Milliarden-Deal Softbank verhandelt laut Bericht mit WeWork über Mehrheitsbeteiligung

Softbank soll an einem größeren Anteil an WeWork interessiert sein. Mit dem Deal würde Investorenlegende Son jedoch gegen seine eigene Strategie verstoßen.
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Schon jetzt hält Softbank über den Vision Fund einen Anteil am Büroflächen-Anbieter. Quelle: AFP
WeWork

Schon jetzt hält Softbank über den Vision Fund einen Anteil am Büroflächen-Anbieter.

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TokioEs ist kein Geheimnis, dass Japans Investorenlegende Masayoshi Son viel von WeWork hält. Sein Mobilnetzkonzern und Technikinvestor Softbank sowie sein fast 100 Milliarden US-Dollar schwerer Softbank Vision Fund haben schon 4,4 Milliarden US-Dollar für einen 20-Prozentanteil in den rasant global expandierenden Anbieter von Gemeinschaftsbüros gesteckt. Doch nun verhandelt Softbank laut „Wall Street Journal“ mit WeWork sogar über eine Mehrheitsbeteiligung.

Es wäre eine große Wette. Im Raum stehen eine Investition von 15 bis 20 Milliarden US-Dollar durch den Softbank Vision Fund, berichtet die Finanzzeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte Personen, die mit den Gesprächen vertraut sein sollen. Allerdings merkt die Zeitung an, dass die Verhandlung im Fluss und ein Abschluss damit nicht garantiert sei. Softbank erklärte, man kommentiere den Bericht nicht.

Die Nachricht schließt sich an Meldungen vom Sommer an, dass WeWork durch eine neue Kapitalrunde seine Bewertung auf 35 bis 40 Milliarden US-Dollar verdoppeln will. Softbank war schon damals als einer der Geldgeber im Gespräch. Denn der Büroanbieter braucht derzeit viel Geld, um sein rasantes Wachstum zu finanzieren.

In nur acht Jahren ist das Start-up von einem Büro in Manhattan zu einem globalen Immobilienverwalter geworden, der Mitte des Jahres 265.000 Arbeitsplätze in 287 Gebäuden anbietet. In seiner Heimat Manhattan belegt WeWork bereits mehr Büroflächen als jedes andere Unternehmen. Aber noch macht das Unternehmen Verlust, da die Investitionen in neue Büroflächen mehr Geld erfordern, als die bestehenden Kunden einbringen.

Masayoshi Son glaubt allerdings, dass WeWork mit seiner sehr datengesteuerten Verwaltung das Zeug zu einem globalen Riesen als Büroanbieter hat. In Japan unterstützt Softbank seinen Schützling sogar dadurch, dass Softbank selbst große Flächen anmietet. Dennoch wäre eine Übernahme WeWorks etwas überraschend.

Nicht so sehr wegen der Höhe der kolportierten Investition: Son hat beim Kauf des US-Mobilnetzes Sprint oder des britischen Chipdesigners ARM schon höhere Summen zu weit riskanteren Konditionen gestemmt. Aber er würde damit gegen eine Grundregel seiner Strategie verstoßen, Softbank mit einem Schwarm von Unternehmen zum größten Konzern für künstliche Intelligenz, Robotik und die Vernetzung von Maschinen und Menschen zu machen.

Cluster-No.1-Strategie nennt Son seinen Ansatz. Darunter versteht er, dass Softbank Beteiligungen an Unternehmen kauft, die das Zeug zum Marktführer in ihren jeweiligen Gebieten haben oder schon Marktführer sind. Im Bereich Mobilität ist Son beispielsweise bei den Mitfahr-Apps Uber in den USA, Grab in Singapur und Didi Chuxing in China dabei.

Doch bisher sagte Son, dass Softbank sich auf Minderheitsbeteiligungen zwischen 20 und 40 Prozent konzentriere. Denn er will, dass die Unternehmen ihre unternehmerische Unabhängigkeit und Agilität behalten. Außerdem soll es auch bei Softbank Zweifel an der hohen Bewertung von WeWork gegeben haben.

Doch egal, ob sich diese Nachricht als richtig herausstellt oder doch kein Deal zustande kommt, ist eines klar: Softbank ist eine feste Größe in der Start-up-Welt geworden, seit der saudische Pensionsinvestmentfonds sowie eine Reihe von Unternehmen mehr als die Hälfte des Kapitals für Sons Softbank Vision Fund zur Verfügung stellen.

Seither gleicht eine Investition von Softbank einem Adelsschlag, der rasch andere Investitionen nach sich ziehen kann. Die singapurische Mitfahr-App Grab beispielsweise sammelte bereits im Sommer eine Milliarde US-Dollar vom japanischen Autohersteller Toyota ein. Diese Woche kündigte dann Microsoft an, eine nicht genannte Summe in das Start-up zu stecken, um gemeinsam internetbasierte Lösungen zu entwickeln.

Und Son sorgt bereits dafür, dass ihm das Kapital für weitere Unternehmenskäufe nicht ausgeht. In japanischen Medien dachte er bereits über neue Auflagen seines Softbank Vision Funds nach. Nun scheint er wenigstens einem zweiten Fonds ein großes Stück näher gekommen zu sein. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman kündigte vorige Woche in einem Bloomberg-Interview an, Son weitere 45 Milliarden US-Dollar anvertrauen zu wollen. „Wir haben enorme Profite durch den ersten Fonds“, rechtfertigte der Kronprinz die Ankündigung.

Auch Softbanks Aktionäre gewinnen Vertrauen in Sons Fonds, der inzwischen bereits den Konzerngewinn in die Höhe treibt. In der vergangenen Woche sank Softbanks Aktienkurs zwar. Aber zuvor war er auf den höchsten Stand in fast 20 Jahren gestiegen.

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