Microsoft-Chef in München Und wann ersetzt ein Chatbot Sie, Mister Nadella?

Von Redmond nach München: Microsoft-Chef Satya Nadella ist Gast auf der Digitalkonferenz DLD. In seinem Vortrag plädiert er für eine Demokratisierung: Alle Menschen sollten von der Künstlichen Intelligenz profitieren.
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„Wir müssen mit technologischer Arbeitslosigkeit umgehen und die Menschen entsprechend umschulen“, sagt der Microsoft-Chef. Quelle: dpa
Satya Nadella

„Wir müssen mit technologischer Arbeitslosigkeit umgehen und die Menschen entsprechend umschulen“, sagt der Microsoft-Chef.

(Foto: dpa)

MünchenDer US-Professor Scott Galloway lieferte so etwas wie die Einführung für Satya Nadella, CEO des IT-Konzerns Microsoft, der am Montagmorgen der Top-Speaker der Digitalkonferenz DLD (Digital, Life, Design) in München war. Digitalvordenker Galloway, der für seine temperamentvollen Vorträge bekannt ist – dieses Mal mit Gesangseinlage im Wham-Stil –, sagte: Tech-Unternehmen wie Facebook und Google würden keine Verantwortung für die Inhalte ihrer Seiten übernehmen. Sie würden argumentieren, dass sie nur Plattformen wären. Das wäre dasselbe, wenn er, Galloway, seine Studenten lehren würde, was immer er möchte. Er ist ja kein Professor, sondern nur eine Plattform. Lautes Lachen im Publikum.

Nadella, der zurückhaltend im großen Vortragssaal des HVB-Forums am Rand stand, hörte zu. Und sein Vortrag – eingebettet in ein Gespräch mit einem „Economist“-Journalisten – drehte sich tatsächlich auch um Verantwortung in Zeiten von Digitalisierung und von Künstlicher Intelligenz, kurz KI, genannt. Viele Zuhörer waren gekommen, um den Höhepunkt der hochkarätig besetzten Konferenz zu sehen, die der Medienkonzern Hubert Burda Media in diesem Jahr zum 13. Mal veranstaltet hat.

Politische Verantwortung – wie wichtig ist das für Microsoft? „Technologie ist Mainstream! Deshalb sollten die Regeln, die für andere Mainstream-Branchen gelten, auch für Technologie-Unternehmen angewandt werden“, erklärte Nadella. Das gelte umso mehr im Lichte der immer schneller voranschreitenden Verbreitung von IT-Technologie auf der ganzen Erde.

„Was uns heute ängstigt, ist morgen schon allgemeingültig. Das gilt auch für Künstliche Intelligenz“, sagte Nadella. Die Ängste drehen sich oft um drohende Arbeitsplatzverluste, die Künstliche Intelligenz mit sich bringt. Wenn Chatbots, selbstlernende Computerprogramme, künftig Aufgaben in Callcentern, in Finanzabteilungen oder in Bürgerbüros übernehmen, werden immer weniger Mitarbeiter benötigt. „Wir müssen mit technologischer Arbeitslosigkeit umgehen und die Menschen entsprechend umschulen“, forderte Nadella.

Computer, die schlauer sind als die Menschen, sind zwar noch eine Vision, aber eine, die nicht mehr lange auf sich warten lässt. „Viele hier werden das miterleben“, sagte im Nebensaal der KI-Experte Jürgen Schmidhuber vom Dalle-Molle-Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (IDSIA) in der Schweiz. Maschinen werden wesentlich intelligenter sein als wir es sind, davon ist Schmidhuber überzeugt.

Microsoft will als „ethische KI-Firma“ das Wachstum zurück in die Wirtschaft bringen. „Wir denken, dass es der Wirtschaft gut geht, weil wir so viel Technologie haben. Aber in Wirklichkeit gibt es kein Wachstum“, sagte Nadella. Er forderte eine KI, die den Menschen hilft, Vertrauen schafft und für mehr Transparenz sorgt. „Wir müssen die Black Box der Algorithmen öffnen.“

Nachdenkliche Töne für einen Digitalvordenker, der ebenso wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder Google-Chef Sundar Pichai die KI-Entwicklung vorantreibt – und die Gesellschaft damit vor große neue Fragen stellt. Wer trägt die Verantwortung, wenn selbstfahrende Autos Unfälle verursachen, was passiert mit der Gesellschaft, wenn sie weniger Arbeit hat, und sollte man deshalb über ein Grundeinkommen nachdenken?

Hassobjekt, Marktbeherrscher, Nachahmer
Gründertruppe
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Die Belegschaft von Microsoft im Jahr 1978 mit den beiden Microsoft-Gründern Bill Gates (erste Reihe, links) und Paul Allen (erste Reihe, rechts). Gegründet wurde die Firma am 4. April 1975 in Albuquerque, New Mexico. (Foto: Microsoft/dpa)

Gründer Bill Gates (r.) und Paul Allen
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Im Jahr 1981 posieren Bill Gates (rechts) und Paul Allen.

Bill Gates hat sich mittlerweile auf eine Beraterrolle im Unternehmen zurückgezogen und ist als Philanthrop tätig. Paul Allen hat ebenfalls Milliarden mit Microsoft gemacht, spendet einen Teil seines Vermögens. Er investiert aber auch etwa in Sport-Mannschaften. Ihm gehören die Seattle Seahawks (American Football) und die Portland Trail Blazers (Basketball).

MS DOS
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Die Basis für den Firmenerfolg legten Allen und Gates mit dem Betriebssystem MS-DOS, das Computern Leben einhauchte. Die grafiklose Bedienoberfläche war lange ein Weg, um auch das spätere Betriebssystem Windows aus dem Hause Microsoft zu konfigurieren. In Abwandlungen hat die grafiklose Bedienoberfläche bis heute überlebt.

Windows 1.0
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Die Packung der ersten Version des Betriebssystems Microsoft Windows. Das damals als Erweiterung zu MS-DOS veröffentlichte Programm kam erstmals 1985 auf den Markt. In den Folgejahren sollte Windows das Fundament für ein Milliardenimperium werden. Es war allerdings nicht das erste Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche – IBM und Apple hatten bereits vorher die Idee umgesetzt. (Foto: Szilveszter Farkas)

Der junge Bill Gates
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Ein undatiertes Foto zeigt den jungen Bill Gates in seinem Arbeitszimmer. Zum Start von Windows 1.0 gab es weltweit lediglich sechs Millionen Personal Computer. Erst rund fünf Jahre später, im Jahr 1990, gelang dem Software-Entwickler aus Redmond ein durchschlagender Erfolg mit Windows 3.0.

Windows 95
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Bill Gates bei der Präsentation der Version 95 des Betriebssystems im Jahr 1995. Vor allem die dafür entwickelten Büroprogramme wie Word, Excel und Powerpoint helfen Microsoft, den Marktanteil Mitte und Ende der 90er-Jahre auf über 90 Prozent auszubauen.

Apple versus Microsoft
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1998 präsentiert der mittlerweile verstorbene Apple-Chef Steve Jobs „Microsoft Office Macintosh Edition“. Damals hauchte die Microsoft-Software dem darbenden Konkurrenten Apple Leben ein. Doch mittlerweile stellt Apple den Rivalen aus Seattle in vielen Belangen in den Schatten.

Nadella gab sich auf der DLD-Bühne aufgeschlossen. Er will künstliche Intelligenz und das daraus entstehende Wachstum „demokratisieren“. Alle sollen davon profitieren, nicht nur die großen Tech-Unternehmen wie Google, IBM oder Microsoft, die das Thema erforschen und besetzen. Als Beispiel nannte er jene Menschen, die nur wenige Dollars verdienen. Dank der KI-Komponenten in der Rating-Software der Banken könnten auch sie ein Bankkonto eröffnen, was ihnen sonst verwehrt sei.

Bezogen auf sein eigenes Unternehmen sagte er, Microsoft werde sich auf seine Identität einer „Tool Company“ konzentrieren – und nicht auf seine Wettbewerber schauen. Diese Haltung habe Microsoft in schwierigen Zeiten in der Vergangenheit geholfen – und darum werde es auch in der Zukunft gehen.

KI wird die Wirtschaft nachhaltig verändern, davon ist in vielen Vorträgen, vor allem aber auch dem des Microsoft-Chefs die Rede. Dank der Methode, mit maschinellem Lernen und Big Data neue Zusammenhänge zu finden, würde KI in viele Produkte oder Kundenangebote einfließen können. „KI ist überall", meinte Nadella, der Microsoft Cortana als sein wichtigstes Werkzeug lobte, seine ganzen Verpflichtungen im Unternehmen im Auge zu behalten.

Auf die ketzerische Frage, ab wann denn ein Microsoft-CEO durch einen Chatbot ersetzt werden könnte, blieb Nadella allerdings eine Antwort schuldig.

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  • Teil 2/2:

    Wer trägt die Verantwortung, wenn selbstfahrende Autos Unfälle verursachen, was passiert mit der Gesellschaft, wenn sie weniger Arbeit hat, und sollte man deshalb über ein Grundeinkommen nachdenken?“ Und (ganz wichtig):
    „Wir müssen die Black Box der Algorithmen öffnen.“

    Genau. Aber nicht nur das. Denn: Die Parameter bei der Erstellung dieser Algorithmen zu bestimmen, muss Aufgabe aller(!) Mitglieder der Gesellschaft sein. Womit sich dann auch schon die Frage relativiert bzw. selbst beantwortet, ob wir dann wirklich „weniger Arbeit“ (was genau ist das eigentlich, „Arbeit“?) haben werden. Und die nach dem Grundeinkommen (ich befürworte es) gleich mit.


    „Er will künstliche Intelligenz und das daraus entstehende Wachstum „demokratisieren“. Alle sollen davon profitieren, nicht nur die großen Tech-Unternehmen wie Google, IBM oder Microsoft, die das Thema erforschen und besetzen.“

    Nochmal: Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Denn: Wenn Einzelne – seien es Tech-Unternehmen oder Gruppen von Menschen oder Einzelpersonen – sich selbst zum Maßstab machen, ist das nicht nur Verrat an der Demokratie, sondern das wäre dann ihr Ende.

  • Kommentarteil 1/2:
    Wurde Zeit, dass das Wort "Verantwortung" in die Diskussion um KI Einzug hält. Zu Ihrem Artikel hätte ich ein paar Fragen, um herauszufinden ob ich ihn einigermaßen richtig verstanden habe (kenne mich bei IT-Themen nicht gut aus). Falls Sie die Zeit dazu haben sollten, wäre ich Ihnen für eine kurze Mitteilung darüber, ob diese Fragen überhaupt Sinn machen, sehr dankbar.

    „Technologie ist Mainstream! Deshalb sollten die Regeln, die für andere Mainstream-Branchen gelten, auch für Technologie-Unternehmen angewandt werden“, erklärte Nadella. Das gelte umso mehr im Lichte der immer schneller voranschreitenden Verbreitung von IT-Technologie auf der ganzen Erde.“

    Dass Regeln in ALLEN Bereichen gelten ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder? Eigentlich.

    „Wenn Chatbots, selbstlernende Computerprogramme, künftig Aufgaben in Callcentern, in Finanzabteilungen oder in Bürgerbüros übernehmen, werden immer weniger Mitarbeiter benötigt.“

    Es werden dort aber trotzdem auch in Zukunft immer noch Menschen arbeiten (wenn auch viel weniger). Zum einen, weil Menschen als soziale Wesen auch in Zukunft das Bedürfnis haben werden, mit anderen Menschen zu kommunizieren, und zum anderen, weil sich in der „realen“ (analogen) Welt immer mal wieder unvorhersehbare, d.h. nicht im Voraus berechenbare Umstände, Gegenbenheiten, Situationen und Fragen ergeben werden, die dann (wenn auch auf Grundlage der KI) nur durch menschliches Eingreifen zufriedenstellend gelöst werden können.

    „Er (Nadella) forderte eine KI, die den Menschen hilft, Vertrauen schafft und für mehr Transparenz sorgt.“
    „Nachdenkliche Töne für einen Digitalvordenker, der ebenso wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder Google-Chef Sundar Pichai die KI-Entwicklung vorantreibt – und die Gesellschaft damit vor große neue Fragen stellt. ... (Teil 2/2 folgt!)

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