Millionen-Investitionen in Europa Google will sich mit Medienhäusern versöhnen

Ein Versuch, sich mit der Branche zu versöhnen: Google und europäische Medien schließen sich zusammen, um den digitalen Journalismus zu fördern. Der Suchmaschinen-Riese will dafür 150 Millionen Euro in die Hand nehmen.
Update: 28.04.2015 - 11:25 Uhr Kommentieren
Acht europäische Medien und Google schließen sich zusammen, um den digitalen Journalismus zu fördern. Quelle: AFP

Acht europäische Medien und Google schließen sich zusammen, um den digitalen Journalismus zu fördern.

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BerlinGoogle nimmt 150 Millionen Euro in die Hand, um das angespannte Verhältnis zur europäischen Verlagsbranche zu verbessern und findet Unterstützung bei renommierten Zeitungen. Das Geld soll in den kommenden drei Jahren zur Förderung des digitalen Journalismus fließen. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe will Google dabei direkt mit Medienmachern sprechen. Deren Bedenken könnten auch dazu führen, dass der Internet-Konzern eigene Produkte wie das Portal Google News verändert.

Die Kooperation läuft unter dem Namen „Digital News Initiative“, Initiative für digitale Nachrichten. Zum Start sind acht angesehene Medien beteiligt, darunter die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Zeit“ aus Deutschland sowie die britische Zeitung „Guardian“. Weitere Teilnehmer sind die Schwergewichte „Financial Times“, „El País“, „Les Echo“, „La Stampa“ und der Verlag NRC Media aus den Niederlanden. Drei internationale Journalisten-Vereinigungen sind ebenfalls dabei.

Wen die EU-Kartellwächter zur Kasse gebeten haben
Ideal Standard – 326 Millionen Euro
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Teure Toiletten: Weil Anbieter von Badezimmer-Ausstattungen ihre Preise für Wasserhähne, Duschwände und Toiletten zwölf Jahre lang abgesprochen haben, verhängte die EU-Kommission im Jahr 2010 Geldstrafen von insgesamt 622 Millionen Euro. Die höchste Strafe kassierte mit 326 Millionen Euro der US-Hersteller Ideal Standard – und das, obwohl die Geldbuße wegen des kooperativen Verhaltens bereits um 30 Prozent gemindert wurde. 17 Sanitärunternehmen, darunter auch sechs deutsche Firmen, hatten sich zwischen 1992 und 2004 etwa 250 mal zu Absprachen getroffen.

Pilkington Group – 370 Millionen Euro
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Wegen rechtswidriger Marktaufteilung und des Austausch sensibler Informationen über ihre Umsätze im Europäischen Wirtschaftsraum wurden gegen die Autoglashersteller Asahi, Saint-Gobain, Soliver und Pilkington im Jahr 2008 Rekordgeldbußen in Höhe von 1,38 Milliarden Euro verhängt. Die vier international führenden Konzerne hätten „die Autoindustrie und die Autokäufer fünf Jahre lang hintergangen“, so die damalige EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Besonders ins Gewicht fiel, dass es für drei der vier beteiligten Unternehmen das zweite EU-Urteil binnen eines Jahres war. Auch der britische Glashersteller und -verarbeiter Pilkington musste nach den 140 Millionen Euro Strafe aus dem Jahr 2007 erneut tief in die Tasche greifen. Dieses Mal belief sich die Strafe auf 370 Millionen Euro.

Siemens – 396,6 Millionen Euro
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Im Jahr 2007 verhängte die EU-Kommission gegen insgesamt elf Unternehmen Geldbußen in Höhe von 750 Millionen Euro. Zwischen 1988 und 2004 sollen die Gruppen an Angebotsabsprachen bei Ausschreibungen, Preisabsprachen, Projekt- und Marktaufteilung sowie dem Austausch geschäftlich wertvoller und vertraulicher Informationen beteiligt gewesen sein. Besonders der Siemens AG kommen die Absprachen teuer zu stehen: Wegen der Schlüsselrolle im Kartell, wurde die Strafe für Siemens um 50 Prozent heraufgesetzt. Die EU-Kommission bestrafte damit ein Kartell, „das die öffentlichen Versorgungsunternehmen und die Verbraucher mehr als 16 Jahre lang betrogen hat“, wie Kommissionsmitglied Neelie Kroes betonte. Zwar klagte Siemens gegen das Bußgeld, doch im Jahr 2011 bestätigten EU-Richter die knapp 400 Millionen Euro Strafe.

Hoffmann-La Roche – 462 Millionen Euro
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Wegen Beteiligung an acht geheimen Marktaufteilungs- und Preisfestsetzungsabsprachen für diverse Vitaminprodukte verhängte die EU-Kommission Geldbußen in Höhe von 855 Millionen Euro an acht Vitaminhersteller. Zwar war die Zusammensetzung und Dauer der Kartelle unterschiedlich, Hoffmann-La Roche galt aber bei allen Kartellen im Zeitraum von September 1989 bis Februar 1999 als Anstifter und Mitglied. Dafür kassierte der Chemiekonzern aus der Schweiz mit 462 Millionen Euro die höchste der acht Einzelstrafen.

Thyssen-Krupp – 480 Millionen Euro
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2007 hatte die EU-Kommission gegen den Konzern wegen Preisabsprachen im Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen das Bußgeld verhängt. 2011 wurde die Strafe allerdings auf 319 Millionen reduziert.

Iveco - knapp 495 Millionen Euro
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Die EU-Kommission verhängte 2016 gegen vier Lastwagen-Bauer wegen Preisabsprachen eine Rekordstrafe von insgesamt 2,93 Milliarden Euro. Der italienische Iveco-Konzern wurde mit einer Strafe von knapp 495 Millionen Euro bedacht. Die Lkw-Hersteller hätten über 14 Jahre hinweg Verkaufspreise für Lastkraftwagen abgesprochen, erklärte die Kommission. Zudem hätten sie „die mit der Einhaltung der strengeren Emissionsvorschriften verbundenen Kosten in abgestimmter Form“ an die Kunden weitergegeben.

Microsoft – 561 Millionen Euro
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Im Jahr 2013 verhängte die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 561 Millionen Euro gegen Microsoft. Verhängt wurde sie, da der US-amerikanische Soft- und Hardwarehersteller Nutzern die problemlose Wahl ihres bevorzugten Webbrowsers über einen Auswahlbildschirm nicht ermöglicht hatte. Die EU-Kommission hatte dies im Jahr 2009 aber zu einer Auflage gemacht. Der damalige EU-Kommissionsvize Joaquín Almunia sagte: „Verpflichtungszusagen in Kartellrechtsentscheidungen sind sehr wichtig, da sie eine schnelle Lösung von Wettbewerbslösungen ermöglichen. Diese Entscheidungen müssen selbstverständlich streng befolgt werden.“

Die Initiative soll für andere Medien offen sein. Für den Innovationsfonds könne sich jeder bewerben, hieß es, auch reine Online-Medien oder Startups. Auf die Frage, ob es Google nur darum gehe, die Medien digital fit zu machen, oder ob das Unternehmen bereit sei, seine eigenen Dienste zu verändern, sagte der zuständige Manager: „Es geht um beides.“ Google könne mehr für die Medien tun, führte Carlo D'Asaro Biondo in einem Interview der „Financial Times“ weiter aus.

Google und europäische Verlage beäugten sich bisher eher kritisch. In mehreren europäischen Ländern gibt es Streit um die Darstellung von Verlagsinhalten bei Google News und der Google-Suche. In Deutschland ringt eine Vielzahl von Verlagen darum, ob Google ihnen Geld bezahlen muss, wenn kleine Fragmente („Snippets“) ihrer Artikel in der Nachrichten-Suchmaschine Google News anzeigt werden. Die „FAZ“ und die „Zeit“ beteiligen sich nicht an der VG Media, die Forderungen gegenüber Google geltend macht. Mehrere Medien sprachen am Dienstag von einem „Pakt“ der beteiligten Verlage mit Google.

Google setzt auf versöhnliche Töne
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