu schaffen.

Selbst wenn sich die deutschen Medienkonzerne Facebook und Google annähern. Sie fühlen sich überreguliert und damit im Nachteil gegenüber den Internetriesen. Die Politik scheint fest gewillt, dies zu ändern. „Wir brauchen vergleichbare Regeln, die für alle gelten“, sagte Bayerns Digital- und Medienminister Georg Eisenreich.

Über das Kartell- und Steuerrecht sowie den Datenschutz ließe sich das erreichen. Und zwar nicht irgendwann, sondern schnell. „Bei allem was wir machen, müssen wir Tempo machen“, unterstrich der CSU-Politiker.

Als Neuling in der Branche zeigte sich der frisch ernannte Pro-Sieben-Chef Conze offen, mit allen zu reden. „Man muss sich etwas trauen“, betonte der 48-Jährige. Seine Mitarbeiter haben das schon verinnerlicht. Für den Nachmittag hat der Konzern zu einer Pressekonferenz geladen, auf der eine neue Studie vorgestellt werden soll. Einer der Partner: Google.

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