Microsoft Mitbegründer Abrechnung mit Bill Gates

Der Microsoft Mitbegründer Paul Allen hat nun seinen ehemaligen Männerfreund Bill Gates nun ins Visier genommen. In seiner Autobiographie schießt er scharf gegen seinen alten Partner.
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Die Microsoft-Gründer Bill Gates (l.) und Paul Allen. Quelle: ap

Die Microsoft-Gründer Bill Gates (l.) und Paul Allen.

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Seattle/Berlin Als Bill Gates und Paul Allen im Jahr 1975 Microsoft gründeten, waren die beiden noch dicke Freunde. Acht Jahre später stieg Allen aus dem dynamischen wachsenden Software-Unternehmen aus, nachdem bei ihm ein bösartiger Tumor im Lymphsystems entdeckt wurde. Doch nun schreibt Allen in einer Autobiografie, es habe damals nicht nur gesundheitliche Gründe gegeben, Microsoft zu verlassen. Der 58-Jährige Allen wirft seinem alten Kompagnon vor, ihn bei der Vergabe der Firmenanteile immer wieder benachteiligt zu haben. Außerdem besteht Allen darauf, dass viele der zündenden Ideen, die Microsoft groß gemacht haben, eigentlich von ihm stammen.

Paul Allen und der zwei Jahre jüngere Bill Gates lernten sich 1968 als Schüler auf der Lakeside School, einer Privatschule in Seattle, kennen, auf die beiden Computerfreaks Zugriff auf einen der ersten Minicomputer hatten. Die Vision der beiden Freunde, Software für einen Computer für Jedermann zu schreiben, wurde im Dezember 1974 durch eine Titelgeschichte in der Zeitschrift „Popular Electronics“ über den Altair 8080 vorangetrieben.

„Erregt lasen wir von dem ersten echten Personal Computer, und obwohl wir noch keine genaue Vorstellung davon hatten, wozu er zu gebrauchen wäre, war uns doch schon bald klar, dass er uns und die Welt des Computings verändern würde“, schrieb Bill Gates später in seinem ersten Buch „The Road Ahead“ (Der Weg nach vorn). 1975 gründeten Gates und Allen das Unternehmen „Micro-Soft“.

Den ersten Mega-Erfolg landete Microsoft 1980, nachdem sich der Computerriese IBM dazu entschied, das Betriebssystem für den ersten Personal Computer nicht selbst zu entwickeln, sondern bei Microsoft einzukaufen. Gates hatte den Anzugträgern von der Ostküste jedoch ein System angeboten, dass Microsoft noch gar nicht entwickelt hatte.

Paul Allen half Microsoft damals aus der Klemme, in dem er bei einem Bekannten für 50.000 Dollar das System QDOS einkaufte, aus dem dann das PC-Betriebssystem MS-DOS wurde.

Doch schon kurz nach diesem Coup kam es zu Spannungen. So beschreibt es zumindest Allen in seiner Autobiografie „Idea Man: A Memoir by the Cofounder of Microsoft“, die am 19. April in den USA erscheinen wird. Im April 1981, in einer heißen Phase des IBM-Projektes, flog Allen am Wochenende nach Florida, um sich mit drei Kollegen den Start des ersten Space Shuttle „Columbia“ anzuschauen. Ihm war es wichtiger, Augenzeuge dieses historischen Moments gewesen zu sein, als sein Leben bedingungslos der Firma unterzuordnen. Gates tobte und warf Allen vor, sich nicht entschieden genug für das Unternehmen einzusetzen.

Zum entscheidenden Bruch zwischen Allen und Gates kam es dann nach dem Ausbruch seiner Krankheit 1982. Er habe damals zufällig mitbekommen, wie Gates mit dem heutigen Microsoft-Chef Steve Ballmer diskutiert habe, Allens Anteile an Microsoft zu schmälern. Ballmer und weitere Anteilseigner sollten zusätzliche Aktienoptionen bekommen. „Das ist unglaublich! Es zeigt Euren wahren Charakter für immer und ewig“, platze Allen seinen Schilderungen zufolge in den Raum und stellte Gates und Ballmer zur Rede. Die beiden hätten dann von ihren Plänen abgelassen und sich später auch bei ihm entschuldigt.

Schon die Jahre zuvor habe Gates immer wieder den Vorstoß unternommen, ihn zum Verzicht auf Firmenanteile zu bewegen, schreibt Allen. Er schied 1983 bei Microsoft aus. Zuvor habe Gates vergeblich versucht, ihm seine Firmenanteile für fünf Dollar pro Aktie abzukaufen. Im März 1986 ging Microsoft an die Börse und erzielte 21 Dollar pro Aktie. Paul Allen wurde damit zu einem der reichsten Männer der Welt. Berücksichtigt man alle Splits des Microsoft-Papiers, wäre eine Aktie von damals heute über 7000 Dollar wert.

Allen investierte später erhebliche Teile seines Vermögens in Sportteams wie die Basketball-Mannschaft Portland Trail Blazers und das Football-Team Seattle Seahawks. Er finanzierte das Rock'n'Roll-Museum in Seattle und engagierte sich in einer Familien-Stiftung als Mäzen und Philanthrop. Und auch das Verhältnis zu Bill Gates normalisierte sich mit der Zeit wieder. Als Allen vor zwei Jahren erneut an Krebs erkrankte, habe Gates zu den ganz regelmäßigen Besuchern gehört, „wie man sich das von einem Freund wünscht, fürsorglich und besorgt“. Dies hielt Allen jedoch nicht davon ab, seine Geschichte zu erzählen, die für Bill Gates wenig schmeichelhaft ausfällt. Die Freundschaft stehe jetzt wohl ernsthaft auf dem Spiel, zitierte das „Wall Street Journal“ einen gemeinsamen Bekannten.

Bill Gates will diesen Fehdehandschuh aber nicht öffentlich aufgreifen. „Während sich meine Erinnerung an viele dieser Ereignisse sich von Pauls Erinnerung unterscheidet, so schätze ich seine Freundschaft und die vielen Beiträge, die er in der Welt der Technologie und bei Microsoft geleistet hat“, erklärte Gates.

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