Microsoft Was mit Windows 8 falsch läuft

Kassengift, gar ein Desaster: Der Software-Riese Microsoft musste nach dem Start seines neuen Betriebssystems Windows 8 harsche Kritik einstecken. Was ist falsch gelaufen? Eine Bestandsaufnahme.
Update: 19.04.2013 - 06:47 Uhr 55 Kommentare

Windows 8 verkauft sich doch

DüsseldorfEs sind harte Zeiten für Microsoft. Der Software-Riese kassiert reichlich Prügel für sein neues Betriebssystem Windows 8. In den Foren lästern viele Nutzer über die Bedienung mit Wischgesten und unterstellen der Windows Company eine kundenunfreundliche Haltung. Gar als Kassengift bezeichnet es ein Marktforscher. Und auch einige Gerätehersteller – eigentlich Partner – kritisieren es als zu kompliziert.

Doch trotz der harschen Kritik: Die Geldmaschine Microsoft läuft wie geschmiert. Von Januar bis März konnte der Software-Konzern seinen Umsatz um 18 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf unterm Strich annähernd 6,1 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) oder 72 US-Cent je Aktie, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Und das trotz der gewaltigen Werbeausgaben für Windows 8 und einer saftigen Buße der EU-Kartellwächter.

Windows 8 bremst Computerverkäufe aus

Microsoft übertraf beim Gewinn im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten. Sie hatten laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg im Schnitt mit nur 68 US-Cent Gewinn pro Anteilsschein gerechnet. Beim Umsatz hingegen lag der Software-Konzern im Rahmen der Prognosen. Die Aktie stieg nachbörslich um 2 Prozent.

Der Druck auf den Erfolg des Bertriebssystems zeigte sich am Donnerstag jedoch in einem weiteren Personalentscheid: Mit Finanzchef Peter Klein feuert Microsoft einen weiteren Top-Manager wie schon eine ganze Reihe vor ihm.

„Die Hetze gegen Microsoft ist nicht gerechtfertigt“, sagt Axel Oppermann, Analyst beim Beratungsunternehmen Experton. Dass der PC-Markt schrumpfe, liege nicht an Windows 8, sondern den vielen Alternativen zum Notebook oder Desktop. Dennoch habe der Konzern etliche Fehler bei der Einführung gemacht. Woran hakt es also?

Microsoft brauchte ein leistungsfähiges Betriebssystem für Smartphones und Tablet-Computer. Dringend. Denn das Geschäft mit klassischen PCs schrumpft, weil mobile Geräte viele Aufgaben übernehmen. Nicht nur bei Privatnutzern, die sich damit auf langen Bahnfahrten vergnügen oder zu Hause ihre Mails checken, sondern immer mehr auch in Unternehmen. Windows 8 soll Microsoft helfen, in dieser neuen Welt relevant zu bleiben.

Dafür vereinte der Software-Riese zwei Dinge, die bislang nicht zusammengehörten: ein klassisches Betriebssystem und eine Oberfläche für Tablet-Computer und Smartphones. Diese Kombination ermöglich neue Bauformen – vom klassischen PC übers Notebook mit Touchscreen und Hybrid-Geräte bis hin zu flachen Tablets.

Doch der US-Konzern verfährt nach dem Motto „One size fits all“: Alle Nutzer müssen das neue Kachel-Design verwenden – ob sie ein Gerät mit Touchscreen haben oder nicht. Der Startknopf, an den sich die Nutzer seit Windows 95 gewöhnt haben, ist verschwunden. Der klassische Desktop auf den ersten Blick auch, er ist aber über eine Kachel zu erreichen.

„Ich will auf meinem Notebook keine Wischtechnik und auf meinem Großdisplay sowieso nicht“, bringt ein Handelsblatt-Online-Leser den Eindruck vieler Nutzer auf den Punkt. Nicht jeder sei dazu bereit, „ein paar Spielwochen“ zu verbringen, bis er alle bereits bekannten Funktionen wieder erlernt habe, schreibt ein anderer.

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55 Kommentare zu "Microsoft: Was mit Windows 8 falsch läuft"

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  • Der Desktop funkioniert. Geht man mit der Maus auf eine App Kachel und drückt die rechte Maustaste, so kann man das Programm an den Desktop anheften. Hat man mehrere Fenster eines Programms geöffnet, so wird dieses angezeigt wenn man mit dem Mauszeiger unten in der Taskleiste auf das Programm geht. Solche banalen Infos wurden leider bisher von den Redakteuren unterschlagen. Kritisieren ist einfacher. Die nächsten Surface Modelle mit Intel Haswell- oder den kommenden Atom Prozessoren werden noch leistungsfähiger sein, bzw. weniger Strom verbrauchen.

  • Daß man Win8 mit einem leicht runterladbaren Freewaretool auch den Startbutton wieder beibiegt taugt als Bastellösung für zuhause.
    Auf meinem Arbeit-PC/Laptop habe ich aus guten Gründen keine Admin-Rechte und darf keinerlei Fremdsoftware installieren. Das irgendwie zum umgehen kann sehr unangenehme arbeitsrechtliche Konsquenzen nach sich ziehen. Die Rechner werden regelmäßig auf Fremdsoftware gescannt.
    Kann mir denken, daß das bei anderen großen Organisationen auch so ist - die Rechner wären ja sonst nicht sauber zu administrieren.

  • "Weitere Open Source Anwendungen: Firefox, Thunderbird, Compiler, OpenFoam für numerische Berechnungen, etc.
    Das Zeug kostet kommerzeill einen Haufen Geld!
    Linux wurde entwickelt, um die horrenden UNIX-Lizenzen zu umgehen...
    Auch viele Forschungsinstitute arbeiten mit Linux...
    Schon mal die Live CD von Knoppix ausprobiert?
    Das wäre ein guter Linux Einstieg für reine Windows User."
    ---------------------------
    FireFox (alleine schon wegen des Color-Managments!) und Thunderbird mit OpenPGP benutze ich sowieso, aber eben auf Windows und die ESR-Versionen. Für UNIX-Programme habe ich ebensowenig Verwendung wie für die Knoppix CD, auf der kein für mich nützliches Programm ist, außer GIMP, das ich aber wiederum als Windows Version benutze (da ist es recht ordentlich bis 2.6.11. 2.8 werde ich überspringen und wenn 2.10 wieder so einen Ärger wie 2.8 macht, dann war's das, dann kommt eben Adobe CS in's Haus. Mich interessiert nur: Funktioniert's einwandfrei oder nicht!). Ich habe einfach keine Lust, Programme selber zu kompilieren und zu pflegen und auch nicht die Zeit dazu. Das muß ratz fatz gehen, Installer drüberbügeln und fertig.
    Das Linux bei Servern eine gewisse bedeutung hat, war mir bekannt. Ich habe tatsächlich mal mit Linux geliebäugelt und mich schlau gemacht. Ein paar Stunden später war ich völlig ernüchtert. Wie gesagt, für meine Branche völlig uninteressant.
    Bei MS Office benutze ich übrigens eine alte, bewährte Version ohne Klickibunti, Ribbons oder ähnlichen Quatsch. Gut ist, was effektiv ist, alles andere zählt nicht.

  • @Wolfsfreund,

    wenn die DTP Profis bessere Software brauchen, dann ist es OK, ich komme mit OpenOffice beruflich besser klar als mit MS Office, seit Microsoft die Oberfläche ruiniert hat.
    Ihr Zitat:
    "Basteln und rumspielen = Linux"

    Die schnellsten Computer (Cluster) laufen auf Linux, ebenso viele Server, etc...
    Weitere Open Source Anwendungen: Firefox, Thunderbird, Compiler, OpenFoam für numerische Berechnungen, etc.
    Das Zeug kostet kommerzeill einen Haufen Geld!
    Linux wurde entwickelt, um die horrenden UNIX-Lizenzen zu umgehen...
    Auch viele Forschungsinstitute arbeiten mit Linux...
    Schon mal die Live CD von Knoppix ausprobiert?
    Das wäre ein guter Linux Einstieg für reine Windows User.

  • "ja, ja diese überflüssigen DTP-Blender, die wissen alles besser..."
    ------------------------
    Will was sagen? :-)
    Egal, DTP bis hin zu druckfertigen Vorlagen für den CMYK-Offset-Druck gehört zum meinem täglichen Brot. Ich habe übrigens nichts *generell* gegen Open Source, das gibt's auch für Windows und ein PAAR gute, brauchbare Programme sind durchaus dabei. Ich habe speziell was gegen Open Office, das sich beim Versuch praktischer Arbeit als Desaster erwies und mich beim Arbeiten massiv behinderte und nervte. Alte deutsche Rechtschreibung in Perfektion vor allem auch beim Trennen und Trennung aufheben beherrscht nur MS, von der Konfigurierung auf meine Arbeitsweise mal ganz abgesehen.
    Übrigens, mit Open Source habe ich gerade wieder ein Problem. Ein lange Jahre auf Windows trotz einiger Bugs (die mich speziell weniger tangierten, aber andere ärgerten) recht gut laufendes Programm, das auch exzellente Ergebnisse liefert, wird nicht mehr gepflegt (neue Kameras, bessere Algorithmen), weil man auf Windows keine Lust mehr hat, weil man dieses OS nicht mag (was für eine Begründung!). Was für mich heißt, ab der nächsten Kamera kommt kommerzielle Software ins Haus, die zwar kostet, aber immer aktuell gehalten wird. Letztlich mal wieder ein Beispiel, daß Open Source Programme oft eben NICHT professionellen Ansprüchen genügen. Auch toben sich dort sehr oft technik- und gimmikverliebte Programmierer aus, die von der Materie, um die es geht (bei mir Photographie und Co.) keine Ahnung haben und Programme entwerfen, die programmiertechnisch sehr schön gemacht sind, aber völlig mit nutzlosem Zeug überfrachtet, unpraktisch und schnarchlangsam.
    Mein Fazit: Open Source Programme benutze ich, solange sie mir nützen (spart Geld!), aber irgendwann reichen sie einfach nicht mehr (dann kosten sie Zeit = Geld!) und dann kommen eben kommerzielle Programme zum Zug.
    Mein persönliches Fazit:
    Basteln und rumspielen = Linux.
    Arbeiten und Geld verdienen = Windows und Mac.

  • @Wolfsfreund,

    ja, ja diese überflüssigen DTP-Blender, die wissen alles besser...
    mit Karnickelzüchterverband hat die Open Source nichts am Hut.
    Wer mit guter Software nicht umgehen kann, der läuft halt zur Apotheke...

  • "ein kleiner Tipp von mir, nehmen Sie einfach das kostenlose Open Office und gut iss..."
    ---------------------------
    Wie ich schon oben erwähnte: Taugt nichts. Alte, deutsche Rechtschreibung beherrscht dieses Programm gar nicht (jeder Lösungsvorschlag im Netz erwies sich als nichtfunktionierend und untauglich), das Wörterbuch-Handling für die Rechtschreibprüfung ist völlig unzureichend, ebenso die Konfigurierungsmöglichkeiten.
    Für ein paar Briefe mag's reichen, für einen, der beruflich textet und auf äußerste Effektivität achtet, auf gar keinen Fall.

  • "Mein Hauptgrund war die ständige, latente Bedrohungsgefahr, der man damit im Netz ausgesetzt ist. Seit MS-DOS war das Microsoft-Betriebssystem nie so stark das Ziel von Schadsoftware wie heute. Einschließlich Bundestrojaner. "
    -------------------------
    Sorry, aber in all den Jahren, in denen ich XP benutze, hatte ich noch nie Probleme mit Malware irgendwelcher Art. Ein paar Zusatzprogramme machen aus dem PC eine Festung, ohne daß es bei der Arbeit behindert.

    "Warum sich ärgern lassen, es gibt doch Linux. Da hat jeder seine Freude. Vom absoluten Vollnoob (Ubuntu) bis zum absoluten Crack (Gentoo o. LFS) ist für jeden Nutzer das richtige dabei. Daneben absolute Kontrolle des Systems, kein Nachhause-telefonieren von Programmen, kein Geld ausgeben, selber teilnehmen usw.
    [...]
    Jeder Windows User ist selbst für seine Unwissenheit schuld."
    --------------------------
    Ich will nicht selber teilnehmen, das OS hat einfach zu laufen. Die Aktualisierungen (wenn welche zur Verfügung stehen) laufen bei mir einfach an, wenn der PC runtergefahren wird. Ich muß mich um nichts kümmern, das System (Dell Workstation) schaltet nach dem Installieren einfach ab.
    Mit Linux könnte ich das Arbeiten gleich einstellen. Etliche essentielle Programme laufen darauf nicht, Open Office habe ich probiert und fand es grausam und unproduktiv, da ich z.B. jede Formatierung auf einen individuellen Button gelegt haben will. Ich arbeite im Bereich Editorial, Imaging und DTP und ohne Windows (oder Mac, wem das lieber ist), läuft in dieser Branche gar nichts. Die Bedeutung von Linux geht hier asymptotisch gegen null. Für den Karnickelzüchterverband mögen Linux-Programme reichen, für jemanden, der u.a. mit dem PC sein Geld verdient, reicht's zumindest in meiner Branche definitiv nicht.

  • @Flow
    Ihrer Ansich kann ich mich anschließen. Win7-feeling ist überhaupt kein Problem. Insofern kann ich nicht erkennen, warum Win8 den PC-absatz bremsen sollte.

    Andere Umstände sorgen für den Umbruch! Das der PC als Allinone-Geräte die Zeit nicht überdauert, wurde schon in den 90ern prophezeit. Jetzt ist es soweit. Neben Smartphones und Tablets gibt es immer mehr intelligente und Internetfähige Geräte. Vielleicht gehen wir irgendwann mit dem Kühlschrank ins Internet machen auch gleich mal kurz Excel, um eine Haushaltskalkulation zu machen.

    Mein Tipp an MS: macht das Win billiger, unterschiedliche Versionen, lasst es auf allen Plattformen laufen, damit ihr eure Basis für das Officepaket nicht verliert. Das ist nämlich euer eigentliches 'Pfund' im Endkundenmarkt.

  • Man kann nur den Kopf schütteln über Microsoft - state of the art wären "shells", die die Betriebssystemsbefehle in verschiedenem Gewand anbieten. Diese müssten per Knopdruck zur Auswahl stehen - natürlich wäre darunter eine echte "classical shell" und eine "tablet shell".
    Als Softwareentwickler und Systemarchitekt kann ich nur sagen, dass dieser Ansatz wegen der sowieso fälligen Trennung zwischen GUI und Systembefehlen eine naheliegende Lösung ist. Es bleibt Microsofts Geheimnis warum sie diesen Weg nicht gehen ...

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